Ein Papierbrett zum Surfen!

Ein Papierbrett zum Surfen!

Schon beim Anblick dieses Werks ist man leicht eingeschüchtert. 592 Seiten. Gefühlt 100 Kilo schwer. Und sooooo toll! Aber von vorn.

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Nein, wir sind nicht neidisch...
Nein, wir sind nicht neidisch…

Der TASCHEN Verlag. Mal wieder. Wir lieben ihn, und mit diesem Buch lieben wir ihn noch einige Seiten mehr. Es ist nicht das erste Buch, was wir von dem Verlag vorstellen. Und es wird nicht das letzte sein. Und es ist auch nicht das erste monumentale Werk, was Taschen über das Surfen herausbringt. Trotzdem. Dieser Schinken (selbst der Autor bezeichnet sein Werk so) hat (das Zeug zu) mehr. Surfing heißt das Buch, und nein, es geht nicht um Online-Surfen. Es geht um mehr. Es geht um Meer!

SLEAZE.surf8Auf den knapp 600 Seiten verteilen sich fünf Kapitel, die die Entwicklung des Surfens von 1778 bis 2015 sortieren. Bereits das Vorwort macht deutlich, wie sehr Autor Jim Heimann für das Surfen brennt. Es wird klar, dass man nicht unbedingt auf den Wellen reiten muss, um ein Teil dieser Szene zu sein. Es geht um den gesamten Lifestyle: Wo du dich aufhältst, was du dabei trägst und welche Musik du hörst.

Jim, selbst Chefredakteur bei TASCHEN in Los Angeles, hatte die Idee zu diesem Buch bereits vor über zehn Jahren und weiß, worauf es bei so einem Bildband ankommt. Selbst ohne Texte sprechen die Zeichnungen, Fotos und Plakate ausdrucksstark für sich. Wunderschönen Bildern wird viel Platz eingeräumt, häufig als Doppelseite. Durch sie ist die Beliebtheit des Sportes zu jeweiligen Zeit erkennbar und natürlich auch der jeweilige (Bade)Stil. Es ist also nicht verwunderlich, dass es extra Abbildungen gibt, die sich nur auf Badehosen und Hemden beziehen. Erstaunlich, wie viele der Sachen man heute wieder anziehen könnte.

Natürlich darf er nicht fehlen: Kelly Slater
Natürlich darf er nicht fehlen: Kelly Slater

Jim hatte mehr als 7.000 Bilder zur Auswahl und schaffte es tatsächlich, 900 davon in „Surfing“ unterzubringen. Wie viele es wirklich sind, verdeutlicht das Beiheft. Da die Texte im originalen Wälzer nur auf Englisch sind, gibt es sie im Beiheft auf Deutsch und Französisch. Doch passt der Text einer Ausgabe hier auf gerade mal 54 Seiten. Ein kleines Manko: Im Beiheft fehlen die Seitenzahlen, wo sich der Text im Big Brother befindet. Wer sich das Blättern ersparen will, muss mit den englischen Texten vorlieb nehmen.

Die Texte besteht aus Anekdoten und Fakten und es werden immer wieder Parallelen zur Popkultur gezogen. Dazu gibt es Erlebnisse und Anekdoten von Surf-Legenden und Fotografen. Es wird auch nicht verschwiegen, dass die Phasen, in denen das Surfen besonders beliebt war, viel mit dem Einfluss der Mode- und Filmwelt zu tun hatten. Über Baywatch regten sich viele Surfer auf, während Gefährliche Brandung viele Zuschauer in die Wellen lockte.

Und nicht nur die atemberaubenden Aufnahmen machen dieses Buch für Nicht-Wellenreiter interessant, sondern sehr spannend ist die Transformation von einer Fortbewegungsart zu einem Lifestyle und dann zu einem Millionen-Geschäft. Wem das irgendwie bekannt vorkommt vom Skate- oder Snowboarding…das ist bestimmt nur Zufall.SLEAZE.surf15

Wer vom Surfen und Wasser nie genug bekommen kann, wird sich auch an diesem Buch nie satt sehen können. Die vielen verschiedenen Geschichten lassen alles noch bunter wirken als es durch die Bilder ohnehin schon ist. Die Film- und Musikreferenzen lassen dich oft schmunzeln. Man kann direkt in das Surfer-Herz von Jim Heimann eintauchen, der die Wettbewerbe und Geschäfte dieser Szene nicht außen vor lässt, dich jedoch den Ursprung und das Lebensgefühl, das hinter der Kunst des Wellenreitens steht, mitfühlen und erleben lässt. Das rechtfertigt auch den recht üppigen Preis.

Hang loose / Shaka

Maurin

Titel: Surfing
Autor: Jim Heimann
Verlag: TASCHEN
ISBN: 978-3-8365-3756-8
Preis: 150 €

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