Die WTF-Kinostar(t)s im Juli – plus andere

Die WTF-Kinostar(t)s im Juli – plus andere

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SLEAZE + WTF-Julifilme

Von Freudentränen bis zu WTF-Momenten. In unserer Julikino-Auswahl ist alles dabei! Es ist zwar nicht der Monat, den man direkt mit einem Kinobesuch verbindet, aber nach einem Tag im Park ist doch eine feine Abendvorstellung im Lichtspielhaus der richtige Ausklang.

6. Juli

Die Erfindung der Wahrheit

Ok, ein politischer Film kurz nach der kräftezehrenden Wahl in den Vereinigten Staaten von Amiland. Vielleicht nicht das beste Timing, wie man auch an den eingespielten Dollars erkennt. Vielleicht sind die deutschen Kinogänger davon weniger beeinflusst. Immerhin wählen wir erst im September.

SLEAZE + WTF-Julikino
Starke Frauen braucht das Land

Worum geht’s?

Wie uns schon die schmierige Orange im Weißen Haus vorgemacht hat, muss man auf dem Weg zum Ziel gnadenlos, berechnend und rücksichtslos sein. So geht es auch Elizabeth Sloane (Jessica Chastain) in dem vom Oscar-nominierten Regisseur John Madden inszenierten Polit-Thriller. Elizabeth, die ohnehin schon eine steile Karriere auf ihrem Lebenslauf nachzuweisen hat, bekommt das zu spüren, wenn sie sich mit den ganz dicken Haien der Waffenlobby anzulegen versucht.

Dass der Kern des Films sich dann doch nicht um die NRA-„PewPew-merica“-Thematik dreht, überrascht ein wenig. Vielmehr geht es um Korruption und ob es immer oberste Priorität haben sollte, zu gewinnen. Interessante Thematik mit mindestens stabilem Cast (Mark Strong, Michael Stuhlbarg und eben Jessica Chastain)

Lohnt sich!

13. Juli
Der Ornithologe

Jetzt wird es symbolisch, mysteriös und verspult. Der portugiesische Regisseur João Pedro Rodrigues zeigt uns die merkwürdige Reise des Ornithologen Fernando (Paul Hamy), der nach einem Beziehungsstreit irgendwo an der spanisch-portugiesischen Grenze auf vogelkundschaftlicher Mission unterwegs ist. Bei einem kleinen Malheur auf einem Fluss, wo er beinahe ertrinkt, wird er von scheinbar freundlichen chinesischen Touris gerettet. Denkste, am nächsten Tag wacht er erst mal in bester BDSM-Manier gefesselt auf – er soll kastriert werden. Scheinbar soll so das Märtyrertum des heiligen Sebastian nachgestellt werden (obwohl der ganz anders umkam).

Schon drei blöde Situationen nacheinander. Und viel besser wird es für Fernando nicht. Im Gegenteil. Seine Reise, die er – warum auch immer – weiter fortsetzt, wird sogar noch abstruser. Nackte Amazonen mit Gewehren und ein stummer Ziegenhirte z.B., um nur mal zwei zu nennen.

SLEAZE + WTF-Kinojuli
Und ihm gefällt es

Der wunderbare, atemberaubende portugiesische Wald in Kombination mit prächtigen Szenarien gibt eine merkwürdige Mischung, die dich als Zuschauer, aber auch Fernando, in den Bann zieht.

Insgesamt ein vielschichtig-bewusstseinserweiternder, mysteriöser Abenteuerfilm, der eine Gaumenfreude für alle Filmfans außerhalb der Triple-A-Produktionen darstellen wird. Ich würde ihn jedenfalls gerne in einer Nachtvorstellung des Kinos meines Vertrauens sehen wollen.

27. Juli
Dunkirk

Jetzt kommt schwerere Kost, die nicht genau so linear abläuft wie der letzte Film, denn das Actionfilm-Kriegsdrama Dunkirk wird aus drei verschiedenen Perspektiven erzählt, nämlich aus der Luft, auf dem Wasser und auf Land. Das verschachtelt die ganze Sache ein wenig. Da verwundert es nicht, wenn man erfährt, wer dafür verantwortlich ist – es ist niemand anderes als die lebende Legende Christopher Nolan. Christopher ist auch bekannt dafür, auf bekannte Gesichter zu vertrauen. Na gut, Tom Hardys Gesicht wird schon wieder versteckt. Dieses Mal ist es eine Pilotenmaske, nachdem er ja schon als Bane unkenntlich gemacht wurde (oder der Vollbart bei „The Revenant“ und das Gabel-Ding bei „Mad Max – Fury Road“). Cillian Murphy (Inception, The Dark Knight) kann allerdings seine bemerkenswert hohen Wangenknochen wieder in vollem Glanz zeigen.

