Deus Ex: Human Revolution = Stealth-Action-RPG-Revolution?

Deus Ex: Human Revolution = Stealth-Action-RPG-Revolution?

TEILEN

Deus Ex: Human Revolution

Genre: Action-Rollenspiel | Plattform: Xbox 360, PlayStation 3, PC | Publisher: Square Enix

 

Sehr lange mussten Fans auf einen würdigen zweiten Teil des legendären Sci-Fi-Rollenspiels aus dem Jahre 2000 warten. Der offizielle Nachfolger von Deus Ex erschien zwar schon 2004 unter dem Titel Deus Ex: Invisible War, war aber ein ziemlicher Rohrkrepierer. Eidos Montreal empfand den Titel wohl ähnlich enttäuschend und schickt sich nun an, den Fans endlich einen adäquaten Nachfolger zu liefern. Dabei handelt es sich genau genommen um einen „Vorgänger“, denn Human Revolution spielt 25 Jahre vor den Ereignissen aus Deus Ex 1.

 

Story:

Willkommen im Jahr 2027! Wir schlüpfen in die Haut von Adam Jensen, den frischgekürten Sicherheitschef von Sarif Industries, eines der führenden Unternehmen auf dem Zukunftsmarkt „Körperliche Upgrades“. Augmentierung werden diese künstliche Prothesen genannt, die Menschen immer mehr zu Cyborgs machen. Während sich ein Teil der Menschheit über diese glorreichen neuen Zeiten freut, verteufelt der Rest die neuen Techniken und Möglichkeiten, da sie ihrer Ansicht nach der Natur widersprechen. Wegen diesen fanatischen Gruppierungen, aber auch wegen der skrupellosen Konkurrenz, braucht ein Konzern wie Sarif Industries besondere Sicherheitsstandards. Als Ex-SWAT-Mitglied erfüllen wir diese Voraussetzungen, auch wenn wir den Job vor allem unserer Ex-Freundin Megan Reed verdanken, die praktischerweise die talentierteste Wissenschaftlerin bei Sarif ist. Sie hat endlich einen entscheidenden Durchbruch erzielt, der das Hauptproblem bei Augmentierungen lösen könnte: den Abstoßungseffekt des menschlichen Körpers gegen Prothesen. Diese Entwicklung würde Sarif Industries schlagartig zum alleinigen Marktführer der Branche machen. Allerdings misslingt schon unsere erste große Bewährungsprobe als Sicherheitsexperte gehörig: Sarif Industries wird von Söldnern angegriffen, und quasi alle wichtigen Wissenschaftler werden brutal ermordet, darunter auch Megan. In unserem aussichtslosen Kampf gegen die augmentierten Eliteeinheiten werden auch wir lebensgefährlich verletzt. Unsere Verletzungen sind so schwerwiegend, dass wir nur dank umfangreicher Augmentierung überleben. Die Genesung verläuft allerdings überraschend schnell: nur sechs Monate später treten wir wieder unseren Dienst an. Es wird Zeit, den Zwischenfall von damals aufzuklären – und nebenbei noch Rache zu nehmen.

 

Spieleindruck:

Wie man anhand dieser „kurzen“ Story-Einführung schon erahnen kann, die Geschichte von Deus Ex: Human Revolution ist ausufernd. Gute Voraussetzungen für ein spannendes Game, birgt aber auch die Gefahr, dass das Ganze sehr textlastig und langatmig ausfällt. In Human Revolution gibt es definitiv sehr viele Dialoge und noch viel mehr Texte zu lesen. Dass uns diese aber dennoch nicht allzu schnell langweilen und wir nicht ziemlich bald dabei sind, nur noch den Button zu drücken, um die Dialoge zu skippen, liegt an der unheimlich dichten Atmosphäre. Von der ersten Sekunde werden wir in eine düstere Geschichte hineingezogen, die uns an Blade Runner erinnert.

 

Metal Gear Solid trifft Mass Effect trifft Splinter Cell trifft Shadow Run

Ähnlich tiefgehend wie die Story ist auch das Gameplay von Deus Ex. Schleichen, Ballern und das Hacken von Computern sind unsere wesentlichen Hauptaufgaben im Spiel. Dazu kommt ein ausgeprägter Rollenspiel-Part. Das alles ist durchaus anspruchsvoll und nur bedingt intuitiv spielbar, allerdings ist die Dauer zur Eingewöhnung erfreulich kurz. Wer schon mal Metal Gear Solid oder auch Mass Effect gezockt hat, wird sich schnell zurecht finden. Wir erleben das Geschehen primär aus der Ego-Perspektive, wechseln aber auch immer wieder in die Third-Person-Ansicht, wenn wir hinter einer Mauer Deckung suchen. Während wir in den Gebäudekomplexen durch die Gänge schleichen, haben wir viel Zeit, einen näheren Blick auf den Look des Spiels werfen.

