Ein schwerfälliger Atemzug

Ein schwerfälliger Atemzug

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SLEAZE + So lange ich atme
Bei diesem wichtigen Thema…

So lange ich atme erzählt die Geschichte von Robin Cavendish, der an Polio erkrankt, einer Lähmung, die die Atemmuskulatur beeinträchtigt. Seine Frau Diana ist kritisch gegenüber der Behandlung im Krankenhaus und verlagert ihren Ehemann nach Hause, um ihn mit der Unterstützung von Familie und Freunden selbst zu pflegen.

Die Kreatur vor der Kamera ist nun hinter der Kamera

Andy Serkis war Gollum in Mittelerde, Caesar auf dem Planet der Affen und Snoke in einer weit weit entfernten Galaxie. Nun wechselt er nicht nur seine Kameraposition, sondern begibt sich auch gleich in ungewohnte Gebiete. In seinem Debüt als Regisseur reist er in die 50er Jahre und versucht sich an diesem Biopic-Drama.

Um dieses vermeintliche Liebesdrama umzusetzen, gesellt sich Jonathan Cavendish als Produzent dazu. Dieser ist niemand Geringeres als der Sohn des im Film Leidtragenden –Nur: Die wahre Geschichte seiner Eltern auf die Leinwand braucht mehr als eine gute Story.

Inszenierung wie ein schlechtes Gemälde

Die eigentlichen Hauptdarsteller – Elizabeth II.-Darstellerin Claire Foy und der zweite Spiderman Andrew Garfield – mimen das Ehepaar und versuchen dem Schicksal mit ihrer Romanze zu trotzen – vergeblich. Beide wirken in diesem Drama eher wie Schachfiguren, welche ohne Emotionen und Motivation handeln. Selbst die Nebendarsteller wirken puppenhaft und fehl am Platz. Die Charaktere erhalten keine persönliche Entwicklung oder tauchen auf, ohne einen gewissen Kontext aufzubauen.
Der sprunghafte Wechsel der Jahre und der abgehackte Übergang von Szenarien kommen einem eindimensionalen Gemälde gleich – da helfen auch die schönen Landschaftsaufnahmen nicht. Dialoge und Gestiken bringen ebenfalls kaum Gefühle auf die Leinwand und wirken plump und schlecht inszeniert. Da wollte man wohl eher der persönlichen Geschichte recht werden, als dem Zuschauer Gefühl und Inhalt zu vermitteln.

SLEAZE + So lange ich atme
…dominiert allein die „Romantik“.

Höhepunkt im Film ist allein der Fortschritt in der Behandlung der Krankheit Polio und die Integrierung der Behinderten in die Gesellschaft. Die Nominierungen in den Kategorien Hair Design, Make Up und Sound für irgendwelche britischen Film Awards sind auch nicht das Zünglein an der Waage.

Der Film hat die Chance verpasst, einen medizinischen Fortschritt ernsthaft zu erzählen und konzentriert sich eher auf eine aufgezwungene Romanze mit Nebeneffekt. Schade.

Kevin

Titel: So lange ich atme
Länge: 118 Minuten
Genre: Biopic, Drama
Kinostart: 19.04.2018
Produktionsland: Vereinigtes Königreich
Verleih: SquareOne / Universum Film

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