Einheitsbrei ade: Die Indie-Highlights 2015

Einheitsbrei ade: Die Indie-Highlights 2015

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Ori and the Blind Forest

Indie-Produzenten sind für die Spiele-Industrie mittlerweile genauso wertvoll wie die Triple-A-Entwickler von Ubisoft & Co. Ein Beispiel dafür sind Spiele wie der Horror-Schocker Outlast oder der Surgeon Simulator 2013. Indie-Entwickler heben sich vor allem durch ihre recht kleinen Teams vom Rest ab. Der Begriff „Indie“ lässt sich dabei recht weit auslegen. Von Spielen, die per Paint ins Leben gerufen werden und nur für einen Lacher gut sind, bis hin zu welchen, bei denen man aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommt. Vor allem in den letzten Jahren haben Indies in der Spieleszene immens an Bedeutung gewonnen. Durch Seiten wie Kickstarter oder auch Steam Greenlight werden diese finanziert und einer großen Öffentlichkeit präsentiert. Aber: Was ist denn nun so toll an den Indie-Spielen?

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Everybody’s Gone to the Rapture zeigt, dass Indie-Spiele locker mithalten können.
Faszination Indie-Spiel

Zuerst der wichtigste und ausschlaggebendste Punkt für Indie-Entwickler: Man selbst bestimmt das Spiel. Es gibt keinen Publisher, an den man sich zuerst wenden muss. Niemanden, mit dem man absprechen muss, ob es auch taugt für den Spielemarkt. Wie in jeder andren Branche auch haben die Spiele-Indies wesentlich mehr Freiheiten in der Entwicklung und Umsetzung als Studios der Triple-A-Spiele. Und genau das macht die Indie-Szene aus. Es werden völlig neue Spielkonzepte und Stilmittel eingesetzt und ganz bewusst mit den sonst recht eintönigen Spielabläufen gebrochen, selbst Genres werden gemischt. Den Entwicklern wird jede Möglichkeit offen gelassen.

Das soll nicht heißen, dass Triple-A-Spiele unkreativ sind, trotzdem kann man viele der Spielabläufe und Storylines in eine Schublade stecken. Vor allem begeistert mich die Umsetzung der Spiele. Speziell ernste Themen wie Depressionen, Selbstmord oder Drogen sind ein großes Thema im Indie-Bereich. Statt die Themen knallhart zu präsentieren, werden diese in einem sehr künstlerischen Stil vermittelt. Auch die sonst eher Casual-Game-Interessierten kommen hier auf den Geschmack. Viele Spiele sind leicht zu erlernen und für eine breite Masse geeignet. Der einzige, aber auch drastische Nachteil an Indie-Spielen sind jedoch die Finanzen.

Kein Geld, kein Spiel
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Gang Beasts

Während man sich bei Triple-A-Spielen schon ungefähr die Mindesteinnahmen ausrechnen kann, liegt dieser Aspekt bei Indie-Spielen in den Sternen. Du kannst theoretisch das beste Spiel der Welt herausbringen, wenn du jedoch kein Geld hast und niemand auf dein Spiel aufmerksam wird, dann hast du verloren. Und genau da kommt Kickstarter ins Spiel. Kickstarter ist die größte Finanzierungs-Plattform, die es bislang gibt. Hier werden Spiele, Filme oder auch komplett neue Projekte von den Spendern finanziert. Die Entwickler geben an, wie viel Geld mindestens gespendet werden muss, damit das Projekt zu Stande kommt. Je mehr Geld man spendet, desto mehr Vorteile eröffnen sich für den Spender. Das könnte ein eigener NPC im Spiel sein oder auch der Name im Filmabspann. Man wird also durchaus für seinen Einsatz belohnt. Viele der hier aufgelisteten Spiele kamen erst durch Kickstarter zu Stande. Den Entwicklern wird so ein riesiger Sprung nach vorne ermöglicht. Denn ein Spiel ist einiges teurer, als manche denken. So gab Ubisoft-Producer Decroix letztes Jahr bekannt, die Produktionskosten von Watch Dogs würden um die 50 Millionen Dollar liegen.

