Die Lichtspiel-Neuerscheinungen im Mai

Die Lichtspiel-Neuerscheinungen im Mai

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Im Spiel von Licht und Schatten lässt das Kino die besten, schönsten und tollsten Bilder entstehen – vorausgesetzt natürlich, man sitzt in einem halbwegs guten Film. Um hier Fehlentscheidungen vorzubeugen, hat die Geschmackspolizei von SLEAZE (Trash!) das Neueste, was der kommende Mai (neben Steinewerfen & hoffentlich Frühling) zu bieten hat, unter unsere wie immer streng-prüfende Lupe genommen. Sieh selbst (durch)!

Wieder am (gefräßigen) Start: das Alien

4. Mai

Get Out: The Whitest Thing Ever! Regisseur Jordan Peele ist Teil des genialen Komiker-Duos Key & Peele, die in den USA die inoffizielle Nachfolge von Dave Chapelle mit ihrer ähnlich lustigen Sketchshow antraten. Und wie Dave widmen sich die beiden dem Alltagsrassismus in den USA, der Schwarzen (oder womöglich sollte man treffender sagen: allen Nicht-Weißen) oft entgegenschlägt.

Weiße sind komisch!

In Get Out hebt Jordan das jetzt auf das nächste Level: Chris (Daniel Kaluuya) soll zum ersten Mal die Eltern seiner weißen Freundin kennenlernen. Die geben sich zunächst betont weltoffen, doch hinter der Fassade des schönes Landhauses lauern dunkelste Geheimnisse. Eine sehr lustige, doch durchaus auch politisch-reflektierte Horrorkomödie mit Köpfchen ist die Folge. Mit dabei sind u.a. Catherine Keener (Being John Malkovich) und Allison Williams (Girls) als Freundin des Hauptdarstellers. In den USA ein Kassenerfolg und definitiv anschaubar!

11. Mai

Denk ich an Deutschland in der Nacht: Regisseur Romuald Karmakar widmet sich in seinen Dokus gerne der Tanzmusik, genauer ihrer technoiden und elektronischen Ausformung. So drehte er beispielsweise bereits vor einigen Jahren Villalobos über den in Berlin ansässigen DJ Ricardo Villalobos.

In Denk ich an Deutschland in der Nacht legt er jetzt nochmal nach (Wer das Wortspiel versteht, war schon mal im Berghain! 🙂 ) und weitet den Täterkreis aus auf unter anderem Move D und Roman Flügel. Diesen interessanten Künstlern kommt er näher durch Interviews, Studiobesuche und Aufnahmen von ihren Touren und Gigs in einigen der besten Clubs der Welt. Sicherlich sehenswerte Doku für alle Nachtschwärmer und Grinsekatzen.

SLEAZE + lichtspiel
Immer beliebter: Spaß haben.

Berlin Rebel High School: Wie bereits vor Kurzem in SLEAZE dargestellt, geht es in der Doku Berlin Rebel High School um Schulabbrecher und generell „Troublemaker“, die von ihrer jeweiligen Schule irgendwo im Nirgendwo des trüben Restdeutschlands geflogen sind aufgrund von engstirnigen Lehrern oder anderweitigen Problemen mit Autoritäten. Ja, es ist immer noch so: Einige Schulleiter oder Lehrer können einfach nur die Menschenvariante braves Schäfchen akzeptieren, was anderes kann, ja darf nicht sein!

Was also tun für die durchaus nicht dummen Schulabbrecher? Sich in einem zweiten Versuch doch noch den Autoritäten unterordnen und das Spiel mitspielen? Hier kann die Berlin Rebel High School Abhilfe schaffen: An der komplett selbstverwalteten Berliner Schule gibt es beispielsweise die problematische Rolle „Schulleiter“ gar nicht. Auch ist die Erwachsenenbildungsschule komplett selbstverwaltet und kann daher auch selber entscheiden, was richtig oder falsch ist. Noch dazu sind die Schüler alle Charakterköpfe. Tipp!

18. Mai

Alien: Covenant: Zweiter Teil der geplanten Alien-Prequel-Tetralogie(!) – nach Prometheus – Dunkle Zeichen von vor einigen Jahren. Die Handlung ist zehn Jahre später angesiedelt. Eine neue Crew (logisch bei einer Überlebenden) fliegt in einem Kolonisations-Raumschiff (= viele Opfer!) zum Planeten aus Prometheus – wie immer total nichtsahnend. Eine Reihe neuer Schauspieler sind dabei, so z.B. Danny McBride (Ananas Express) und Katherine Waterston (Inherent Vice).

Prometheus – Dunkle Zeichen war damals ein ganz typischer aktueller Blockbuster: Fette Produktion, super Cast, nice Visuals und sogar der originale Alien-Regisseur und Altmeister Ridley Scott führte Regie – wie auch jetzt wieder bei Covenant. Die Story von Prometheus überzeugte dann jedoch wieder nicht so sehr, u.a. wurden die Konstrukteure eingeführt, die die Menschheit erschaffen haben sollen und die es in diesem Film-Kosmos eigentlich nicht so wirklich braucht. Egal, Alien: Covenant wird sicherlich fett, auch wenn nur durch das dieses Mal tatsächlich vorkommende Alien (nicht wie in Prometheus). Und das Morden geht weiter. 🙂

SLEAZE + lichtspiel
Aus der Sicht einer Drohne: Die Welt von oben.

