Die Moby-Auto-BIO-Grafie

Die Moby-Auto-BIO-Grafie

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Moby hat Style – und Humor!

Heute erscheint die Autobiografie von Moby mit dem schlichten Titel „Porcelain“. Ja, Moby hat seine Memoiren geschrieben. Und zwar selbst. Betont er extra im Nachwort. Das finde ich zum einen gut, weil es dann authentischer ist, und zum anderen finde ich es gut – weil Moby sehr unterhaltsam schreiben kann. Und Auto-BIO-Grafie deshalb, weil Moby nicht nur Veganer ist und das sehr häufig erwähnt, sondern weil auch das Wort Bio sehr viel vor Karottensaft und andere Lebensmittel platziert wird. Man könnte ihn auch MoBIO nennen.

Ich fand Mobys Musik oft zu traurig, als dass ich ein großer Fan werden konnte. Und es dauerte auch bei dem Buch eine Weile, eh Moby mich in seinen Bann ziehen konnte. Aber dafür dann richtig. Der mittlere Teil des Buches, als seine Karriere an Fahrt gewinnt, ist großartig. Wie er manche Dinge beschreibt, seine Rückblenden, das alles ist sehr amüsant. Und teilweise auch nachvollziehbar, weil er komplett ehrlich wirkend seine Gefühle beschreibt. Auch die narzisstischen, weniger charmanten oder seine religiösen Zwiespälte. Oder den Tod seiner Mutter, den er fast apathisch verarbeitet.

Einen zweiten großen Pluspunkt bietet das Buch durch den sehr direkten Blick in die elektronische Partyszene der 90er. Denn nicht nur der Hip Hop hatte in den 90ern seinen großen Auftritt – auch die gesamte elektronische Musik (inklusive Loveparade und überhaupt Berlin als aufkommende Partystadt, was bis heute deutlich nachwirkt) erlebte ihre Teenager-Jahre in diesem Jahrzehnt.

Vielleicht ist das mit dem Sperma-Tanz doch nicht so abwegig.
Vielleicht ist der Sperma-Tanz doch nicht so abwegig.

Allerdings sind Mobys Aufzählungen der Ereignisse nicht immer schlüssig. Das macht das Buch noch authentischer, aber verwirrt gelegentlich. So wirkt er meist unsicher, aber dann läuft er (halb)nackt durch die Gegend. Oder er kauft sich eine Eigentumswohnung, obwohl er die ganze Zeit klingt, als würde er pleite sein. Aber vielleicht ist das auch der Punk in ihm, wer weiß.

Zum Abschluss wird es noch einmal sehr abstrus, wenn er erzählt, dass er auf einer Tanzfläche Sex hat, dann seinen Schwanz rauszieht und auf die Tanzfläche ejakuliert – und anschließend in seinem Sperma tanzt. Wie gesagt: Moby beteuert, dass alles in dem Buch wahr ist.
Ungeachtet dieses finalen Höhepunkts ist das Buch ist nicht nur für Moby-Fans ein Muss. Wer Interesse hat an der internationalen Clubszene, an der Musikindustrie allgemein, an dem Weg, wie ein DJ zu globalen Erfolg kommen kann und was er dabei so alles erlebt – der sollte das Buch lesen. Und die Compilation zum Album macht auch Sinn. 😉

Leider endet das Buch, bevor er sein Album „Play“ rausbrachte. Wir können so aber auf einen zweiten Teil hoffen. Moby Go!SLEAZE.moby9

danilo

Auto: Moby
Titel: Porcelain
Übersetzt von: Jürgen Neubauer
464 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
Mit 32 Seiten Farbbildteil
ISBN: 978-3-492-05713-4
€ 24,00 [D], € 24,70 [A]

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