E3 2018 – Was vom Spielspektakel übrig blieb

E3 2018 – Was vom Spielspektakel übrig blieb

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SLEAZE + E3 2018

Vergangene Woche brachte sich wie von uns berichtet die Spielindustrie für die Zukunft in Stellung. Die Electronic Entertainment Expo (E3) öffnete zum nunmehr 24. Mal ihre Pforten für Zocklustige.

Die in Los Angeles beheimatete Messe mitsamt der Konferenzen großer Industrievertreter wie Sony, Microsoft und Nintendo präsentierte sich als ein Spektakel zwischen Stillstand und Begeisterung, Ungewissheit und Bereitschaftsstellung der vor uns liegenden Monate.

Doch wie steht es eigentlich um die großen Systeme PS4, Xbox One, Switch und PC? Was ist von der Virtual Reality (VR) zu erwarten? Quo Vadis, Videospiel?

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Stehen bereit: Microsofts Soldaten in „Gears 5“

Das Ende naht

Die diesjährige E3 fühlte sich ein wenig nach dem bekannten Luftholen vor dem großen Sturm an. Große Überraschungen fielen dieses Jahr überwiegend aus, wenngleich mit u.a. Nioh 2, dem Resident Evil 2-Remake, Gears 5, Forza Horizon 4, Halo: Infinite und Devil May Cry 5 Nachfolger bzw. Neuauflagen namhafter, aber eben bekannter Spielreihen angekündigt wurden.

Zusätzlich enthüllte Sony mit Control das neuste Spiel der Max Payne– und Alan Wake-Macher von Remedy. Vor allem aber gab es mehr vom zuvor Angekündigten zu sehen, darunter ausführliche Spielszenen zu The Last of Us 2, Ghost of Tsushima, Spider-Man und Death Stranding.

Die allesamt exklusiv für PS4 kommenden Titel fanden im Rahmen der Sony-Pressekonferenz statt, für die Sony Interactive Entertainment America-CEO und -Präsident Shawn Layden zu Beginn ein Credo ausgab, das rückblickend für die gesamte Branche zu gelten scheint: Statt großer Überraschungen solle es um das tiefere Eintauchen in das bekannte Line-Up gehen.

Und so scheint es, als befänden wir uns aktuell in einer Art „Zwischenzeit“. Interessanterweise sprach Sony Interactive Entertainment-CEO (nicht verwechseln mit Shawn) John Kodera aka Tsuyoshi im vergangenen Mai vom letzten Lebenszyklus der 2013 erschienenen PlayStation 4, wie Gematsu berichtete.

Demnach läuft Sonys mittelfristiger Management-Plan bis März 2021, im Zuge dessen weiterhin komplett neue Spiele sowie bereits bekannte Reihen als Exklusivtitel an die hauseigene Konsole gebunden werden sollen. Vielleicht rüsten sich zumindest Sony und Microsoft für ihre letzte Spielphase der laufenden System-Generation.

Denn die Redmonder kündigten auf ihrem Showcase den Kauf vierer First-Party-Entwickler wie Ninja Theory (Hellblade: Senua’s Sacrifice) und die Gründung eines neuen, hauseigenen Studios an. Vielleicht war die diesjährige E3 denn auch so etwas wie das große Luftholen vor dem großen Spielsturm, das auch vor den großen Drittherstellern wie Ubisoft, Bethesda, Square Enix und Electronic Arts nicht Halt machte und die überwiegend wahlweise Neues vom Bekannten oder bekannte Neuankündigungen zeigten.

Sony, Microsoft, Nintendo und ein Blick in die Zukunft

Gleichermaßen bestätigte die E3 das Bild der Vorjahre. Sony erwies sich einmal mehr als Entwickler bzw. Publisher des wohl buntesten Programmes, wie eben mit Hideo Kojimas Death Stranding, das Sequel zu The Last of Us und dem historischen Samurai-Action-Adventure Ghost of Tsushima.

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Starker Weggefährte für die Zukunft: Hideo Kojimas PS4-Titel Death Stranding

Lediglich Spider-Man als Teil der großen vier Exklusivtitel, die eine Art Rahmenprogramm in der Präsentation der Japaner bildeten, erscheint noch in diesem Jahr, nämlich am 7. September, wobei das Schöpfungsspiel Dreams aus dem Hause Media Molecule (Little Big Planet) nicht vergessen werden sollte, welches ebenfalls noch 2018 erscheinen soll.

Trotz der vorigen Ankündigungen war es jedenfalls eine beeindruckende Darbietung, da Sony einmal mehr den Eindruck erweckte, das Medium Videospiel als mehr zu verstehen als nur ein Mittel zum Spaß und der Unterhaltung.

Und dass man das Ankündigungsfeuerwerk der Vorjahre nicht Jahr für Jahr zünden würde, ist vollkommen in Ordnung, zumal Sony mit God of War ein namhaftes, auf neuen Wegen wandelndes Eigengewächs erst im April veröffentlichte und mit Yakuza 6: The Song of Life knapp anderthalb Jahre nach dem Ur-Release auch außerhalb Japans ein weiterer beliebter, exklusiver Titel in den Regalen landete.

So war es denn vor allem Microsoft mit der Xbox One, die als eine Art Symbolbild der diesjährigen E3 stand. Das Trailerfeuerwerk auf der Konferenz der Amerikaner konnte nicht verhüllen, wie ungewiss die spielerische Zukunft für den Konzern zumindest nach außen hin aussieht.

