Ein Film für Allein

Ein Film für Allein

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Dagur Kári ist von besonderen Menschen und ihren Geschichten fasziniert. Die Speziellen und Eigenen, die es nicht so leicht haben, ihren Platz im Leben und in der Gesellschaft zu finden. Der isländische Regisseur hat nach Filmen wie Ein gutes Herz und Noí Albínói wieder einen Typ Mensch inszeniert, der zum Nachdenken anregt.

Virgin Mountain CoverDer füllige Isländer Fúsi arbeitet als Flughafenmitarbeiter und wohnt mit Mitte 40 noch zuhause bei seiner überfürsorglichen Mutter. Er stellt Schlachten aus dem Zweiten Weltkrieg mithilfe von kleinen Plastikspielsachen nach, wobei ihm sein einziger Freund Mordur Gesellschaft leistet. Auf der Arbeit wird er von seinen Kollegen gepiesackt und bedrängt, was er allerdings stillschweigend über sich ergehen lässt. Als er sich mit dem kleinen Mädchen Hera aus seinem Haus anfreundet, wird er von der Nachbarschaft endgültig als nicht geheuer eingestuft und gemieden. Fúsi zieht sich immer mehr in seine eigene Welt zurück und wirkt wie ein kleiner, unsicherer Junge, der in dem riesigen Körper des erwachsenen Mannes gefangen ist. Er verbringt viel Zeit in seinem Auto, um sich vom Rest der Welt so gut es geht abzuschotten. Selbst als der Freund seiner Mutter ihm zum Geburtstag einen Tanzkurs schenkt, rettet er sich nach einem Blick in die Halle wieder in seinen Jeep. Erst als Fúsi durch Zufall Fjola kennenlernt, die auch in dem Kurs ist, beginnt er sich etwas zu öffnen.

Die beiden fangen an sich anzufreunden und im ersten Moment ist man neben der Freude für Fúsi, das er endlich jemanden hat, zu dem er Vertrauen und Nähe aufbauen kann, schrecklich enttäuscht, weil mit einer Liebesbeziehung die restliche Geschichte des Films auf der Hand liegt. Doch zum Glück sind die Persönlichkeiten der Personen, um die es in dem Film geht, viel zu eigen und besonders, als dass die Geschichte so banal enden könnte.

Virgin Mountain ist einer der Filme, die man sich allein anschauen sollte, da ein Gespräch hinterher absolut unbefriedigend wäre. Er lässt einen über sich selbst und über das eigene Umfeld nachdenken, ohne durch übertriebene Handlungsverläufe oder unrealistische Wendungen imponieren zu wollen. Die Banalität der Geschichte und die unverschönten Aufnahmen des Films erzeugen eine merkwürdige Intimität zwischen dem Zuschauer und den Personen auf der Leinwand, die einen das Kino mit wundervoll tiefgründigen Gedanken und Gefühlen verlassen lässt.

Milena

Titel: Virgin Mountain
Länge: 94 Minuten
Regie & Drehbuch: Dagur Kári Pétursson
VÖ: 12.11.15
Verleih: Alamode Film

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