Egal, wie man es dreht und wendet…

Egal, wie man es dreht und wendet…

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SLEAZE + die Wende…die Wende war das lang ersehnte Happy End dieses sehr harten deutschen Thrillers das gesamte 20. Jahrhundert über. Erster Weltkrieg, Zweiter Weltkrieg, Kalter Krieg, Mauerbau, Stasi und endlich der Mauerfall. Diese Geschichte im doppelten Sinne ist Thema vieler Museen. Doch keins ist so unterhaltsam wie das Wendemuseum.

Das Wendemuseum hat allerdings seinen Namen nur halb verdient. Denn das Museum beschäftigt sich nicht nur mit der „Wende“. Es legt seinen Fokus sehr deutlich auch auf die DDR selbst, auf all die kleinen verrückten Dinge, die halt so entstehen, wenn man ein Staat ist – und besonders, wenn man ein so merkwürdiges Land wie die DDR ist. Die westliche Seite wird hier bewusst ausgeklammert, auch wenn die BRD natürlich auch schon lange ihre Finger im Spiel hatte. Aber: Das Museum beherbergt jetzt schon mehr als 100.000 dieser DD(R)evotionalien, womit eine Orientierung wie Das DDR Handbuch des Taschen Verlags Sinn macht.

SLEAZE + die Wende
Sozialistisches Kommunismus-Glückspiel? Ob Mensch und Sache: Was nicht passt, wird passend gemacht.

Aufbauend auf dem beeindruckenden Wälzer Jenseits der Mauer, haben Autor Justinian Jampol und der Taschen Verlag eine überschaubare, unglaublich interessante und amüsante Zusammenstellung der Highlights dieses Museums geschaffen. SLEAZE + die WendeFein säuberlich strukturiert in acht Kapitel – die ersten zeigen eher private Themen wie Essen, Trinken oder auch das Zuhause und wandern dann über Unterhaltung und Sport zu den dominierenden Themen Arbeit, Politik und „Gegenkultur“ –, zeichnet das Buch feinfühlig eine Zeit nach, in der so ganz andere Werte galten als heute. Das ist manchmal unverständlich, gelegentlich gruselig, aber auch oft auch (unfreiwillig) komisch. Und natürlich manchmal auch schade, wenn gute „Ost“-Werte durch schlechte „West“-Werte ersetzt wurden.

Und häufiger kommen selbst einem alten Westberliner wie mir (n)ostalgische Gefühle hoch. Alte Berliner Fotos, wo gerade der Fernsehturm entsteht, die Hintergründe des Logos der Leipziger Messe (das Doppel-M stand für Mustermesse), die Karten der Berliner U-Bahn – dieses Buch zeigt die Entwicklung von Land und Stadt – und den Menschen hinter diesem komischen und teils ekligen System.

SLEAZE + die Wende
Das Cafe Moskau + (halben) Fernsehturm.

Für jeden Geschichtsinteressierten ist dieses Buch ein guter Einstieg, auch wenn das Buch mindestens Melancholie hinterlässt. Man kann sich Stunden darin verlieren und lernt so viel dabei. Ich geh jetzt ein Flugticket nach L.A. buchen.

danilo

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