EINE SCHMUTZKI PUNKBAND UND IHR MOB

EINE SCHMUTZKI PUNKBAND UND IHR MOB

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SLEAZE.schmutzki1Auf dem Hurricane-Festivalgelände kann man sich über tausende rote Sticker mit weißem Schriftzug wundern, die einem von Dixiklotüren, Jutebeuteln, Gummistiefeln, Absperrungszäunen und dreckverschmierten, aber vor Glück verzückten Gesichtern aus entgegen leuchten.
Schmutzki ist überall. Bei Bierpong, Flunkyballspielen oder Trichtersaufen auf dem Campingplatz sowieso. Spätestens beim Auftritt der jungen Stuttgarter Punkrockband aber wird auch demjenigen klar, der den Jungs hier das erste Mal begegnet, dass die Fanmeute der Band – auch liebevoll Schmutzkimob genannt – bereit ist, mindestens genauso weit zu gehen wie die Jungs selbst.

Wieder frisch nach eurem Auftritt auf der White Stage? Wie war’s?

(lachen) Ja, doch. Wahrscheinlich war’s jetzt nicht der beste Auftritt, den wir je gegeben haben, weil wir dann doch irgendwie einige Stunden Trinkerei in den Knochen hatten. Aber wir haben uns Mühe gegeben und hoffen, den Leuten hat’s gefallen. Sie wirkten jedenfalls so, als hätte es ihnen gefallen.

Jetzt wart ihr ja am Freitag schon auf dem Southside. Habt ihr im Vergleich zu eurem Auftritt auf dem Hurricane heute einen Unterschied gemerkt?

Dany: Also, das Southside ist für uns auch irgendwie ein bisschen so was wie ein Heimspiel, weil’s eben in der Nähe von Stuttgart ist. Und dann waren auch noch mal ein paar mehr Leute im Zelt.

Beat: Ja, aber hier war’s wirklich überraschend viel.

Dany: Ja, es war wirklich eine Überraschung, dass heute echt so viele Leute da waren. Also, beim Southside waren wir zwar auch schon krass überrascht und haben echt nicht damit gerechnet, dass so viele da sind. Aber dann haben wir irgendwie gedacht, naja, jetzt geht’s zum Hurricane und da ist dann vielleicht viel, viel weniger. Aber das war jetzt überhaupt nicht so, die Leute sind geil ausgeflippt. Und ich glaube, wir haben gut gespielt. Den Umständen entsprechend. (lacht) Und zum Glück nimmt uns das halt auch irgendwie nie jemand wirklich übel, wenn’s dann ein bisschen rumrumpelt und -poltert. Das gehört bei uns auch irgendwie so ein bisschen dazu. Es sind auf jeden Fall alle sehr angesprungen auf eure Animation.

Dany: Wir lassen den Leuten auch keine Wahl! Wir als Animationstruppe.

Was war denn so die lustigste Aktion, die Fans mal für euch oder mit euch gestartet haben?

Beat: Heute hat echt einer beim Handstandmachen eine Bierpong getrunken. Das war schon aufregend. Also, so was hab ich noch nicht gesehen.

Dany: Ja, man muss schon sagen, wir machen auch immer schon auf den Campingplätzen vor den Konzerten so kleine Camps. Da spielen wir dann für die Leute so’n bisschen, mit so kleinen Verstärkern und so, bisschen Bier verteilen und unsere Aufkleber. Und dann war da wie gesagt einer während unseres Minigigs, der da erstmal eine Bierpong im Handstand wegmacht. Neulich haben die Leute auch was erfunden, dass die sich alle so auf den Boden gesetzt haben und angefangen haben zu rudern. Das war wahrscheinlich auch so eine Weltpremiere, aber irgendwie auch lustig, sowas hab ich auch noch nie gesehen. Auf einmal so – plöpp – alle sitzen auf’m Boden und fangen an so Ruderbewegungen zu machen. Das fand ich schon ziemlich geil und war dann auch beim Spielen ein wenig (zieht eine gespielt verwunderte Grimasse) abgelenkt, würd’ ich sagen.

Habt ihr denn Lampenfieber vor Auftritten?

Beat: Wir haben auf jeden Fall Lampenfieber.

Dany: Das gehört dazu. Ich glaub, wenn man kein Lampenfieber mehr hat, dann läuft was falsch irgendwie. Also, dann lässt einen das ja emotional scheinbar kalt. Und dann ergibt das Ganze irgendwie auch keinen Sinn mehr. Du musst ja aufgeregt sein, auch um irgendwie diese Energie abzurufen.

