Dumpf und Dunkel

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Selten waren Texte, Musik und Attitüde so im Einklang. Meine erste Notiz zum neuen Album von Pink Turns Blue lautet: Bass, Bass, Bass. Denn die ersten Songs des neuen Albums „The AERDT – Untold Stories“ scheinen nur daraus zu bestehen. Die Lieder sind schlicht und mit zurüSLEAZE+Pink Turns 1ckhaltender Melodie, doch genau das hat auch schon so einige Lieder von The Cure zu etwas Besonderem gemacht.

Diesen Vergleich finden Pink Turns Blue mit Sicherheit schon etwas ermüdend, da er gerade in ihrer Anfangszeit 1985 oft vorgekommen ist. In Köln haben Mic Jogwer und Thomas Elbern die Band gegründet, in den 90ern gab es einen kurzen Abstecher nach London und nachdem sie musikalisch alles probiert und sogar Dance-Versionen ihrer Songs produziert haben, war erstmal Schluss. Bis zur Auflösung 1995 gab es auch schon einige Schlagzeuger- und Gitarristen-Wechsel. Acht Jahre später reagierten die Fans auf einen einmaligen Auftritt so positiv, dass die Band bestehen blieb.

Diese euphorische Energie hat sich allerdings nicht so richtig auf die Motivation der Bandmitglieder übertragen, da von der Reunion-Show mal wieder nur Dauermitglied Mic Jogwer übrig geblieben ist. Zwar ist er jetzt Gitarrist und Sänger von Pink Turns Blue, doch in den Anfangsjahren war er der Bassist. Das erklärt schon mal den Sound der Lieder und die dröhnende Melodie. Es scheint keine richtige Lead-Gitarre zu geben bis „Here Is To My Love“. Aber ab da geht es dann los und ihr Einsatz steigert sich sogar noch. In „NYC Breakdown“ gibt es dann ein richtiges Solo für Mics Gitarre im Klassik-Rock-Stil. Der größte Teil des Albums liegt musikalisch zwischen Alternative Rock und Dark Wave, doch schwebt über allem trotzdem noch der Post-Punk-Vibe, der die Lieder wirklich interessant macht. Dementsprechend gibt es nur eine ruhigere Nummer, in der man von Pianoklängen überrascht wird und auf das Finale zusteuert. Der letzte Song „Devil“ rüttelt dich nochmal so richtig wach und ist der einzige Song, den Mic nicht alleine geschrieben hat. Bassist und Keyboarder Ruebi Walter hat die Musik komponiert und singt das Stück auch. Seine Stimme hat etwas mehr Tiefe als Mics, doch dafür hat deSLEAZE+Pink Turns 3ssen Gesang einen höheren Wiedererkennungswert.

So groß die Freude über ihr erstes Studioalbum seit sechs Jahren ist, so verwundert lassen einen die Texte jedoch auch zurück. Ein Blick ins Booklet und überfliegen der letzten Zeile jedes Liedes spiegelt die textliche Stimmung von „The AERDT – Untold Stories“ sehr gut wieder. Darunter sind Sätze wie „There’s something wrong“, „I still can feel the dirt inside“ oder „I believed in you“.

Das Motto des Albums scheint „Dark“ zu sein. Es trifft auf den Bass, die Melodie und vor allem die Texte zu. Der Sound ist wirklich gut gelungen, doch kann er die etwas altmodischen, typischen Post-Punk-Melodien nicht vollkommen überdecken. Für Bassliebhaber scheppert die Platte ordentlich, doch gibt es keine technisch beeindruckenden Passagen oder Soli. „The AERDT – Untold Stories“ ist der perfekte Nostalgie-Trip für Alternative-Rock-Fans der 80er und 90er Jahre und kann wirklich Spaß machen und zum Tanzen einladen, wenn man den Worten nicht zu genau zuhört.

Maurin

Interpret: Pink Turns Blue
Album: The AERDT – Untold Stories
VÖ: 15.04.2016
Label: ORDEN Records

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