Ein Film wie ein Rückfall

Ein Film wie ein Rückfall

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SLEAZE + Unsane
Hallo? Hallo? Ich bin weder in- noch unsane.

Die Geschichte wiederholt sich. Nachdem Steven Soderbergh erst im vergangenen Jahr die Heist-Komödie Logan Lucky mit seinem Filmstudio Fingerprint Releasing ins Kino brachte und mich zwar ob seiner unabhängigen Vertriebsweise, nicht aber als Film begeisterte, zeigt sich mit seinem neusten Werk Unsane ein ähnliches Phänomen.

Mit iPhone gedreht, wirkt der Streifen um eine junge Frau, die unfreiwillig in die Verhaltensforschungsabteilung eines Krankenhauses eingeliefert wird, anfangs noch frisch, individuell und befreit von jenem so genannten Hollywood-System, dem der Regisseur entfliehen wollte. Doch Steven verrennt sich irgendwann in einem erzählerischen, inszenatorischen Vakuum, das sich bekannten Weges aufzudrängen versucht.

Die Lahmheit der Bestätigung

Denn seinem lange Zeit als narrativen Kern fungierenden „Paranoia“-Plot um die von Claire Foy (The Crown) verkörperte Hauptfigur der Geschäftsfrau und des Stalking-Opfers Sawyer Valentini zieht Steven allzu schnell die Zähne und damit die Spannung.

So pendelt Unsane bald irgendwo im luftleeren Raum zwischen Kritik am Gesundheitssystem, konfliktreichen Klapsenalltag und Enthüllungsgeschichte (handelt es sich bei einem der Pfleger tatsächlich um den Stalker von Sawyer?). Dies ist vor allem dahingehend seltsam vertraut, da Steven seine vom „System“ befreiten Möglichkeiten kaum nutzt und die Erwartungen des Zuschauers nicht bricht, sondern bestätigt.

SLEAZE + Unsane
Routinierter Klapsenalltag…

Allzu offensiv manövriert er seinen Film ins Territorium des Überdeutlichen, des Bekannten, der Überraschungslosigkeit. Die dramaturgische Platzierung seiner Figuren geschieht schnell und verändert sich nur vor dem Hintergrund bekannter Schemata. Opfer-, Täter- wie Helferrollen sind klar definiert, wobei sie reglementiert auf dem filmischen Erzählbrett umhergeschoben werden.

So ganz Unsane ist dieser Unsane also nicht wirklich. Da schließt sich in aller Konsequenz denn auch die größte, charakterliche Wendung des Films brav an. Ohne diese zu spoilern, vergärt auch sie ob ihres so niedlichen Erzählfundaments zu einem billigen Schockmoment, aus dem einige kleinere schlüpfen. Stevens Schlag in die Magengrube kommt hier mit langer Vorwarnzeit und völlig schwungfrei. Zu diesem Zeitpunkt ist der Film atmosphärisch längst unter seiner Regellast zusammengebrochen, zumal der Plot hierdurch vorwiegend in den Vordergrund rückt.

Das Gimmick, der Fremdkörper

Dass der Filmemacher mit einem iPhone 7 Plus drehte, ist vor allem ein Mutmacher und ein Bekenntnis zur unabhängigen, vergleichsweise erschwinglichen Produktion. Dafür bin ich Steven dankbar. Doch ihm selbst ging hier, so wirkt es, der inszenatorische Bezug zu seiner Story verloren.

Der seltene Einsatz von Farbfiltern, die er u.a. schon im Drogen-Drama Traffic (2000) nutzte sowie einige perspektivische Einfälle wie Bildüberlagerungen haben Gimmick-Charakter. Sie sind zum Teil Fremdkörper, die den Filmfluss neben dem omnipräsenten Plot zusätzlich zum Erstarren bringen. So leidet die Emotion, die Stimmung und damit der Film. Wo andere Werke über die Summe ihrer Einzelteile hinaus zu Magie transzendieren, finden sie hier nie zusammen. Ziemlich „Sane“, dieser Unsane.

Alex

Titel: Unsane
Kinostart: 29.03.2018
Dauer: 98 Minuten
Genre: Thriller
Produktionsland: USA
Filmverleih: 20th Century Fox

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