Flo: Das ist halt ganz verrückt, du siehst erst noch eine andere Band auf dem Festival und die ganzen Fans. Und dann gehen die plötzlich alle wieder raus und es ist kurz Umbaupause. Und währenddessen denkst du so: „Kommt jetzt überhaupt jemand?“ Man ist da schon sehr angespannt auf der Bühne und freut sich voll. Und hofft einfach, dass es ein cooles Konzert wird.

Wie würdet ihr denn den durchschnittlichen Schmutzki-Fan beschreiben?

Beat: Extrem gutaussehend, gut gebaut, höchstintellektuell…

Flo: Wohlriechend!

Dany: Genau. Wir haben immer so ein ganz schlechtes Gewissen, weil wir immer so schmuddelig daher kommen und unsere Fans so extrem durchgestylet sind. Nee, haha. Ich glaube, wir haben uns das so ganz gut eingerichtet, weil das im Prinzip alles so Leute sind, mit denen wir auch normalerweise rumhängen. Wir sind jetzt auch nicht die Punker von unter der Brücke, aber auch nicht die, die in den Edelbars abhängen – sondern in Stuttgart! Da ist man halt unter sich, wenn man‘ bisschen Rockmusik hört. Und so sind die Schmutzkifans vielleicht auch sehr unterschiedlich in dem Sinne. Aber alles sehr nette, warmherzige, Leute, die so …

Beat: … die so angenehm gute Laune versprühen. Und die Bock drauf haben und nicht irgendwie Ärger machen wollen. Sondern sich freuen, uns abfeiern, auf Festivals gehen und den ein oder anderen trinken, aber irgendwie dabei nicht die gute Laune verlieren.

Flo: Das hat man auch gesehen, als wir im Frühjahr unsere kleine Tour gespielt haben. Da hatten wir immer Vorbands aus den jeweiligen Städten und die haben immer gesagt: „Ey, eure Fans sind echt total nett.“ Die applaudieren auch bei der Vorband, obwohl sie vielleicht auch manchmal echt nicht so mega gut war. Kann ja sein. Aber das sind unsere Fans, das sind nette Leute, die gerne mit uns zusammen abfeiern.

Euer Album ‚Bäm’ ist ja gerade mal eine Woche alt. Vor ein paar Tagen habt ihr noch das Release gefeiert und jetzt spielt ihr schon Songs daraus auf den Festivals. Ist das schwierig für euch, weil das Ganze noch so frisch ist?

Beat: Ja, wir haben schon im April diese Tour gemacht und haben dort schon angefangen, ein paar neue Songs zu spielen.

Flo: Ein paar können wir auch noch nicht spielen.

Beat: Es gibt einige Songs auf der Platte, die wir nicht live spielen. Noch nicht, sag ich jetzt einfach mal. Und da viel der Platte halt auch erst im Studio entstanden ist und wir das gar nicht so in dieser Live-Situation getestet hatten, war dann schon so richtig Proben und Üben angesagt vor der Tour. Aber jetzt haben wir das alles auf jeden Fall drauf. Natürlich. (lacht) Ich kann fast alle Texte auswendig.

Flo: Wir hatten davor ja diese EP. Und auch gerade bei so einem kurzen Set wie heute haben wir jetzt schon sehr viel alte Songs gespielt. Einfach, weil wir wissen, das kennen die Leute jetzt auf jeden Fall, die schon mal mit Schmutzki in Berührung gekommen sind. Weil das Album ja wie gesagt noch ziemlich frisch ist. Da haben wir schon drauf gesetzt, dass wir mit den alten Songs einfach die Leute einschwören auf die Sache. Und dann spätestens im Sommer auf den nächsten Festivals oder auf unserer Tour im Herbst ändert sich das dann sicherlich, wo ihr natürlich auch alle herzlich eingeladen seid! Wir sind da auch sehr gespannt auf die Leute und auf das, was sie dann so fordern und welche Songs sie dann richtig abfeiern, wenn sie dann erstmal die Texte und alles kennen.

Auf eurer Internetseite heißt es: Schmutzki, das sind echte Songs, das ist echte Energie, das sind echte Freunde. Das heißt, ihr seid nicht nur aufgrund der Band ständig zusammen.

Dany: Also, jetzt mittlerweile ist es halt so, dass eh alles nur noch mit der Band zu tun hat, was wir zusammen machen. Das heißt wir hängen „gezwungenermaßen“ die ganze Zeit sowieso aufeinander rum. Und die zwei Typen (zeigt auf Beat und Flo) kennen sich ja im Prinzip schon seit sie Stöpsel sind, so mehr oder weniger.

Flo: Fünfte Klasse.