National Bird: Nach dem 11. September kam er in Mode, durch Barack Obama wurde er ausgeweitet: der Drohnenkrieg. Die Idee: Durch Präzisionsschläge sterben nur die wirklich bösen Jungs und Mädchen, die eigenen Soldaten sitzen gut geschützt zuhause im „Cockpit“, müssen also nicht wirklich dran glauben, wenn dem Fluggerät mal was passiert. Die Realität: meilenweit davon entfernt. Und genau um diese eigentliche Realität geht es in der super Doku National Bird. Filmemacherin Sonia Kennebeck besucht dabei interessanterweise nicht so sehr die Opfer dieses ewigen Krieges im Nahen Osten, sondern die Traumatisierten und Geschädigten an der Heimatfront. Denn auch wenn Soldaten auf die Computerspiel-Art einer Drohne Menschen töten, kann das Spuren hinterlassen.

National Bird ist sehr zu empfehlen, denn die Drohnen-Problematik ging in den letzten Jahren erst so richtig los, wird aber in der Zukunft auch garantiert nicht wieder verschwinden. Zu viele militärische Vorteile bietet doch diese Art der Kampfführung. Von daher auf dem Laufenden bleiben oder erstmal mit der Thematik vertraut werden durch die exzellente Doku. Tipp!

6 Jahre, 7 Monate und 16 Tage – Die Mordserie der NSU: Die Mordserie der beiden Uwes und ihrer willenlosen Gespielin (laut eigener Verteidigungsstrategie) Beate, die sich selbst Nationalsozialistischer Untergrund nannten, erschüttert bis heute die Nation. Hätte man sie schon früher stoppen können? Versagten ermittelnde Behörden, besonders begünstigt durch institutionellen Rassismus („Die erschießen sich doch gegenseitig!“)?

Das unrühmliche Nachspiel zum damaligen Tathergang stimmt nicht minder nachdenklich. Länderparlamente und der Bundestag setzten schon mehrere Untersuchungsausschüsse ein, ein Mammutprozess findet in München statt, und noch immer bestehen so viele Ungereimtheiten, dass in der historischen Perspektive auf die ganze Geschichte wohl Verschwörungstheorien eine große Rolle spielen werden. Ein Beispiel: Kann man tatsächlich in einem Nebenraum eines Internetcafés einen Schuss nicht hören und den Pulverdampf nicht riechen, wenn im anderen Zimmer gerade jemand erschossen wurde? Und dann noch bei diesem Toten bezahlen? So zumindest sieht es der Münchner Prozess und normal Verstandes-Begabten kommt das dann doch ein wenig komisch vor. (Etwas) Aufklärung bringt hier hoffentlich diese spannende Doku. Halt die Augen offen für eine Langbesprechung in SLEAZE demnächst!

25. Mai

SLEAZE + lichtspiel
Segeln wieder: Die verfluchten Piraten.

Pirates of the Caribbean: Salazars Rache (Fluch der Karibik 5): Als ursprüngliche Trilogie kam die verfilmte Disney-Themenpark-Attraktion damals noch gut und machte Spaß. „Damals“ war auch Hauptdarsteller Johnny Depp noch nicht der heutige Zombie mit schlechter Presse, sondern eine ziemlich coole Sau. Und auch das wohl unglaubwürdigste Liebespaar der Filmgeschichte bestehend aus Orlando Bloom und Keira Knightley konnte den ersten drei Filmen nicht ernsthaft schaden.

Spätestens ab Teil 4 lief das Ganze jedoch ins Leere und auch das fünfte „Installment“ zum Zwecke der Cashflow-Produktion dürfte zum Vergessen sein. Orlando ist übrigens neben Johnny dieses Mal auch wieder mit dabei. Neu ergänzt wird das Darsteller-Ensemble durch Javier Bardem (Vicky Christina Barcelona), der den titelgebenden Salazar spielt, sowie u.a. Kaya Scodelario (Maze Runner) und Golshifteh Farahani (Paterson).

Song to Song: Terrence Malicks (Knight of Cups) neueste Ode an die Freude begeistert – wie immer bei der Regie-Legende – mit einer grandiosen stilistischen Machart und ganz besonders traumhaften, ja fast mystischen Naturbildern. Auch das Darsteller-Ensemble, bestehend aus Rooney Mara, Ryan Gosling, Michael Fassbender, Natalie Portman und Cate Blanchett (und Patti Smith und Iggy Pop!) kann sich wieder mal mehr als sehen lassen.

SLEAZE + lichtspiel
Weil ich alles hab, geht es mir sooo schlecht. 😉

Dieser erste Absatz steuerte fühlbar auf ein gewaltiges Aber zu, und hier kommt es dann auch: Die „Story“ von Song to Song reißt einen als Zuschauer nicht so vom Hocker, zu flach sind doch die Charaktere und auch die tatsächlichen Handlungsstränge. Besonders das ewige Voice-Over wirkt auf die Dauer nervtötend und dessen durchgehaltener Einsatz verwundert doch immer wieder im Werk des eigentlichen Filmverstehers Terrence.

Ach so, und so ganz konnte ich mich als Zuschauer dann auch nicht in die wahnsinnig privilegierten Figuren und ihre Leiden einfühlen. Schwermut im Wolkenkratzer-Loft? Also bitte! Da gibt’s echt schlimmere Probleme! Wirklich! Wer aber schon immer mal absolute A-List-Schauspieler in mehreren Szenen eines Films wiederholt wie Dreijährige auf dem Boden herumtollen sehen wollte (Ich weiß Terrence, du willst die ursprüngliche Energie des Lebens einfangen, unbeschwert und frei, versteh ich schon!), der schaue sich Song to Song an!

Robert

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