Die zweite Goldzilla-EP – Gitarre und Gebrüll in Gold

Die zweite Goldzilla-EP – Gitarre und Gebrüll in Gold

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Vor einiger Zeit haben wir ein kleines Päckchen gekriegt. Das lag erst mal ein bisschen auf meinem Schreibtisch rum, bis ich Zeit hatte, mich dem sonderbaren Ding zu widmen. Jetzt liegt das Päckchen also vor mir und ich bin bereit, es zu öffnen.

Das PäckchenSLEAZE + Goldzilla

Von außen schimmert die kleine Schachtel in Gold und darauf klebt ein noch kleineres Polaroid-Foto: Drei junge Menschen mit Musikinstrumenten, zwei von ihnen singen offenbar sehr inbrünstig ins Mikro. Eine Band.

Der Schriftzug unter dem Foto verrät mir ihren Namen: GOLDZILLA steht da in Edding-Großbuchstaben. Jetzt gucke ich aber endlich rein. Kaum habe ich die Schachtel geöffnet, springt mir ein roter, mit Pfeilsymbolen durchbohrter wolfsähnlicher Hund entgegen. Seine langen Krallen und scharfen Zähne sind so türkis-blau wie seine Augen.

Bin mir nicht sicher, ob es vier oder doch nur zwei Augen sind. Den roten abgespaceten Hund finde ich noch ein paarmal wieder, auf einem Pin und als Sticker. Scheint das Band-Symbol zu sein. Ein bisschen creepy.

Sooo, irgendwo hier drin muss doch Musik zu finden sein… Mein Blick fällt auf einen gold besprayten USB-Stick. Gleich mal in den Laptop damit. Aber nanu? Nichts drauf. Ob das jetzt Teil des Plans ist oder ein Versehen? Ich weiß es nicht.

Also weitersuchen. Zwischen Antifa- und Lakotze-Stickern liegt noch etwas, eingehüllt in bedruckte Pappe. Wieder der spacige Hund drauf: eine Kassette! Goldzilla vs. Robohitler.

Ich runzle die Stirn und hole den Tonträger aus der Hülle. Zusätzlich versteckte sich sogar ein Mini-Booklet in Zettelform darin. Die Kassette ist genauso golden wie die Schachtel und der USB-Stick. SLEAZE + Goldzilla

Nur ist gerade kein Kassettenrekorder in meiner Nähe. Mist. Typisch Generation Spotify. Ich weiß mir nicht anders zu helfen, als doch im Internet zu gucken. Und siehe da, ich bin etwas spät dran, die sechs neuen Songs meiner limitierten Goldzilla-Kassette sind schon online. Sei‘s drum.

Die Band

Bevor ich dir ein bisschen meine Höreindrücke schildere, hier noch ein paar Goldzilla-Fakten:

Kajo (Drums/Synth), Laura (Bass/Stimme 2) und Martin (Stimme 1/Gitarre) fanden sich im Herbst 2017 als Goldzilla zusammen. Die Bandmitglieder, die sich teils schon aus früheren gemeinsamen Projekten kennen, sind in Berlin zu Hause.SLEAZE + Goldzilla

Seit 2019 spielen Goldzilla regelmäßig Konzerte. Im März brachten die drei ihre erste EP Goldzilla vs Mosura unter Eigenvertrieb heraus. Die nächste EP ließ nicht lange auf sich warten. Mit Goldzilla vs Robohitler erschienen im vergangenen Monat sechs neue Goldzilla-Songs.

Die Musik

So viel steht fest: Falls du dich ein bisschen mit Musik auf den Ohren entspannen willst, ist Goldzilla die falsche Adresse. Hier wirst du empfangen mit richtig ordentlich verzerrter E-Gitarre und scheppernden Boom-Boom-Tschack-Beats.

Dazu gesellt sich Martins rau-rotzige Stimme, ab und zu ganz gelassen, aber meistens laut und wütend. Im einen oder anderen Chorus stimmt Laura mit ein, genauso wütend. Die beiden sind dann ein richtiger Brüll-Chor.

Alles prescht nach vorne. In manchen Songs mehr als in anderen. Am meisten Energie haben Songs wie Eingetüm, Dieter Stolpert und Cops oder Zahlen. Im Vergleich sind da Zucker und Koffein (jedenfalls in den Strophen) und vor allem Polaroids etwas sachter. In dem sonst so punkrockigen Sound sticht Polaroids außerdem heraus, wenn sich auf einmal Synth-Klänge unter die fuzzy E-Gitarre mischen.

Die Worte

In den Worten, die Goldzilla einem entgegen schleudern (oder manchmal auch hinlegen), steckt vor allem eins: Kritik. Systemkritik. Konsumkritik. Und Wut. Wut auf Nazis, auf den Mann mit der Dackelkrawatte, auf ignorante Endloskonsumenten.

Goldzilla nehmen kein Blatt vor den Mund. Aber sie fluchen nicht nur, in ihrer Musik verstecken sich auch melancholische Philosophien von Zeit und Zwängen. Da ist ein Drang auszubrechen, was kaputt zu machen, Konventionen zu brechen.SLEAZE + Goldzilla

Das ist also die Goldzilla-vs-Robohitler-EP. Der Titel erschließt sich mir noch nicht so ganz. Wie auch immer. Kann man sich jetzt vor Goldzilla verneigen wie Jim Jarmusch einst? Schwierig.

Außen kreativ verpackt, innen laut, gnadenlos verzerrt und kritisch. Kritik durch Musik ist gut. Es lässt sich aber diskutieren, ob Kritik dann noch gut und sinnvoll ist, wenn sie in Gewaltandrohungen und ACAB mündet. Ansonsten kann ich sagen: Sound und Sätze knallen rein.

Neugierig? Dann nix wie los und anhören. Und falls dich Goldzilla und ihre Musik so richtig mitnehmen und du sie am liebsten auch live sehen würdest: Am 1. Februar stehen Goldzilla im Jugendkulturzentrum „Die Klinke“ in Berlin auf der Bühne. Pogo garantiert.

Nele

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