Die Shure SE215 und ihre „Line-Extentions“ im Test – Update!

Die Shure SE215 und ihre „Line-Extentions“ im Test – Update!

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Shure ist nicht gerade das kleinste und jüngste Sternchen am Audio-Himmel. Seit 1925 sind die Amis von Shure schon fleißig am Frickeln. Ob nun Studio-Mikrofone, Funktechnik oder einfach nur Ohrhörer für den normalen Endverbraucher, die Bandbreite der Produkte ist sehr umfangreich. Leidet darunter eventuell die Qualität?

Wir haben mal den Praxistest mit den SE215-Kopfhörern und den Wechselkabeln RMCE und RMCE-LTG gemacht.

SLEAZE + Shure
Anderes Design, viel Krach

Fangen wir mit den Ohrstöpseln selber an. Trotz der gewöhnungsbedürftigen Form ist der Hörer eher schlicht gehalten. Mit schwarz in (halbtransparentem) Schwarz macht man bekanntlich meist nichts falsch.

Man merkt, dass die SE215 Abkömmlinge von Bühnenohrhörern sind. Die Idee, die Kabelführung hinter den Ohren verlaufen zu lassen, ist recht smart, da einige Störsounds wegfallen, sollte man mal am Kabel zuppeln. Da man die Kabel vor dem Ohr genau wie hinter dem Ohr führen kann, bist du in deiner Bewegungsfreiheit weit weniger eingeschränkt als bei herkömmlichen In-Ear-Kopfhörern. Das 162 cm lange Kabel bietet auch für die Größeren unter uns eine praktische Handhabe. Durch Drahtverstärkung wirkt es auch so, als würde es eine Weile halten. Die Kabel hängen auch nicht starr am Hörer selbst, sondern sind drehbar, was den Einstöpselungskomfort erhöht. Die Verarbeitung insgesamt wirkt solide und es gibt keine scharfen Kanten.

Durch drei verschiedene Aufsatzgrößen findest du schnell die zu dir passenden Schaumstoffaufsätze. Ich – großer Kopf, kleine Ohren – nutze zum Testen die kleinsten. Es dauerte eine kurze Zeit, bis ich rausgefunden hab, wie ich die kleinen Boxen vor meinem Gehirn platzieren muss. Dann noch ein wenig hin- und herdrücken und schon passten sie. Brillenträgern ist jedoch empfohlen, die Brille beim Ums-Ohr-Fummeln der Kabel abzunehmen. Leider hielt das trotzdem nicht so lange, die Stöpsel wollten sich im Laufe der Zeit einfach nicht so richtig mit meinen Ohren anfreunden, was sehr schade ist, denn:

Der Sound ist – besonders für den Preis – sehr gut. Einigen könnte es unten rum sogar etwas zu viel sein (auch wenn das in Zeiten von Beats by Dre-Kopfhörern eher unwahrscheinlich ist). Die Mitten sind dafür angenehm linear und die Höhen wirken klar, bei steigendem Pegel erscheinen sie jedoch etwas undifferenziert und scharf. Das sollte bei Lautsprechern, die dir von ganz nah dran das Trommelfell beschallen, eher nicht sein, ist aber auch nicht schlimm. Transienten kann man sehr gut und präzise hören, was besonders für das Monitoren, also das Gegenhören von Drums von Vorteil ist. Für Vocal–Monitoring sind sie aber nur bedingt geeignet, da bei Stimmen und Gesang ein paar Details von den Tiefen weggedrängelt werden. Für den normalen Betrieb, also das Hören unterwegs, sind die SE215 von Shure dennoch bestens geeignet, da die Soundisolierung trotz fehlendem Noise-Cancelling hervorragend ist. (Vergiss aber nicht, dann noch besser beim Überqueren der Straße aufzupassen, ein heranrollendes Auto wird schnell überhört.)

SLEAZE + Shure RMCGEin großen Vorteil gegenüber anderen Hörern ist das austauschbare Kabel. An Kabelbruch sterben schließlich die meisten Ohrhörer. Aber anstatt direkt loszurennen und sie zu beerdigen, reicht einfach eine neue Kabel-Prothese…

Ein zweiter Vorteil wird deutlich, wenn man die Kopfhörer erweitert: Wir haben jeweils zwei neue Kabel vorliegen, die die SE215 erweitern können, das RMCE und RMCE-LTG von Shure. Eigentlich unterscheiden sich die beiden kaum. Lightning-Anschlüsse haben nicht die feinste Audioqualität, was aber durch einen eingebauten D/A-Wandler egalisiert wird (So richtig konnten wir das jedoch nicht feststellen). Beide sind die gleichen 127cm lang, haben ein eingebautes Mikrofon und eine Fernbedienung. Einziger funktionaler Unterschied: Die LTG-Version hat am Ende einen Lightning-Anschluss baumeln, während sich der normale RMCE einer altmodischen 3,5mm-Klinke bedient. Die Funktionen der beiden sind simpel und fast gleich. Nächstes Lied, letztes Lied, doch das erste Lied nochmal von vorn? Stop, Play, Fast Forward, Anruf annehmen und beenden, lauter und leiser stellen (Bei dem LTG kannst du auch noch Siri aktivieren, oder über den Plus-Knopf die Kamera auslösen). Das war’s schon, reicht aber auch. Über die Sprachqualität und -Verständlichkeit kann man nicht meckern.

Höchstens die Position der Fernbedienung könnte etwas weiter vom Ohr weg sein. Es ist mir ein paarmal passiert, dass ich mit meinen Wurstfingern die falsche Taste erwischt habe, aber nach einiger Zeit hat man sich auch daran gewöhnt. Die Verarbeitung ist solide, mehr aber nicht. Ich bin kein Fan von sehr dünnen Kabeln, die schnell zum Kabelsalat reifen können.

SLEAZE + Shure RMCG LGT
Kopplungen, Lightning, Remote und Mic
Fazit:

Insgesamt bleibt festzuhalten, dass die Haupthörer und das RMCE-Kabel in ihrer Preisklasse sehr gut sind und uns kein Grund einfällt, warum wir dir die Shure-Kombi nicht ans Herz legen sollten. Wer allerdings auf den Lightning-Stecker nicht verzichten kann, muss leider tiefer in die Tasche greifen, denn da fallen gleich mal 60 Euro mehr an.

Nachtrag 30.06.17: Wie uns Shure mitgeteilte, kostet nicht der Lighning-Stecker an sich mehr, sondern das LTG-Kabel hat zusätzlich noch einen Digital/Analog-Wandler -DAC- eingebaut, damit aus dem bescheidenen Lightning-Sound das Beste rausgeholt wird! Außerdem kann man Siri aktivieren und die Kamera auslösen. Allerdings steht diese doch recht wichtige Info weder auf der Verpackung  noch in der Beilage.)

Dicker Sound, starke Umgebungsgeräuschunterdrückung, solide Verarbeitung und die gute Idee an sich heben die Kombi weit nach vorn. Hier kannst du dir das Produkt nochmal im Detail ansehen: SE215RMCERMCE-LTG

Technische Details:
Empfindlichkeit: 107 dB SPL/mW
Impedanz: 20 Ω
Isolationswirkung: bis 37 dB
Übertragungsbereich: 22 Hz – 17,5kHz

Chris

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