 

Karge Grafik sorgt für eine authentische Science-Fiction-Welt

Die Grafik in Deus Ex: Human Revolution ist sicherlich nicht die beste, die wir je gesehen haben. Wenn wir sie genau analysieren, wirken die Straßen, Gebäude und Räumlichkeiten der verschiedenen Schauplätze ziemlich karg.  Deus Ex beweist aber eindrucksvoll, dass es heutzutage weniger wichtig geworden ist, die größte Technik-Bombe am Markt zu sein. Essentieller ist, dass der Grafikstil der Unterhaltung dienlich ist.  Und da ist die kühle, sterile Präsentation absolut passend. Ein ähnliches Kunststück schafft Deus Ex beim subjektiven Umfang der Spielwelt.

 

Überschaubares Angebot an Schauplätzen, viele Stunden Spielspaß

Streng genommen gibt es gar nicht allzu viele Orte zu bereisen. Und selbst in den wenigen Städten finden wir uns schnell zurecht, da wir die überschaubare Anzahl an Straßenzügen bald abgelaufen haben. Dennoch werden wir für unzählige Stunden an den Controller gefesselt. Das Geheimnis liegt zum einen in der alten Deus-Ex-Tradition, dem Spieler immer verschiedene Optionen zu geben, sein Ziel zu erreichen. Je nachdem, ob wir lieber unauffällig vorgehen oder uns den Weg in Rambo-Manier freischießen wollen, haben wir stets diverse Routen offen. Und da Deus Ex: Human Revolution ein lupenreines Rollenspiel ist, können wir unsere Fähigkeiten entsprechend dieser Vorlieben aufleveln. Unsere Hacker-Fähigkeiten sind dabei besonders wichtig, wenn wir die ganze Atmosphäre von Deus Ex erleben wollen. Zum einen können wir mit den entsprechenden Skills Sicherheitsmechanismen aushebeln und sogar die Kontrolle über die Abwehranlagen übernehmen, sodass fortan Roboter und Selbstschussanlagen auf unserer Seite sind. Des Weiteren können wir uns aber auch in Computerterminals hacken und in privaten E-Mails lesen. An der Stelle kommt die tolle deutsche Übersetzung besonders zum Tragen, denn einen Großteil seiner dichten Atmosphäre zieht Human Revolution aus diesen sehr authentisch geschriebenen Nachrichten – zudem ist das Lesen für eine nicht unerhebliche Masse an Spielstunden verantwortlich. Aber egal wie gut die Texte auch sind, erst der geniale Soundtrack macht die Cyberpunk-Welt perfekt.

 

Packende Soundkulisse à la Tron: Legacy

Der Soundtrack von Deus Ex: Human Revolution ist sicherlich bislang das absolute Highlight im Videogames-Jahr 2011. Die kühlen Elektro-Klänge unterstreichen die düstere Szenerie perfekt und sorgen immer für die richtigen Emotionen. Auch in diesem Punkt steht das Game einer Hollywood-Produktion in nichts nach.

 

Zusammenfassung


Pro:

 

+ Genialer Soundtrack

+ Spannende Story

+ Komplexes Gameplay

+ Gutes Handling

+ Sehr umfangreich (wenn man alle Nebenmissionen und Hacking-Aufgaben mitnimmt)

+ Optionale Lösungswege

+ Guter Rollenspiel-Part

+ Sehr gute, authentische Dialoge und professionelle Sprecher (auch in der deutschen Version!)

+ Stimmungsvoller Grafikstil…

 

Contra:

 

– …allerdings ist Grafik genau genommen recht karg

– Gameplay bedarf etwas Eingewöhnungszeit (für Casual Gamer weniger geeignet)

– Relativ wenig Locations

– Story entfaltet sich deutlich linearer als Deus Ex 1

 

Fazit:

Eidos Montreal ist ein eindrucksvoller Reboot der Deus-Ex-Serie gelungen. Zumindest kann man nur hoffen, dass Human Revolution nicht der letzte Teil der Reihe ist. Dem Action-RPG gelingt der Drahtseilakt zwischen dem Ur-Deus-Ex-Feeling (inklusive alternativer Lösungswege) und einem modernen Gameplay, bei dem der Hauptaugenmerk auf guter Unterhaltung liegt. Das Game bietet eine spannende Geschichte voller Intrigen, sehr gute Dialoge und einen genialen Soundtrack. In Kombination mit der guten Spielbarkeit ist Deus Ex: Human Revolution ohne Zweifel eines der besten Spiele dieses Jahr!

Pascal Scheib

KEINE KOMMENTARE

Kommentar verfassen