Wie die Geschichte genau abläuft, erzählt der Trailer nicht, wohl aber die Geschichtsbücher. Während der Schlacht von Dünkirchen wurden alliierte Truppen von deutschen Soldaten eingekesselt, also hat man versucht, die Jungs nach England zu evakuieren  /eskortieren. Jedoch nicht ganz ohne Kollateralschäden.

Sie nannten ihn Spencer

Jetzt wird’s gefühlsbetont. Jeder kennt und liebt ihn. Zumindest sollte das so sein. Fans hat der ehemalige italienische Profischwimmer ja wie Sand am ihm vertrauten Meer. Allein 5.000 Fangruppierungen himmeln die Ikone an: Bud Spencer.

SLEAZE + WTF-Kinojuli
Das ultimative Idol

Zwei dieser Fans machen sich auf die Suche nach ihm, ohne recht zu wissen, wo sie anfangen sollen. Bud Spencer & Terrance Hill-Filme kennt man, zwei Haudraufs, die sehr unterschiedlich sind und dennoch Freunde werden. So sieht es auch mit den beiden Fans aus. Auch optisch. Der eine etwas beleibter (und sogar blind – trotzdem ein Fan) und dunkelhaarig, der andere blond und der aufgeräumtere.

Dieser sehr besondere und emotionale Reisebericht war lange in der Mache, immerhin kam der erste Trailer schon vor Jahren raus.

Ob die Jungs ihr Idol getroffen haben, erfährst du nicht hier, sondern ab dem 27. Juli im Kino.

Baby Driver

98%, oder 8,6 von 10 auf einschlägigen Filmseiten? Dazu noch Kevin Spacey und Jamie Foxx, und das alles vom Regisseur der von uns geliebten „Cornetto-Trilogie“? (Shaun of the Dead, The Worlds End, Hot Fuzz)

SLEAZE + WTF-Kinojuli
Schnell und laut

Ok, wir sind dabei.

Dieser Action- (und Heist-) und Verfolgungsstreifen ist nicht nur irgendein charakterloser Ballerfilm, auch wenn die Story das so vermuten lässt, denn er hat ein sehr interessantes Konzept zugrunde liegen. Und dieses ist mit dem Hauptdarsteller verbunden. „Baby“ (Ansel Elgort) ist ein Fluchtfahrer, der aufgrund eines Unfalls Tinnitus-Probleme hat. Daher hört er Musik – und zwar ständig. Und da kommt der Clou. Musik spielt auch über die komplette Strecke des Films – und das synchronisiert. Die Schnitte im Bild sind auf den Rhythmus der Songs angepasst. Es wirkt bald wie eine Art Film-DJ-Set. Ob nun gerade ein Überfall stattfindet, eine romantische Restaurantszene passiert, oder aber auch die fahrende Subaru-Produktplatzierung einen Drift hinlegt, stilsichere Songs werden dazu gespielt, die einen noch mehr ins Geschehen ziehen.

So ein Konzept habe ich noch nicht gesehen und besonders nicht mit einer solch konsequenten Umsetzung.

Eine willkommene, schnelle, bunte, knallige Erfrischung im Medium Film!

The Party
SLEAZE + WTF-Kinojuli
© Adventure Pictures Limited 2017

Den Titel kann man gleich doppeldeutig betrachten. Es geht einerseits um eine Party, andererseits auch um eine Partei (engl. party).

Aufgezogen wie ein Theaterstück und in schwarz-weiß, geht es um eine Gruppe Menschen der zukünftigen Ministerin Janet (Kristin Scott Thomas). Sie hat bekannt zu geben, dass sie einen riesigen Karrieresprung machen wird, doch so richtig gefeiert kann das nicht werden, da noch andere Neuigkeiten aus dem Kreis der Proseccoglas haltenden Pro- und Antagonisten in die Runde fließen.

Die Regisseurin und federführende Sally Potter lässt ihr Ensemble böse-witzig eine Spirale der Privatgeheimnisse und Kellerleichen herunterpurzeln, bis – na, das Ende verraten wir nicht.

Insgesamt klappt das hervorragend, da die Schauspieler nicht gerade an der nächsten Straßenecke aufgegabelt wurden. Gleich fünf dieser Akteure wurden bereits für einen Oscar nominiert (darunter zum Beispiel Bruno Ganz) oder – zwar (noch) nicht nominiert, aber auch nicht komplett talentfrei – Cillian Murphy (den hatten wir doch heute schon).

Ansehen!
Chris

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