Dolan’s Cadillac – Plumper Rachewitz nach Stephen King

Dolan’s Cadillac – Plumper Rachewitz nach Stephen King

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Klar, es gibt Brian De Palmas Carrie, Stanley Kubricks The Shining oder auch Stand by me von Rob Reiner. Der Ruf vieler Stephen King-Adaptionen ist aber vielmehr ein verruchter, was nicht zuletzt an den zum Teil billigen Produktionswerten und der Holzhammer-artigen Regie zahlreicher, vor allem fürs Fernsehen umgesetzter Werke liegt. Mit Dolan’s Cadillac erscheint nun die erstmals 2009 erschienene Verfilmung nach der gleichnamigen Kurzgeschichte Stephens neu auf DVD, Blu-ray und via digitalem Download. Ein Film, so inkonsequent, einfallslos und plump wie ein uraltes Auslaufmodell aus der Mottenkiste.

SLEAZE + Dolan's Cadillac
Christian Slater als laaaah…harter Hund.

Im Kern erzählt Dolan’s Cadillac mit durchaus namhafter Beteiligung – Christian Slater (Mr. Robot) ist ebenso an Bord wie Wes Bentley (American Beauty) – eine wehleidige Rachegeschichte mit fahlen Grautönen. Nachdem seine Frau Elizabeth (Emmanuelle Vaugier) Zeugin eines Mordes wird und daraufhin selbst durch die Sprengkraft der kriminellen Bande um Jimmy Dolan (Christian) ein knallendes Lebensende erfährt, nimmt sich Tom Robinson (Wes) den Mördern nach schnell abgegraster Leidensphase eigenhändig an.

Atemlose Erzählhetze

Allerdings geschieht innerhalb der 85 Minuten Laufzeit der Direct-to-DVD-Produktion sehr vieles sehr schnell und sehr kalkuliert. Dolan’s Cadillac versucht schon früh, etliche erzählerische Fässer aufzumachen, die sich als leere, ungenutzte Requisiten entpuppen: Menschenhandel trifft hier auf prätentiöse Monolog-Metaebene ebenso wie moralisch unbehandelte Dilemmata auf eine vor sich hin dümpelnde Tour de Force im Schritttempo. Gleichsam hetzt die Geschichte durch die Seelenleere ihrer vielen Ereignisse, wodurch dem Film jegliche Stimmung abgeht.

Liebe, Verlust, Leid, Hass und Wahnsinn verkommen hier zu Schlagworten eines vollgestopften wie inhaltslosen Drehbuchs, das sich an Klischee-Bildern ergötzt, aber keine eigenen Ideen für die eigentlich großen Konflikte seiner Figuren findet. Wenn Dolan’s Cadillac auch einen charakterlichen Twist wagt, indem er die Begriffe von Gut und Böse vorgibt auszuhebeln, so versagt er so krachend plump, dass seine Akteure eben doch nicht über das Maß ihrer Oberflächlichkeit hinauskommen. Ihm geht die eigene innere Logik, das Empfinden für seine Welt, in aller einfältigen Leidenschaftslosigkeit vollkommen ab.

Generisch gen Schrottplatz
SLEAZE + Dolan's Cadillac
Ob sich Wes auch langweilt?

Überdies findet Regisseur Jeff Beesley nur selten Punkte, die dem Eindruck einer lasch auf den Markt geworfenen Filmproduktion entgegenstehen. Zwar bringt er die Wüste selten zum fast schon außerweltlichen Glühen, doch ansonsten arbeitet er sich in allzu belanglos-bekannten Einstellungen an den Szenen seines Drehbuchautors Richard Dooling ab, ohne ihnen emotionalen Zusammenhang, Rhythmus oder Dynamik zu verleihen.

Überdies drängt sich die von James Mark Stewart komponierte Musik dermaßen penetrant auf, dass auch sie die letzte Chance auf Stimmung vollends in Form vor sich hinklimpernder Genero-Action-Mucke erfolgreich zerstört. Immerzu versucht sie, das Gefühl aus dem Zuschauer laut herauszuprügeln und entpuppt sich damit zum mächtigen Gehilfen eines durch und durch dümmlichen, lauten wie gefühlslosen Films. Dolan’s Cadillac ist ein Fall für den Schrottplatz.

Alex

Titel: Dolan’s Cadillac
Heimkinostart: 08.12.2017
Dauer: 85 Minuten
Genre: Drama, Thriller
Produktionsland: Kanada, Großbritannien
Filmverleih: EuroVideo

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