Die Fat Freddys droppen „Bays“

Die Fat Freddys droppen „Bays“

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fatfreddysdrop.sleaze1Je größer die Band, desto schwieriger ist der gemeinsame Nenner zu finden. Bei einer Band, deren Mitglieder man nicht mehr an bloß einer Hand abzählen kann, ist das Zusammenwachsen geglückt: Das achtköpfige Kollektiv Fat Freddy’s Drop (auf dem Foto fehlt live Rapper MC Slave) fühlt sich nicht nur im eingeschweißten Team pudelwohl, sondern hat auch eine Art gefunden, uns genau das Gefühl mit ihrer Musik zu vermitteln. Aus der Musikszene des Untergrunds jammen sie sich seit 1999 in das Bewusstsein ihrer Zuhörer und entwickelten eine hauseigene Genremischung aus Soul, Reggae, Dub und Jazz, deren treibende Rhythmen durch die melancholische Stimme von Joe Dukie unterlegt wird. Ihre von Soul durchdrungenen Beats bilden mit Echo- und Hallelementen feurige Kombos, die permanent in die Beine gehen. Das verhalf den Freddys auch schon zu enormen Verkaufszahlen und Auszeichnungen wie Best Producer, Album of the Year, Best Artwork, People’s Choice Award und Best Video. Nun starten sie bei uns mit einem frischen vierten Album durch. Während vorige Platten allzu oft einfach bei Liveauftritten aufgenommen wurden, haben die Jungs von FFD sich diesmal im Studio zusammen getan, um an ihrem unverwechselbaren Sound herumzubasteln. „Der ganze Prozess war dieses Mal einfach noch viel kreativer“, so Sänger Joe. Das neun Songs dauernde Ergebnis nennt sich „Bays“ und erscheint bei uns am 23.10.15 als Nachfolger des vielgefeierten „Blackbird“-Album, aber SLEAZE hat jetzt schon mal seine Ohren gespitzt und für dich reingehört.
Los geht’s mit einem Song, der den Blues im Namen trägt, relativ kurz, tanzbar und abwechslungsreich. Passagen mit Joes Vocals gehen in klangvolle Bläser über, zum Besten gegeben von Tony Chang, Hopepa und Chopper Reeds. Die redundanten Texte sind zwar eingängig, aber melodisch hat der Track nicht das Zeug zum Ohrwurm.
Anders sieht es da bei Nummer zwei aus. „Sling & Arrows“ ist uns schon etwas länger bekannt, denn der Song erschien schon im letzten Jahr als Single auf dem selbstgegründeten Label der Drops. Die ersten Töne erinnern an ein Computerspiel, irgendwas zwischen Mario Super Bros. und Prince of Persia. Dann verschmelzen sie mit Reggae-Sounds, die uns zum Kopfnicken bringen. Gerade wenn’s am Schönsten ist, stoppt der Track allerdings – der beste Ohrwurm ist leider gleichzeitig der kürzeste der Platte. Aber Länge ist ja bekanntlich nicht alles.
Zur Mitte hin wird die Platte elektronischer, immer häufiger zieht sich Joes echoende Stimme durch die verschiedenen Ebenen und die Rhythmen und Melodien werden monotoner. Das Ganze bleibt tanzbar, verliert aber teilweise an Spannung, die sich dann mühsam durch Computerklänge wieder aufbauen kann, wenn sich R2D2 Gehör verschafft. So bekommt der Freddy-Sound manchmal so etwas wie Lounge-Charakter, denn während man eben noch das Tanzbein schwingen wollte, hat man nun nichts dagegen, sich einfach romantischen Klängen wie in „Makkan“ hinzugeben und auf die Couch zu lümmeln. Kurz vor Schluss warten die Freddys noch einmal mit zwei Songs in Überlänge auf, die wie die vertonte Version eines neuseeländischen Traumstrandes anmuten, mit weißem Sand und sanften Wellen, wärmender Sonne und Cocktails aus Kokosnüssen.
Abgerundet wird der Ausflug nach Down Under mit „Novak“, der den Blues-Bogen zurück zu Track eins schlägt und den Rahmen schließt.
„Bays“ zeigt uns neun Songs Teampower, einen zusammengewebten Soundteppich, ineinander geschmolzen wie die achtköpfige Band, die uns nun ein viertes Mal und selbstbewusster als zuvor ihre ganz eigene Genreschnittmenge serviert – portionenweise monoton, aber tonnenweise tanzbar.

 

Laurie

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