Die hohe Kunst der Plattencover

Die hohe Kunst der Plattencover

Viele Plattencover wurden zu Wandschmuck umdefiniert. In Klarsichthüllen gepackt, wurden sie - streng selektiert - voller Stolz aufgehängt. Wenn es nicht irgendwelche raren Klassiker waren, dann ging es bei den Hüllen meist um die Ästhetik auf ihnen. Nun gibt es das passende Buch dazu.

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Hier wird geklotzt und nicht gekleckert. Ja, das kann man wohl so sagen. Ich persönlich würde dem neu erschienenen Taschen-Band „Art Record Covers“ eine 10/10 bzw. eine Eins mit Sternchen geben.
Neben dem gelungenen Eyecatcher auf der Titelseite in Form von John Lennon in ikonischer Pop-Art-Aufmachung nach Andy Warhol überzeugt auch dieses Taschen-Buch mit einer sensationellen Grafik und mit purer Ästhetik!

Gezeigt wird, nach einem mehrsprachig ausgeführten und sehr informativen Vorwort des Autors Francesco Spampinato, eine Auswahl der besten, schrillsten und bekanntesten Plattencover vieler bekannter Bands und Musiker.

Dem italienischen Schriftsteller und Kunsthistoriker Francesco ging es hierbei um die Verdeutlichung der Beziehungen zwischen Kunst und Popkultur. Nachdem Mitte des 20. Jahrhunderts der visuelle Aspekt des Covers als Marketing-Produkt entdeckt wurde, begann eine intensive Zusammenarbeit zwischen Pop-/ Rockmusikern und bildenden Künstlern. Aus dieser Zeit gehen einige der bekanntesten Albumcover hervor, wie zum Beispiel Andy Warhol’s berühmtes Bananen-Cover für „The Velvet Undergound & Nico“, das „Sticky Fingers“ der Rolling Stones oder Richard Hamilton’s „White Album“ der Beatles.Übersichtlich geordnet nach Visual Artists A-Z gibt es zu jedem abgebildeten Album tabellarische Informationen über Erscheinungsjahr, Interpret, Plattenlabel und Künstler. Man muss kein außerordentlicher Musikkenner sein, um in diesem Band das ein oder andere künstlerisch gestaltete Plattencover wiederzuerkennen.

448 Seiten mit Werken von 230 verschiedenen Künstlern unterschiedlichster Stilrichtungen von Modernismus, Konzeptkunst, Postmodernismus bis hin zu Graffiti erwarten den Leser. Und das alles für grad mal 50,-.Um diese Rezension nicht allzu sehr der vorangegangenen Capitol-Records-Veröffentlichung anmuten zu lassen (obwohl die beiden Bücher tatsächlich vergleichbar gut gelungen sind) möchte ich an dieser Stelle noch eine Art Fun-Fact einbringen:
Die Entwicklung dieser verstärkten Musiker-Künstler-Zusammenarbeit etablierte auch die Musikvideo-Szene. Genau wie bei den Platten-„Schutzhüllen“ war die Intention des Musikvideos, den Musiker zu zeigen und seinem Ton ein (bewegtes) Bild zu verleihen. Federführend für das erste „Musikvideo“ waren die Beatles. Mit eigenen „Promotion-Videos“ zu „Strawberry Fields forever“, „Paperback Writer“ und „Penny Lane“ lieferten sie Mitte der 60er Jahre die Grundlage des Musikvideos der Popkultur. Anders als bei früheren Filmaufnahmen (welche reine Performance-Videos waren) verfügten diese „inszenierten Kurzfilme“ über einen tatsächlichen Plot, ein Schauspiel und ähnelten somit einem Werbespot.

Als Ausdruck des liberalen Künstlers stellte sich das Musikvideo bald gegen den stärker werdenden Kapitalismus und als oppositionelle Strömung gegen den Massenkult. Des Weiteren versprach man sich im Rahmen der Digitalisierung mit der Verkleinerung der Covers auf CD-Größe einen verstärkten Fokus auf pompöse, auffällige (und oftmals auch finanziell aufwändige) Videos.

Das Video der Popkultur war, wie die Wochenzeitung „Die Zeit“ so schön zitiert „nie lebendiger“! Nun erwarten wir also vom Taschen-Buch bald einen Band mit den tollsten Musikvideos.

Sophia

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