Dany: Ich bin noch nicht ganz so lange Teil der Freundesgang. Aber wir sind alle in Stuttgart immer in so einer großen Gang von so zwanzig, dreißig Leuten unterwegs gewesen. Und die beiden haben in einer WG zusammen gewohnt.

Also, Schmutzki ist auf jeden Fall auf dem Boden der Freundschaft gewachsen.
Kommt es da nie vor, dass ihr euch mal gegenseitig auf den Sack geht, wenn ihr während solchen Festivalwochenenden permanent aufeinander hängt?

Beat: Ja, natürlich.

Flo: Wir brauchen auch jetzt mittlerweile vier Nightliner.

Dany: Jeder kommt separat.

Flo: Wir haben echt den kleinsten Bus auf dem ganzen Gelände, glaube ich.

Dany: Ja, machen wir uns nichts vor. Das ist anstrengend, was wir da gerade machen. Und wir müssen auch abseits von den Konzerten sehr viel machen für die Band, weil wir auch enorm viel selber machen. Wir drehen zum Beispiel auch unsere Musikvideos selbst etc. Das heißt, wir haben da jetzt schon irgendwie eine sehr professionelle Beziehung. Und wenn gestritten wird, dann eigentlich immer nur auf einer wirklich inhaltlichen Ebene. Was ist jetzt die richtige Entscheidung für die Band? Da haben wir glaube ich eine ganz gute Streitkultur. Dass man halt das Persönliche trennt von dem, was die Band betrifft. Das muss man auch ein Stück weit trennen, sonst ist es wirklich schwierig. Wenn ich sage, dass es scheiße ist, was der da vorschlägt, dann sage ich nicht, dass ich nichts von seiner Meinung halte, sondern dass es vielleicht einfach im Kontext von unserer Band gerade keinen Sinn macht. Da muss man aber schon vorsichtig sein, da sind die Grenzen fließend. Aber ich glaube, ohne Kumpels zu sein und das vor allen Dingen auch schon vor der Band gewesen zu sein, wäre die Band so nie entstanden.

Wie sieht euer Leben außerhalb der Band aus?

Beat: Ich arbeite noch ein bisschen parallel, aber an sich machen wir gerade tatsächlich nichts anderes. Wir sind jetzt bis September jedes Wochenende auf Festivals unterwegs, unter der Woche proben wir oder haben irgendwelche sonstigen Banddinge zu tun. Und dann ist irgendwo auch noch im Hinterkopf, dass wir auch demnächst eine neue Platte machen wollen. Obwohl unsere jetzige ja erst rausgekommen ist. Man denkt natürlich aber immer irgendwie schon einen Schritt weiter. Uns wird nicht langweilig.

Dany: Es dreht sich tatsächlich gerade alles irgendwie ums Thema. Das gesamte private und berufliche Leben, das wir so davor hatten, wird zumindest im Moment auf die Band zugeschnitten. Damit wir die Möglichkeiten die wir kriegen, auch so gut wie möglich nutzen können und alles andere steht so ein bisschen zurück. Was nicht heißt, dass anderes nicht trotzdem wichtig bleibt, aber es passt sich gerade alles ein wenig an. Deswegen gibt es da auch eigentlich nicht so wirklich was Spannendes zu berichten. Wenn mal so zwei, drei Tage nichts ansteht, häng ich einfach nur Zuhause rum und glotz irgendwelche Serien, weil ich einfach mal meine Ruhe haben will.

Was hört ihr privat für Musik?

Dany: Ganz unterschiedlich. Wir haben Punkrock so als unsere gemeinsame Basis, weil wir das vor allem auch als Kids gehört haben. MoFX, Rants, … Ich glaube, die haben wir alle gehört und sonst schon ein bisschen unterschiedlich.

Flo: Jetzt gerade hört man selber aber kaum Musik irgendwie. Also, klar geht man gerne auf Konzerte, aber ansonsten hör ich eher klassische Klaviermusik. Manchmal nervt einen alles andere. Ich hab früher brutal zu viel gehört und jetzt gerade hör ich nichts mehr. Früher war wirklich das erste was ich gemacht hab, ab ins Zimmer und Ipod an, aber mittlerweile hör ich echt fast gar nichts mehr. Außer Future Islands!

Wen wollt ihr euch hier noch anschauen?

Dany: Wir gucken das, was gerade zwischendurch so läuft und wo wir Bock drauf haben. Aber dadurch, dass wir halt auch ein echt ziemlich straffes Programm haben, verbringen wir die ein, zwei Stunden zwischendrin mit Verschnaufen. Dann ist man auch mal echt froh, wenn nicht schon wieder eine Million Dezibel durch dein Hirn hämmern.