Auch Programme wie Steam Greenlight helfen, die Publicity für Spiele zu fördern. Leider ausschließlich für den PC. Spieler können wie auf Facebook einen Daumen nach oben oder nach unten geben, und je mehr Daumen / grünes Licht der Titel erhielt, umso eher wird es bei Steam angeboten. Es gibt mittlerweile also einige gute Anlaufpunkte für Indie-Entwickler, durch die sie ihre Arbeit publik machen können. Wäre da bloß nicht so viel Auswahl! Als kleine Orientierungshilfe habe ich mal einige meiner Favoriten aufgelistet, die dieses Jahr auf den Markt kommen.

nomanssky_sleaze_indiespieleNo Man’s Sky

Kommen wir zum ersten und momentan auch meist gehypten Indie-Spiel. Mit No Man’s Sky stellt Hello Games ein sehr interessantes „Explore & Survival“-Spiel vor. Mit der wortwörtlich unendlichen Galaxie, die per Zufall erstellt wird, verspricht sich das Team eine lange Spielzeit für die Spieler. Eine richtige „Story“ oder ein Ziel gibt es nicht. Die Geschichte soll jeder Spieler selbst schreiben. Am auffälligsten ist die ungewöhnliche Farbgebung des Spiels. Alles wirkt sehr bunt und grell. Jede Kreatur, Landschaft, Pflanze und Raumschiff sind einzigartig. Statt in eine vorher erstellte Welt zu tauchen trifft man hier auf eine Galaxie, die niemand anderes kennt. Jeder Planet, der mit dem Auge sichtbar ist, kann mit dem Raumschiff angesteuert werden. Übergangslos fliegt man also von Planet zu Planet und entdeckt das Universum. Trotz all dieser schönen Aspekte lauern andere Spieler und Lebewesen, die eine Gefahr für dich und dein Raumschiff darstellen.

Das Spielprinzip hört sich sehr viel versprechend an. Auf eine zufällig generierte Welt zu treffen macht mich auf jeden Fall neugierig. Wollen wir nur hoffen, dass die Langzeitmotivation dabei nicht flöten geht.hyperlightdrifter_sleaze

Hyper Light Drifter

Als großer 8Bit-Fan bin ich sehr gespannt, was uns Heart Machine mit Hyper Light Drifter bieten wird. Präsentiert wird das Ganze als 2D-Action-RPG. Der Protagonist, einer der „Drifter“, wird von einer unheilbaren Krankheit heimgesucht. Auf seinem Weg, die Krankheit zu heilen, reist man durch eine bunte und schön gestaltete 8bit-Welt und kämpft mit einer Vielzahl von Gegnern. Viel inGame-Material gibt es bis jetzt noch nicht. Das Spiel soll jedoch Waffen-Upgrades, viel Loot und eine taktische Vorgehensweise beinhalten. Ablaufen soll das Ganze nach dem Motto „Easy to pick up, hard to learn“. Anfangs wird man also mit noch recht schwachen Gegnern in kleinen Gruppen konfrontiert, während man mit der Zeit immer taktischer vorgehen muss, um die Vielzahl an Gegnern zu besiegen. Für die Variation im Kampf sorgen verschiedene Waffen. Von Laserstrahl-Waffen über Schilde bis hin zu Drohnen bietet das Spiel so ziemlich alle Möglichkeiten

Hier gefällt mir die Gesamtstimmung des Spiels. Das bunte 8Bit-Konzept mit dem stimmigen Soundtrack macht zusätzliche Lust. Auch die große Auswahl an Vorgehensweisen macht mich neugierig, da 8Bit-Spiele meist nicht sonderlich komplex aufgebaut sind.

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Das Ganze erinnert an einen Micky-Maus-Cartoon auf LSD
Cuphead

Schon ein Blick auf das Bild verrät das Interesse an Cuphead. Mit dem 30er-Cartoon-Style sticht Cuphead stark aus dem Einheitsbrei heraus. Gestaltet ist das Ganze als 2D-Sidescroller, heißt, es wird nur aus einer seitlichen Perspektive gespielt. Das Spiel selbst ist ein klassisches Shoot ‚em up, hier sprechen eher Waffen als NPCs. Als Cuphead verbringt man das Spiel damit, die Schulden bei dem Teufel zu begleichen, nachdem dieser eine Wette gegen Cuphead gewonnen hat. Man hat eine unbegrenzte Anzahl an Leben und auch die Waffen werden nach dem Tod gespeichert.

Vielmehr ist von dem Spiel noch nicht bekannt, das reicht jedoch für eine grobe Einschätzung. Studio MDHR setzt auf den ungewöhnlichen Grafik-Stil statt neue oder ausgeklügelte Gameplay-Elemente wie in anderen Indie-Spielen. Das Spiel wirkt zusammen mit dem Soundtrack wie ein spielbarer Comic aus den 30ern.

adr1ft_sleaze_indieADR1FT 

Ich persönlich interessiere mich für so ziemlich jedes Spiel, das mit dem Weltraum zu tun hat. Dadurch hat ADR1FT von 505 Games und Three One Zero mein erstes Interesse geweckt. Aus der First-Person-Sicht wird die Geschichte des Protagonisten erzählt. Man findet sich als Astronaut in einer zerstörten Raumstation wieder, die nun schwerelos im All herumfliegt. Die Aufgabe ist herauszufinden, was passiert ist und vor allem: einfach am Leben zu bleiben. Das kann sich in einer so tödlichen Umgebung ohne Sauerstoff recht schwierig gestalten. Um eine zerstörte Raumkapsel zu reparieren, macht man sich auf die Suche nach Ressourcen. Man kann also eine Art Survival-Spiel im Weltraum erwarten.

