Die Kunst hinter und vor der Kamera

Die Kunst hinter und vor der Kamera

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SLEAZE.compactlife_1310_copyright_timo_kleinTimo Klein ist Fotograf. Ein sehr guter. Letztes Jahr hat der „Kamera-Mann“ es mit seiner Installation ins Finale des BLOOOM Award by Warsteiner geschafft. Und dank Timo wissen wir nun, dass so eine Bewerbung gar nicht so viel Arbeit ist, wie wir immer dachten.

Zunächst die Basics: Mit welcher Kamera arbeitest du?
Ich arbeite mit zwei Kameras derzeit. Für großformatige Aufnahmen benutze ich die Nikon D800 und für kleinere Reportagenaufnahmen benutze ich eine Olympus OM-D.

Bist du hauptberuflich Fotograf?
Ich arbeite derzeit als Berater im Bereich von Trainings und Schulungen und sonst als Fotograf. Fotografie ist Ausgleich und künstlerischer Ausdruck zugleich.

Willst du irgendwann ausschließlich von dieser Kunst leben?
Das ist schon so angedacht, wenn es sich so weiterentwickelt.

Das macht ja auch mehr Sinn, dass man irgendwann von dem leben kann, was man liebt, als wenn man das so zweigeteilt macht, oder?
Naja, es ist schon so, dass mir die Unternehmensberatung als solches unheimlich viel Spaß macht und ich aus beiden Elementen sehr viel Energie ziehen kann. Die Unternehmensberatung mit sehr konzeptionellen, strategischen Ansätzen und dem Umgang mit Menschen. Dies spiegelt sich auch in meiner Fotografie wieder. Da geht es ja auch sehr viel um Menschen – auch wenn man die nicht sieht.

Hast du noch andere Wege der Kunst beschritten?
Ich habe zehn Jahre als DJ gearbeitet und war da in der Hip-Hop-Szene unterwegs,habe mich dann aber für das Fotografieren entschieden.

Welche Art von Hip Hop?
Amerikanischen. Ich habe da die Golden Era mitbekommen in den 90ern.

SLEAZE.timo_klein_P1160181Dein Hauptfokus scheint auf Asien zu liegen. Ist das so und – warum?
Ja, der Hauptfokus liegt auf Asien, das stimmt. Asien ist von der Kultur her anders, man erlebt andere Dinge, man bewegt sich anders, ich selber nehme andere Dinge wahr und – ich bekomme da einfach einen unheimlichen Input durch das ganze Gewusel, die Gerüche, die hohen Gebäude. Ganz besonders fasziniert mich, auf den Wolkenkratzern zu stehen und einfach über die Stadt zu gucken. Man sagt zwar, in Amerika ist alles möglich, aber in Asien ist das genauso.

Aber es gibt ja auch noch andere Kontinente. Das Gewusel hättest du z.B. in Brasilien, in Sao Paulo, auch sehr gut.
Ja, das könnte schon sein, aber irgendwie fasziniert mich da doch eher die asiatische Hemisphäre mehr, zumal ich dort einen guten kulturellen Einstieg und viele gute Freunde gefunden habe. Das spricht nicht gegen Brasilien, aber definitiv für Asien.

Klar, so ist das ja oft. Man hat irgendeinen Auslöser und dann geht man in eine bestimmte Richtung.
Ja, ich war durch Zufall beruflich 2007 in Bangkok gewesen und habe während eines Trainings Menschen aus nahezu jedem asiatischen Land getroffen. Dort begann für mich der Einstieg nach Asien.

Du warst mit „Compact Life Fascades“ unter den Top Ten beim letzten BLOOOM Award by WARSTEINER. Wie und wodurch hast du das geschafft?
Aus meiner Sicht war das klassisch, man sitzt mit Freunden zusammen und redet über die nächsten Sachen, was man so machen könnte, und da brachte meine Freundin die Initialzündung: „Mach doch da mal mit.“ „Ja, warum nicht?“ – und so brachte ich meine Installation und meine Gedanken dazu in die passende Form und habe diese mit Ausstellungsbildern kombiniert.