Die drei Großen, namentlich Halo mit dem neusten Teil Infinite, Gears of War mit dem fünften Part Gears 5 und Forza Horizon in Form des vierten Teils waren wie immer vertreten. Mit Blick auf First-Party-Titel schauten Spieler allerdings weiterhin in eine dunkle Unwissenheit. So ganz wissen Spieler nicht, was da auf sie zukommt, doch spätestens die Messe des nächsten Jahres dürfte ein klareres Bild offenbaren.

Diese Klarheit bot dagegen erneut Nintendo, welches mit seiner Switch auch weiterhin und traditionell hauptsächlich den eigenen Hausproduktionen zu vertrauen scheint. Nicht verwunderlich daher die absurd lange Vorstellung von Super Smash Bros. Ultimate, die über die Hälfte der gut 40-minütigen Nintendo Direct einnahm. Daneben folgte mit Super Mario Party ebenfalls ein Titel basierend auf dem eigenen Franchise um den Hüpfklempner und seine farbenfrohe Riege.

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Das hat Tradition: Nintendos (Super) Mario Party

Nintendo fährt seit Jahren auf einer Linie der spielmechanischen Innovation, die spätestens seit der Wii auch in Sachen Heimkonsole eng mit der Hardware verbunden ist. Mit Blick auf die Switch, immerhin ein Hybrid aus Heim- und Mobile-Gerät, steht dem Unternehmen aus Kyoto eine rosige Zukunft bevor, wenngleich bis auf das vielleicht große Pokémon-RPG, von dem noch nichts zu sehen war, auch hier die großen Knüller auf der E3 fehlten.

Aber Nintendo ist Nintendo: Die Haustradition scheint fast immun zu sein gegen Trends. Zu stark scheint der Name und zu mächtig die Hüpfereien, Prügeleien und Abenteuer von Mario, Zelda, Link, Donkey Kong & Co. Zuletzt übertrafen die Absätze der Konsole selbst die internen Prognosen bei Nintendo, die bis Ende März dieses Jahres von bis zu 14 Millionen verkauften Geräten ausgingen. Bis zum 31. März war es laut eines Geschäftsberichts 17,79 Millionen.

Konsolen weiterhin im Trend, doch was ist mit PC und VR?

Auch an diesen Zahlen zeigt sich die Popularität fester, geschlossener Systeme bzw. Konsolen. Denn der PC spielte trotz der eigenen, etwa zweistündigen PC Gaming Show keine beachtliche Rolle. Seit Jahren gilt der Heimrechner vor allem als Strategiespiel-System sowie Hort von Moddern, die ihre oft auch für Konsolen erscheinenen Titel nach eigenen Vorstellungen verändern.

Doch die Messe zeigte, dass es kaum einen größeren Entwicker oder Publisher gibt, der auf die alleinige Zugkraft des PCs vertrauen würde. Daneben gibt es allerdings einen gigantischen Anteil unabhängiger Entwickler, deren bekannteren Titel jedoch meist parallel auf anderen Systemen erscheinen.

Es sind vor allem die Konsolen, die den öffentlichen Spieletakt vor- und angeben. Aus selbigem scheint indes die Virtual Reality (VR) – wenn auch nur leicht – gekommen zu sein. Auf der E3 präsentierte sich die Technologie auffallend zurückhaltend, was sich vor allem in den Konferenzen zeigte, die eigentlich DIE öffentliche Bühne für neue, innovative VR-Titel hätten darstellen können.

Den größten Auftritt bot noch Ubisoft mit der ausführlicheren Vorstellung des Psycho-Thrillers Transference, an dem Schauspieler Elijah Wood mitarbeitet. Unterdessen soll noch in diesem Jahr das PSVR-exklusive Déraciné vom Dark Souls-Studio From Software erscheinen, aber lediglich mit einem undurchsichtigen Trailer bedacht wurde. Es geht, so die Entwickler, u.a. um das Auffinden von Story-Fragmenten in einem abgelegenen Internat.

Zudem kommt mit Wolfenstein: Cyberpilot ein Ableger der Wolfenstein-Reihe im Paris der 80er, in denen man als Hacker den Nazis gegenübersteht, Co-Schöpfer und Stimme von Rick and Morty Justin Roiland bringt für die PlayStation das abgedreht dreinblickende Trover Saves the Universe und knuddelig wird es ebenfalls ausschließlich fürs Sony-Gerät mit Ghost Giant von Zoink (Fe), in dem du dich um eine Art Puppenhauswelt kümmerst und u.a. auf die Bewohner achtgibst sowie verhinderst (hoffentlich!), dass die Bauten einstürzen.

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Wohin geht die VR-Reise nicht nur für Transference?

Auf actionreiche Ego-Planetenerkundung in der Rolle eines Roboters schickt uns in Zukunft derweil Insomniac Games (Ratchet & Clank), die an Stormland für Oculus Rift werkeln. Die große VR-Welle scheint jedoch vorbei, was vielleicht auch an den unter den Erwartungen liegenden Verkaufszahlen liegt. Laut Sony Interactive Entertainment-CEO John Kodera wächst der Markt langsamer als angenommen. Zukunft: ungewiss.

Alex

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