Einschläferndes Feierabendgesöff

Einschläferndes Feierabendgesöff

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Manch eine Geschichtsstunde zu Schulzeiten erinnerte mehr an ein kollektives Dahindösen denn einem spannenden, sich annähernden Blick auf ein grundsätzlich Interesse weckendes Thema. Das Aneinanderreihen von Daten unter Hinzunahme mies gemachter Geschichtsvideos ist eher provozierte Massennarkose denn fruchtbarer Unterricht. Ähnlich verhält es sich mit der im Auftrag des Bayerischen Rundfunks produzierten Dokumentation Von Bier und Macht – Wie das Reinheitsgebot Bayern veränderte, das sich dem Verhältnis zwischen Bayern und Bier annimmt, in seiner Umsetzung aber nicht über die Qualität eines stark gestreckten Malzgetränks hinauskommt.

Er: ,,Wo isn' das Bier?'', Sie: ,,Na da, Saufbub.'', Er wieder: ,,Ah!''
Nicht die Hand Gottes, aber des Bieres Finger

Im Zentrum des Erfolgszuges des Biers in Bayern stehen die Wittelsbacher, einem der ältesten Adelshäuser Deutschlands. Durch konsequente Nutzung von Machtbefugnissen etablierten die Vorfahren den nachfolgenden Generationen die Beliebtheit des Bieres im südlichen Bundesland. Dabei stellt der Film Historisches und Aktuelles gegenüber – ein Versuch, das Damals mit dem Heute zu verbinden und somit der Dimension der Ereignisse gerecht zu werden. Ein gescheiterter, denn die Darstellung der Abläufe ist ähnlich denen der gefürchteten, so genannten Lehrvideos oder altbackenen TV-Geschichtsdokus.

Oft findet man sich in uninteressanten Interviews wieder, schaut einem Historiker beim Durchwühlen alter Dokumente zu oder einem Nachfahren der Blutlinie Wittelsbach beim Latschen durch eine taiwanesische Brauerei. Verwässert wird das Ganze mit dem Blick auf alte, historische Malereien, in deren Zentrum ohnehin meistens die Familie steht – oder bayrische (und asiatische) Biertrinkimpressionen.

Des Historikers Lesefolter
Gestatten, Lesefolter des Historikers

Ohne Verve oder auch nur das leiseste Interesse an der filmischen Auflösung wandelt der Zuschauer in schlaftrunkenem Zustand von einem bloßgestellten Fakt zum anderen. Hier waren inspirationslose Filmer am Werk, die im Grunde auch eine Diashow mit nachbearbeiteter Tonspur hätten abfilmen können. Oder besser: abfotografieren können. Das hätte Geld gespart und die Fördergelder nicht einmal mehr für solch pseudo-seriöse, in Staub gepresste Langeweile verpulvert. Niemand erfreut sich an öder Monotonie, die außerdem einer Geschichtsannäherung kräftigen Trittes entgegenstürmt. Sehr bitter, dieses Feierabendbier.

Alex Warren

Titel: Von Bier und Macht – Wie das Reinheitsgebot Bayern veränderte
Regie: Matthias Tönnissen
Laufzeit: 44 Min.
VÖ: 12.04.2016 (DVD)
Verleih: Eurovideo Medien

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