Wie viel Aufwand war das? Das ist gerade für aktuell potentielle Bewerber recht interessant.
Das war gar nicht viel Aufwand. Für mich war es auch so, dass ich meine Arbeit total verstanden hatte und sie steht genau für das, was ich in dem Moment ausdrücken wollte. Und daher konnte ich mit der Arbeit, der Installation und dem Text gut kommunizieren. Die Arbeit zu bauen, war natürlich viel Arbeit, aber die Einreichung nicht. Da macht es einem der BLOOOM Award sehr einfach.SLEAZE.BlooomAward_Logo

Beschreibe deine Installation mal, was hast du da eingereicht?
Die Installation ist ein großer, matt schwarzer Kasten, in dem zwei Plexiglaswände angebracht sind. Die Maße sind 1,80 x 2,05 x 0,5 m. Innen hängt ein Leuchtkonstrukt und durch ein besonderes Druckverfahren habe ich die Fotografien so entwickelt, dass sie durchleuchtet werden können. Wenn man dann vor der Installation steht, sieht man unterschiedliche Hausstrukturen aus Shanghai und Hong Kong, einmal Mittelstandschicht und einmal Regierungswohnungsbau. Die Besucher sind während des Betrachtens dazu eingeladen Kopfhörer aufzusetzen und das zu hören, was ich während der Aufnahme der Bilder gehört habe.

Hat sich durch die Nominierung etwas geändert oder einfach ein weiteres Bienchen in deiner Karriere?
Es hat sich schon etwas verändert, weil ich selber die Möglichkeit hatte, innerhalb kürzester Zeit mit sehr vielen Menschen über die Installation zu unterhalten und die Chance zu haben, bei ca. 36.000 Messebesuchern eine seiner Arbeiten zu zeigen ist schon echt klasse.

Und ein zweiter Punkt: Jede Art, nach außen zu gehen mit seiner Kunst, ist eine Konfrontation mit anderen Meinungen und Künstlern und Vorgehens- und Sichtweisen. Dabei lässt sich nicht vermeiden, dass man den ein oder anderen interessanten Menschen kennen lernt. Ich habe im Nachgang an die BLOOOM viel Feedback zu meiner Arbeit erhalten. Und auch dank der Messe gibt es 2015 eine Ausstellung mit dem Hessischen Landesmuseum und der Schader Galerie in Darmstadt.

Was beim BLOOOM Award besonders ist: Es endet nicht mit dem Wettbewerb. Der Kontakt zur BLOOOM blieb erhalten, das Team dahinter begleitet einen weiter. Das kenne ich von anderen Wettbewerben, an denen ich bisher teilgenommen habe, so nicht. Bei der BLOOOM konnte man auch weiterhin mit Fragen kommen. Es wirkt, als wenn sich die Veranstalter einen anderen Ansatz verfolgen, nachhaltiger.

Wirst du dir ansehen, was dieses Jahr nominiert wird?
Da ich auch in Köln wohne, definitiv.

Was sind sonst deine Pläne für die Zukunft?
Es gibt noch zwei Publikationen, die dieses Jahr erscheinen werden, aber darüber kann ich noch nicht so viel erzählen.

Eine letzte Klassiker-Frage: Hast du einen Künstler-Geheimtipp? Also jemanden, von dem du noch viel erwartest und den man im Auge behalten sollte?
Da muss ich passen, da es unglaublich viele Künstler gibt. Mir fällt es gerade bei der digitalen Fotografie immer schwerer, Alleinstellungssmerkmale zu finden.

Wie stehst du zu Instagram?
Ich habe einen Account – nutze diesen nur nicht. Ich mache gern große Fotos, 1,20 x 1,80. Das klappt mit einem Handyfoto nicht so gut.

Und zum Abschluss: Was interessiert dich abseits deines Berufs?
Ich bin eigentlich nur am Arbeiten. Aber wenn man das, was man tut, liebt…

Ah, mir ist der Künstler eingefallen, den ich erwähnen würde: Tim Hölscher. Der macht echt gute Sachen.

Den schauen wir uns mal an. Danke für den Tipp und das Gespräch, Timo.

 

Und wer jetzt motiviert wurde: Die Bewerbungsphase für den Blooom Award läuft noch bis 31. Juli.

danilo

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