Nächste musikalische Ziele eurerseits?

Beat: Erstmal versuchen wir den Festivalsommer so erfolgreich hinter uns zubringen, wie wir ihn angefangen haben. Rock im Park, Rock am Ring und jetzt Southside und Hurricane waren der Auftakt, so soll’s weitergehen. Dann erhoffen wir uns im Herbst eine eigene Tour und vor allem, dass da wieder viele Leute dabei sein werden.

Dany: Ich denke, unser Ziel ist es, diese Band an einen Punkt zu bringen, das wir davon leben können. Das wir das hier bis zu unserem Lebensende machen können und das auch wirklich geht, ohne, dass man irgendwie auf Hartz-IV-Niveau sein Leben verbringen muss. Es soll unser Beruf werden und wir wollen noch ein bisschen größer werden, um uns auch festzusetzen. Bands kommen und gehen, machen wir uns nichts vor. Jetzt haben wir einen ganz guten Sommer, aber meine Hoffnung ist, dass wir was schaffen, was noch nicht viele andere Bands vor uns geschafft haben. Sich zum Beispiel eine Fanbase zu erspielen, auf die man sich verlassen kann, sodass man jedes Jahr wiederkommen und die Leute mit unserem Blödsinn glücklich machen kann. Wir haben auch das Gefühl, wer einmal Schmutzkifan ist, den kriegst du so schnell nicht wieder los, sag ich jetzt mal ironisch. Da hat man schon das Gefühl, da passiert Magic, wenn die ihr rotes T-shirt überstreifen. Mehr Magic als bei den meisten andern Bands, würde ich jetzt mal ganz selbstbewusst behaupten.

Hurricane oder Southside?

(Alle drei gucken ganz verlegen)
Beat: Ja, für uns ist es schon Southside, weil wir eben von dort kommen. Und die letzten fünfzehn Jahre sind wir auch selber immer dort gewesen. Deswegen Southside. Aber heute sind wir zum ersten Mal hier und – es ist schön hier.

Dany: Ich muss tatsächlich sagen, dass ich es hier sehr schön finde und mir sogar wünschen würde, dass sich das Southside an manchen Stellen vielleicht eine Scheibe abschneidet. Southside ist irgendwie so ein Moloch, eben hingeklatscht. Hier auf dem Hurricane ist irgendwie alles ein bisschen interessanter, schöner gestaltet und da gibt’s auf jeden Fall mehr zu gucken. Aber mit dem Southside sind wir natürlich sozialisiert. Und dem müssen wir natürlich treu bleiben.

Bier oder Wein?
(Einstimmiger Knabenchor) Bier.

Berlin oder Hamburg?
(Wieder der Knabenchor)Hamburg.

Hamburg oder Stuttgart?

(Zögerliches Stirnrunzeln)
Dany: Ich würde sagen, Stuttgart ist unsere Ehefrau, die wir auch behalten, aber Hamburg ist unsere Geliebte, mit der wir ab und zu mal ein bisschen fremdgehen.
Stuttgart oder Bodensee, eure Heimat?

Dany: Definitiv Stuttgart aus meiner Sicht.

Beat: Stuttgart ist jetzt das Zuhause, aber Bodensee und Konstanz vor allem heißt Family, Eltern, Schwester, einfach alle da. Immer geil, da zu sein.

Dany: Eine Woche im Sommer mit gutem Wetter reicht mir da.

Beat: Das Schöne an Stuttgart ist, dass man so schnell am See ist.

Langschläfer oder Frühaufsteher?

Dany: Frühaufsteher! Zum Leidwesen meiner Band.

Flo: Früher leidenschaftlicher Langschläfer, aber mit dem Einstieg in das Berufsleben hat sich das gewendet.

Schmutzfinken oder Ordnungsfanatiker?

Dany: Beides irgendwie. Ich schaff’s, meine Wohnung innerhalb kürzester Zeit in das totale Chaos zu verwandeln, hab dann aber auch irgendwie Freude daran, das relativ akkurat wieder aufzuräumen. Ein bisschen wie eine Dusche nach einem Festival.

Beat: Es geht nicht nur chaotisch, aber auch nicht nur aufgeräumt.

Flo: Auf dem Festival schon. Nur chaotisch.

Kräuter essen oder rauchen?

Dany: Ach, beides gerne! Das hat beides seine absolute Daseinsberechtigung. Gutes Essen ist ohne Kräuter schwierig, aber …

Beat: … aber manche Momente sind ohne rauchende Kräuter doch nicht ganz so geil wie Momente mit rauchenden Kräutern.

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Danke Jungs, und bis bald!

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