Die Jane, der Punk und die Zombies – Sam Riley im interview

Die Jane, der Punk und die Zombies – Sam Riley im interview

TEILEN

Mit Waffengewalt gegen die Untoten: Sam Riley
Mit Waffengewalt gegen die Untoten: Sam Riley

Zum deutschen Kinostart des historischen Zombiespektakels Stolz und Vorurteil & Zombies (zur Kritik) hatten wir die Gelegenheit, mit Schauspieler Sam Riley zu sprechen, der in dem Mash-up von klassischer Jane Austen-Geschichte und Untoten-Action die berühmte Rolle des Mr. Darcy spielte. Der Brite, der mit dem biografischen Film Control über Joy Division-Sänger Ian Curtis bekannt wurde, war trotz früher Morgenstunde gut aufgelegt und beantwortete munter die Fragen der anwesenden Journalisten. Hier redet Sam über anfängliche Skepsis gegenüber dem Stoff, Inspirationsquellen und warum ein Samurai-Schwert letztlich mit einer der Hauptgründe war, die Rolle des populären Gentlemans nochmal neu zu erfinden.
Vor Ort war unser Autor Alex Warren.

SLEAZE: Was war dein erster Gedanke, als du hörtest, es würde Zombies geben?

Sam: Ich dachte, es klingt lächerlich und es würde schrecklich werden. Aber ich habe meine Mutter dann angerufen und sie gefragt: „Was ist die beste Verfilmung von Stolz und Vorurteil? Und sie sagte, die von der BBC mit Colin Firth in der Titelrolle.
Ich hatte das Buch in der Schule gelesen, aber ich konnte mich nicht daran erinnern, wie viel Jane Austen noch im Skript war. Also schaute ich mir die BBC-Version an und las das Drehbuch noch einmal und mir wurde klar, dass es alles andere als lächerlich und tatsächlich viel von dem ursprünglichen Dialog vorhanden ist und das zusammen ziemlich gut funktioniert. So wurde beispielsweise auch dem Klassensystem in England eine weitere Klasse hinzugefügt, die der Untoten.

SLEAZE: Was reizte dich an der Rolle?

Sam: Nun, ich hatte nie von dem Buch von Seth Grahame-Smith gehört. Als mein Agent mir erzählte, sie hätten ein Skript mit dem Titel Stolz und Vorurteil, dachte ich mir schon: „Oh Gott, niemand will das nochmal sehen!“ Colin Firth hat es gespielt und wenn Sie meine Mutter fragen, würde sie antworten: „Er ist Mr. Darcy.“ Und dann sagte er Stolz und Vorurteil & Zombies und ich dachte…(auf Deutsch versucht er, die richtigen Worte zu finden)…du verarschst mich.
Doch dann sagte er: „Nein, nein, es klingt lächerlich, aber du solltest es lesen.“ Und ich habe es von Seite Eins an in einem Zug gelesen, was ein guter Indikator dafür ist, ob man es mag. Ich dachte, falls jemand jemals wieder Mr. Darcy spielen würde, wäre der einzige Weg, es mit einem Samurai-Schwert zu tun und Leuten die Köpfe abzuschneiden. Das wäre der einzige Grund für jemanden, ihn nochmals zu spielen.

SLEAZE: Wie war es, eine frische Interpretation von Mr. Darcy zu entwickeln und wie viel Freiheit hattest du dabei?

