Die glorreichen Zwei

Die glorreichen Zwei

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Stilvoll und urkomisch: Die "Nice Guys" Ryan Gosling und Russell Crowe

Shane Black gilt als prägende Figur im Genre der Buddy-Movies. Mit seinen Drehbüchern zu Lethal Weapon sowie seinem Nachfolger Ende der 80er etablierte er das Duo Mel Gibson / Danny Glover als bekanntes Polizisten-Gespann, die sich actionbeladen und mit viel Witz um die Aufdeckung finsterer Machenschaften kümmerten. Zwar gab es in der Folgezeit immer wieder Abhandlungen des Genres – man denke da an Guy Ritchies Detektivgespann um Sherlock Holmes und Dr. Watson – aber ein regelrechter Kult konnte sich seit jeher nicht wieder einstellen. Shanes neuster Film The Nice Guys, bei dem er auch Regie führte, könnte die Wiederbelebung des Buddy-Genres bedeuten. Lange funktionierte kein Action-Duo mehr so unverkrampft, wortgewandt und spritzig wie Ryan Gosling (Drive) und Russell Crowe (Noah).

Buddies im Bunde: Ryan Gosling und Russell Crowe
Buddys im Bunde: Ryan Gosling und Russell Crowe

Der Film um zwei zunächst sich abstoßende Ermittler im Los Angeles 1977 stützt sich dabei auf ein mit Humor und Spannung beladenes Drehbuch, das der Regisseur erwartungsgemäß wieder selbst verfasst hat. Die beiden Detektive feuern so manche Dialogzeilen auf sich und ihre Mit- und Gegenspieler ab, dass es ein Genuss ist, den beiden gegensätzlichen und doch wunderbar funktionierenden Charakteren beim Aufdecken des Crime-Plots sowie ihrer stetigen Annäherung zuzuschauen. Ihr Humor verkommt dabei nie zum Selbstzweck, sondern arrangiert sich ganz selbstverständlich mit der Geschichte, die zum Teil an eine Bonbon-Version eines Film noir à la L.A. Confidential erinnert – interessanterweise auch mit einem Russell Crowe, der hier wie auch dort einen Ermittler spielt, der es mit gängigen Moralvorstellungen nicht ganz ernst meint. Ein Thema, das im Laufe des Films auch leichtfüßig aufgegriffen wird, ohne mit der Moralwimper zu zucken oder den -finger allzu steil zu erheben. Funfact: Auch Kim Basinger ist Teil des Casts, wenngleich ihrer Figur die mysteriöse und faszinierende Präsenz ihres Charakters aus L.A. Confidential abgeht. Ryan Gosling füllt seinen jungen, kettenrauchenden, trinkenden alleinerziehenden Vater mit beschwingter Coolness aus, ohne jemals zur Karikatur zu verkommen und verkörpert damit einen auf den Punkt sitzenden Gegenpart zur von mitschwingender Tragik gezeichneten, mehr als nur bierbäuchigen Figur von Russell, der in seiner schroffen, zupackenden Art nicht weniger komödiantisches Talent beweist.

Die Story selbst macht aus ihren Wurzeln des „schwarzen Films“ keinen Hehl – wir erleben die Stadt der Träume, in der schon so mancher Traum in einer Tragödie endete: Es geht um ein verschwundenes Mädchen sowie den möglichen Selbstmord einer bekannten Pornodarstellerin. Dass auch höhere Kreise in die Geschehnisse verwickelt sein könnten, versteht sich daher fast von selbst. Und würde der Film nicht so offen und wissend mit seinen Vorbildern umgehen, man möge ihn arg kritisieren. Doch in dieser Groove-Variation ernster Noir-Motive ist der Film nicht weniger als eine heitere und cleverere Sause, zu der auch das stets hohe Tempo entscheidend beiträgt, das sich zu keinem Zeitpunkt in nervöser Hektik verliert und auch die eingestreuten Action-Sequenzen nie zum reinen Spektakel verkommen lässt. Wenn er dann noch mit bekannten Mustern bricht und Erwartungen des Zuschauers ins Komische und Absurde entführt, mag man sich diesem Sog nicht mehr verschließen und gerne mit ihm die Ermittlungen aufnehmen.

Ganz schön rauchig, der Ryan
Ganz schön rauchig, der Ryan

Shane versteht es auch treffend, seine Idee eines 70s-L.A. visuell umzusetzen. Seien es die vereinzelten Impressionen der Westküstenmetropole – schon zu Beginn zieht die Kamera das Publikum vom rissigen Hollywood-Schild in den Startpunkt der Geschichte und etabliert damit unmittelbar das Gefühl und die Diskrepanz von Glanz und Schmutz. Oder die detailreiche, farbenfrohe Ausstattung: von Kostümen über Interior bis hin zum Schnäuzer Ryan Goslings – der Kiss Kiss Bang Bang-Regisseur versteht es, ein Gefühl seines Settings zu entwerfen. So könnte sich der Film tatsächlich als der Auftaktsakt eines Buddy-Revivals herausstellen, auf das er nicht nur explizit am Ende des Films schmitzigen Lächelns hinweist, sondern sich vor allem mit seiner wohlschmeckenden Mischung aus lockerem, klugem Humor und einer taktgenau erzählten Geschichte mit ihrem fein abgestimmten, ineinandergreifenden Ermittlerduo regelrecht dafür in Stellung bringt.

Alex Warren

Titel: The Nice Guys
Regie: Shane Black
Laufzeit: 115 Min.
VÖ: 02.06.2016 (dt. Kinostart)
Verleih: Concorde

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