Die Taschendiebin: Die schnelle Kritik

Die Taschendiebin: Die schnelle Kritik

TEILEN
SLEAZE + Die Taschendiebin

Opulente Fantasien aus Fernost liefert Meisterregisseur Park Chan-Wook mit seinem neuesten Werk Die Taschendiebin ab. Der Südkoreaner, bekannt für Oldboy und I‘m a Cyborg, But That‘s OK, entführt den geneigten Zuschauer dieses Mal in einen Suspense- und Thriller-Kosmos, der an Regie-Legende Alfred Hitchcock erinnert: Die junge Sookee beginnt als Dienstmädchen auf dem Landhaus einer vornehmen und reichen Familie zu arbeiten. Doch die Taschendiebin spielt ein doppeltes Spiel, gibt sich den Anschein, ein wenig naiv zu sein, hilft aber eigentlich einem Betrüger, der sich als Graf ausgibt, bei der Verführung der reichen Erbin Lady Hideko, deren Kammerzofe Sookee ist.

SLEAZE + Die Taschendiebin
Schräges aus Korea: Die Taschendiebin

Gefühlt die erste Hälfte des Films sieht man Sookee bei ihren Manipulationsversuchen zu, dann kommt ein großer Twist und alles davor Passierte stellt sich als nicht ganz die objektive Wahrheit heraus. Vielmehr sahen wir als Zuschauer das Geschehen gefiltert durch Sookees unvollkommene eigene Wahrnehmung. (Der Fachmann nennt das „unzuverlässiger Erzähler“, für alle Theorie-Nerds da draußen 😉 ) Und dann sehen wir dieselben Geschehnisse nochmal, wobei jetzt nicht jede Szene 1:1 wiederholt wird – das wäre ja langweilig. Und selbst dieser große Twist war nicht der letzte in einem verschachtelten Plot mit mehrfach doppeltem Boden.

Doch zum wahren Kern vorzudringen, diese Knobelaufgabe bleibt jedem Zuschauenden selbst überlassen. Visuell mixt Park auf angenehme Art aktuelles Arthouse-Filmemachen mit seiner eigenen, ganz persönlichen Handschrift: üppiges Dekor, überwältigende Naturbilder, wunderschöne Hauptdarstellerinnen. Dies alles fängt Parks Kamera vollendet ein. Greifbar wirken die Texturen und Oberflächen dieser sinnlichen Objekte. Hochdetaillierte Visionen entstehen, die den Zuschauer hypnotisch binden.

Und auch die Story vermag zu begeistern. Ohne hier zu viele Wendungen vorwegnehmen zu wollen, sei gesagt, dass sich Die Taschendiebin im Grunde um eine Vierer-Konstellation dreht: Erbin Lady Hideko wird von ihrem Onkel kontrolliert (oder zumindest versucht der das), Taschendiebin und Dienstmädchen Sookee vom Hochstapler, dem falschen Grafen, der an das Vermögen der reichen Lady heran möchte. Beide Männer stellen sich dabei als ein wenig pervers heraus, die jungen Frauen jedoch finden durchaus Gefallen aneinander. SLEAZE + Die TaschendiebinDaraus folgen einige der besten (und geschmackvollsten!) gleichgeschlechtlichen Sex Liebesszenen seit David Lynch‘s Mulholland Drive. Echt heiß!
Die Taschendiebin ist ein klarer Tipp – nicht nur wegen dieser Szenen. 😉

Robert

Titel: Die Taschendiebin
Regie: Park Chan-Wook
Laufzeit: 145 Min.
VÖ: 8.6.2017 (Blu-ray, DVD, VoD)
Verleih: Koch Media

KEINE KOMMENTARE

Kommentar verfassen