Wenn man die Geschichte noch einmal liest, stellt man fest, warum Mr. Darcy eine solche Langlebigkeit als Charakter und auch als Ideal eines Mannes für Männer wie Frauen besitzt. Es ist eine brillant geschriebene Geschichte. Der Originaltext hat einen feinen Humor. Wir haben bloß die Lautstärke ein wenig höher gedreht.
Aber abgesehen davon, Kung Fu oder Japanisch hinzuzufügen oder sonst etwas, könnte man nicht weiter von Colin Firth‘ Interpretation entfernt sein, während man dieselbe Figur spielt. Das Szenario, die Situation, fügt automatisch etwas hinzu, das die anderen nicht haben. Normalerweise ist es so, wenn du jemanden spielen willst, den andere zuvor schon spielten, würde ich es nicht sehen wollen, denn Colins Version ist Mr. Darcy für so viele Leute. Trotzdem war sein Spiel eine große Inspiration, wie auch Alex aus Clockwork Orange oder Sean Connery als Bond. Ich meine, du hörst meine englische Stimme (Er spricht an auf seine raue Stimmfarbe, Anm. d. Autors). Ich wollte, dass er sich so anhört wie James Mason, der ein wunderbarer britischer Schauspieler war.

SLEAZE: Control war für dich der Einstieg ins Filmbusiness. Suchst du immer nach einer Art Verrücktheit in deinen Charakteren?

Sam: Nicht absichtlich. Vielleicht bringe ich immer ein Element der Verrücktheit mit. Nein, ich meine, diese Dinge sind interessanter zu spielen. Ich wäre nicht interessiert, Mr. Darcy ohne die Samurai-Schwerter zu spielen. Vielleicht wäre es ein wenig einfallslos, obwohl es eine schöne Geschichte ist, aber es wurde bereits vorher sehr gut gemacht. Ich glaube, ich sehe nicht besonders verrückt aus, aber offensichtlich sehen einige Regisseure das in mir.

SLEAZE: Wie lange musstest du trainieren, um die Kampfszenen so umsetzen zu können? Und hast du dich verletzt?

Sam: Wenn man sich Interviews mit Schauspielern ansieht, sagen sie immer, sie würden sechs Monate trainieren. Ich bin sicher, das ist Bullshit, denn jeder Film, in dem ich involviert war, konnte es sich nicht leisten, einen erst mal sechs Monate trainieren zu lassen. Die Schauspieler müssen Dinge in einer sehr kurzen Zeit lernen: Montags sitzt du das erste Mal auf einem Pferd und am Freitag reitest du das erste Mal im Galopp. Das ist der wirkliche Weg, jedenfalls in allen Filmen, an denen ich beteiligt war – vielleicht, weil sie alle Low-Budget-Produktionen waren. (lacht) Das Kampftraining dauerte etwa zwei oder drei Wochen. Sie bringen einem gerade genug bei, dass es so aussieht, als würde man Kung Fu schon immer beherrschen. Das Gleiche gilt für den Schwertkampf. Aber ich liebe das ganze Zeug.

SLEAZE: Hast du bereits für ein Sequel unterschrieben?

Sam: Ich denke, sie wollen erstmal abwarten, ob sich der Film gut macht. Sie sind nicht dumm. (lacht) Bisher hat niemand angerufen.

SLEAZE: Du lebst in Berlin. Ist es manchmal schwer für dich oder hast du das Gefühl, dass du kein Teil der britischen Filmindustrie bist und es somit schwerer für dich ist, Rollen zu bekommen? Oder zählt das nicht?

Sam: Da sich Control als so außergewöhnlich herausstellte, war er für mich eine Eintrittskarte in die Industrie. Es war eine Traumrolle für jeden Schauspieler – du singst, tanzt, weinst. Du zeigst, dass du bestimmte Dinge kannst, also bin ich direkt hochgesprungen in der „Nahrungskette“, aber insgesamt betrachtet bin ich immer noch irgendwo hier. (Deutet auf die Mitte einer gestikulierten Skala.) Dass ich in Berlin lebe, scheint mich hinsichtlich der Angebote nicht zu beeinflussen. Aber ich fühle mich sowieso nicht als Teil des britischen Films und ich denke, dass sie mich ebenfalls nicht als Teil ansehen. Ich bin nicht wirklich Teil des „Clubs“. (Er fährt auf Deutsch fort) Aber das ist auch gut so.

KEINE KOMMENTARE

Kommentar verfassen