Das alles klingt für mich nach einem sehr vielversprechenden Ansatz. Ich bin gespannt und hoffe auf eine ordentliche Hintergrundgeschichte zum Absturz: Nazi-Zombies, die Pegida oder doch Aliens?

inside_sleaze_indieInside

Nachdem das Kopenhagener Playdead Studio mit dem Release von Limbo im Jahre 2010 schon große Erfolge verzeichnete, steht nun das nächste Spiel in den Startlöchern. Sowohl Limbo als auch Inside zeichnen sich vor allem durch den sehr düsteren und minimalistischen Spielstil aus. Ein offizielles Statement über die Spieleinhalte gibt es momentan noch nicht. Dem Trailer nach zu urteilen handelt es sich jedoch um eine industrieartige Umgebung. Graue Menschen laufen im Einheitsbrei hintereinander aufgereiht durch die Gegend. Möglicherweise Kritik an unserer Gesellschaft? Der Hauptcharakter jedoch scheint sich vor den anderen zu verstecken und zu flüchten. In Sachen Gameplay wird sich Inside höchstwahrscheinlich ähnlich wie Limbo als „Jump & Run“-Spiel gestalten, zusammen mit Rätsel- und Puzzle-Einlagen.

Es werden große Anforderungen an die Limbo-Macher gestellt. Ich finde das neue Setting sogar interessanter als das vorherige. Wer etwas düstere Spiele mag, sollte hier auf jeden Fall ein Auge drauf werfen.

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Über Rime bin ich zufällig während der Suche nach anderen Indie-Spielen gestoßen. Auch hier hat mich der Stil angesprochen. Dieser ist jedoch das genaue Gegenteil von Inside. Statt düsteren Farben herrscht hier ein freundlich-kindlicher Ton vor. In Rime schlüpft man in die Rolle eines kleinen Jungen, der scheinbar auf einer Insel festsitzt. Mit viel Grips und Hirnschmalz puzzelt man sich durch die Welt und löst Rätsel. Ziel des Spiels ist es, von der mysteriösen Insel zu fliehen und gleichzeitig einen seltsamen Fluch zu lösen. Interessant ist hier vor allem, dass es kein Kampf-System geben wird. Diesen Aspekt hat Entwicklerstudio Tequila Works komplett weggelassen. Dafür soll jedoch viel Interaktion mit der Welt stattfinden. Mit Hilfe von Artefakten manipuliert man die Umgebung und selbst die Zeit um sich rum. Eine Hintergrundgeschichte ist bis jetzt noch nicht bekannt, diese wird sich wahrscheinlich mit dem Spiel ergeben.

Hier hat mich vor allem die sehr schön designte Welt begeistert. Das Ganze wirkt ein wenig wie ein minimalistisches Aquarellbild. Der Fakt, dass es keine Kämpfe geben wird macht mich sehr neugierig. Schließlich macht das den Großteil der Spiele auf dem Markt aus.

Damit das jetzt kein 5.000-Wörter-Artikel wird, kürze ich das Ganze an dieser Stelle einmal ab. Es gibt noch eine Hand voll anderer Indie-Spiele, auf die ich mich dieses Jahr freue. Eine kleine Auswahl findet ihr unten noch einmal. Die Anzahl der Indie-Spiele auf dem Markt wird immer größer. Mittlerweile können diese schon locker mit Triple-A-Spielen mithalten, wenn nicht sogar überholen. In letzter Zeit musste man sich von den Großen eine Menge gefallen lassen, von überteuerten Spielen bis hin zu DLCs, die vom Spiel weggeschnitten wurden. Ich bin der Meinung, die Kluft zwischen Spieler und Entwickler ist bei den Indie Spielen (noch) nicht so groß, alles wirkt ein bisschen entspannter und liebevoller.

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Salt and Sanctuary
Weitere Indie-Spiele 2015:

Everybody Gone to the Rapture (The Chinese Room), apokalyptisches Adventure von den „Dear Esther“-Machern
Gang Beasts (Double Fine Productions), lustiges Multiplayer-Spiel
Salt and Sanctuary (Ska Studios), Action-Rollenspiel im Dark-Souls-Stil
Ori & The Blind Forest (Moon Studios), Action-Rollenspiel im „Metroidvania“-Stil

Anne

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