Ein letztes M(et)al

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SLEAZE + Flyer des K17
Die Reinkarnation des Metal auf dem Flyer des K17

Grün-blaues Konfetti wirbelt durch die Luft. Der DJ spielt 90er-Jahre-Techno, gefolgt vom Candy Shop und schließlich der Cantina Band. Draußen raucht ein Großteil der Metaller im Hof, der den wilden Party-Floor vom Komplex mit Gothic und Metal trennt. Das K17 war schon immer ein Club der Gegensätze und einer der wenigen rockigen Clubs Berlins. Tätowierte Hardcore-Punks oder buntgeschmückte Cybergoths: Im K17 fanden viele Subkulturen ihren Platz. Nun soll er für immer schließen.

Es ist Freitagabend, das K17 lädt zum letzten „Friday Club“ ein, den meist halbnackte Frauen auf Flyern anpriesen. Jason ist einer der Gäste: „Ich wusste gar nicht, dass der Club dicht macht. Ich dachte einfach: Freitag – Kasi – für umme – passt.“ Denn so hat das Kasi, wie der Club liebevoll genannt wird, meistens seine Gäste gelockt: Kostenloser Eintritt bis 23 oder 0 Uhr sorgten für meterlange Schlangen. Meist allerdings nur kurz vor diesen Zeiten – Und die riesige Fläche des K17 war oft leerer als gedacht.

„Rock stirbt“ in Berlin?

Nun wird es eng um rockige Musikrichtungen in Berlin. „Rock stirbt hier.“, sagt Daniel, einer der Gäste dieses Abends. Er erzählt von wenigen Orten, die man nur an vereinzelten Abenden besuchen könne: Das Astra, Sage Club oder Musik und Frieden. Letzteres führt die Drop the bomb-Partyreihe weiter, die als ebenso legendär wie der Friday Club im K17 gilt. Nachdem ein Elektroclub nach dem anderen aus dem Boden sprießt, fürchten die Rocker um ihre Subkultur. Ob Duncker oder Chesters: Sie sind die wenigen, die noch bleiben. Darüber hinaus gibt es noch viele kleinere Events ohne festen Ort.

Vergangenheit trifft Zukunft

Zu den weiterführenden Plänen äußerte sich das K17 leider nicht. Zwei Konzerte waren noch für den Herbst geplant, doch sie wurden abgebrochen. Eine Pleite? Oder Nachbarschaftsklage? „Die neuen Nachbarn seien nicht schuld“, zitiert die Berliner Zeitung das K17. Tim, einer der Gäste könnte sich ebenfalls eine Neueröffnung unter neuem Betreiber vorstellen, einige Gäste sprechen von einer „strategischen Schließung“, um demnächst wiederzueröffnen. Gerüchte türmen sich über Gerüchte, aber am Ende weiß niemand genau, was aus dem Club wird.

Der Abschied wurde aber als endgültig ausgesprochen – gerade erst nach dem Geburtstag von 17 Jahren am Standort an der Pettenkoferstraße. Das K17 glänzte nicht nur. Einige Gäste fanden die Musik zwischen den Floors oft schlecht abgestimmt, einer kritisiert die Drogenpolitik des Clubs. Viele Alteingesessene bedauern hingegen den Wegfall: „Ich mag die Leute, die hier rumlaufen.“, so Alexandra, eine der Gäste des letzten Abends: „Das ist irgendeine abgeranzte Mischung aus merkwürdigen Emo-Mädchen, Punks und verirrten Leuten.“ Sie zitiert ein Gespräch: „Ich suche meine Freundin. Sie ist blond und hat Brüste.“ – „Die da?“ „Hey, ja, das ist sie!“.
Es sei ihr immer eine Freude gewesen.

Lisbeth

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