Destroy All Humans! Der alte Charme einer Alieninvasion

Destroy All Humans! Der alte Charme einer Alieninvasion

Wenn das hier Aliens lesen: Ich bin auf eurer Seite!

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Eines muss man THQ Nordic lassen: Sie haben das Sommerloch mit alten Klassikern gut gestopft. Zunächst Saints Row 3 Remastered, dann das SpongeBob-Remake. Und dann war da noch mein „Hai-Light“ Maneater, das mich ebenfalls vom Spieldesign her an die alten Gaming-Tage auf der PlayStation 2 erinnerte. Wer aber dachte, dass ein Hai-Simulator / Unterwasser-Rollenspiel die bizarrste Produktion aus dem Hause THQ Nordic wäre, der hat noch nicht Destroy All Humans! gespielt.

SLEAZE + Destroy All Humans
Entweder auf die harte oder die harte Tour!

Was eigentlich ein PS2-Xbox-Klassiker war, erscheint nun mit aufpolierter Grafik und neuen Gameplay-Inhalten auf aktuelle Plattformen. Nun schauen wir, ob der Sprung in die Gegenwart geklappt hat.

Hommage an alte Filmklassiker

Destroy All Humans! strotzt nur so vor Vorurteilen. Angelegt an Alien-B-Movies aus den 50ern und 60ern infiltrieren wir selbstverständlich die USA, werfen dort mit Kühen durch die Gegend und begegnen den stereotypischsten Amis dieser Zeit.

Da es sowohl in unserem als auch im Interesse der Amerikaner ist, eine Alien-Invasion zu vertuschen, wird im Spiel immer wieder den Kommunisten die Schuld gegeben. Mit vielen Klischees und eine guten Dosis Selbstironie schafft es Destroy All Humans!, mich immer wieder zu unterhalten und spätestens, wenn ich mit meiner Analsonde in den menschlichen Körper eindringe und so an Gehirnstämme komme, kann ich mein kindisches Grinsen auch nicht mehr verstecken.

Bedrohte Spezies

Die Alien-Rasse Furon vom gleichnamigen Planeten sucht auf der Erde nach einem Heilmittel für ihr Aussterben. Denn Furonen können sich aufgrund einer Mutation nicht mehr fortpflanzen. Dafür fehlen ihnen – wie Imperator und Auftraggeber Orthopox uns zu Beginn erklärt – die nötigen Genitalien. Bedeutet: Sie greifen auf Klontechnologie zurück. Dabei geht aber Stück für Stück ihrer DNS verloren. Da Furonen einst auf der Reise durch das Universum die Erde besucht und sich mit den Menschen gepaart haben, steckt irgendwo in der menschlichen DNS die Lösung für das Problem.

SLEAZE + Destroy All Humans
Ihr könnt schöne neue Skins freischalten.

Wir übernehmen die Rolle von Cryptosporidium-137 (oder kurz: Crypto-137), ein pfiffiges und andauernd wütendes Kerlchen. Da unser Vorgänger-Klon auf der Erde abgestürzt ist, müssen wir herausfinden, was mit ihm geschehen ist und nebenbei so viele Gehirnstämme der Menschen wie nur möglich sammeln, um unsere Spezies zu retten. Dass sich Menschen nicht so einfach unterwerfen wollen, dürfte jedem klar sein. Also müssen wir zu härteren Maßnahmen greifen.

Alien-Knarren knallen halt härter!

Mit einer Vielzahl an Möglichkeiten können wir den Menschen unsere Dominanz beweisen. Tatsächlich erinnert das Gameplay größtenteils an eine abgespeckte und leicht hakelige Version von Control. Wir können entweder auf unsere Psychokinese zurückgreifen und Menschen, Tiere oder Gegenstände kräftig durch die Luft schleudern. Wobei das nicht immer so zielsicher funktioniert. Oder wir nutzen diverse Waffen, um jeden einzelnen Erdling zu vaporisieren. Da hätten wir die Zap-O-Matik, die einen Blitzstrahl auf mehrere Gegner verschießt, oder den Desintegratorstrahl, mit dem man alle Menschen niederbrennen kann, sodass nur noch Asche übrig ist. Wenn es brenzlig wird, können wir unseren flinken Schub einsetzen oder mittels Jetpack den Kampf auch aus der Luft forttragen.

Natürlich dürfen wir den Grund nicht vergessen, warum wir überhaupt auf dem Planeten Erde sind: Gehirrrne sammeln! Die können wir den Menschen ganz einfach entziehen, indem wir ihre Köpfe mit einem Tastendruck zum Explodieren bringen. Ja, dieses Spiel ist für Kinder.

SLEAZE + Destroy All Humans
Schockierend!

Als hochintelligente Alien-Rasse stehen uns auch gewitztere Wege frei. Wir können uns als ein Mensch ausgeben und uns in Hitman-Manier durchschleichen oder eine Person manipulieren, sodass sie uns folgt oder andere ablenkt. Und wenn wir doch bei einer außermenschlicher Aktion bemerkt, nutzen wir unsere „Vergessen“-Fähigkeit. Funktioniert genauso gut wie bei den Men in Black.

Apropos Men in Black. Neben Polizisten und der Armee macht uns auch eine geheimnisvolle Gruppe „Männer in Schwarz“ Probleme. Sie nennen sich Majestic und haben deutlich mehr Präventionsmaßnahmen getroffen als gewöhnliche Soldaten. Sie können beispielweise unsere Tarnung, nun ja, enttarnen und haben gefährliche Waffen, die unsere kurzfristig lahmlegen.

Das U in UFO steht für Unterdrückung

Welches Erste-Klasse-Alien hat keine fliegende Untertasse, um ganze Städte in Sekundenschnelle zu vernichten? Eben. In Destroy All Humans! können wir uns mit unserem UFO blitzschnell von Ort zu Ort bewegen und mit unterschiedlichen Waffen Häuser in Brand setzen, Autos zerstückeln oder ganz klassisch Kühe entführen. Neu hinzukommt eine Super-Waffe, mit welcher wir absurd starken Schaden anrichten.

SLEAZE + Destroy All Humans
So macht Städte zerstören Spaß!

Das ist aber auch nötig, denn die Menschen haben Panzer, Geschütztürme und sogar Mechs. Verfluchte Mechs. Während die Luftkämpfe hin und wieder herausfordernd sein können, bleibt das UFO-Gameplay aber recht einseitig: Zerstöre dies, zerstöre das! Und trotzdem ist das Fliegen und Feuern etwas zu kurz geraten. Grob geschätzt ein Fünftel des Spiels verbringen wir auch tatsächlich in unserem Alien-Schiff. Ich hätte mir etwas mehr UFO-Zeit gewünscht – natürlich mit mehr Abwechslung wie Zeitrennen, Geschicklichkeitsprüfungen usw.

Alien-Technologie in HD

Entwickler Black Forest Games hat sich bei der Neuauflage von Destroy All Humans! sichtlich ins Zeug gelegt. Es handelt sich hierbei um ein Remake, das von Grund auf mit der Unreal Engine 4 aufgebaut wurde. Dementsprechend sieht das Spiel auf Konsole und PC sehr farbenfroh aus und läuft zudem flüssig. Gerade die Lichter am Ufo oder an unserer Alien-Ausrüstung schauen ausgesprochen schön aus. Aber auch Cryptos Animationen kommen lebhaft rüber und generell gefällt mir sein aufpoliertes Design, vor allem die Tentakel-ähnlichen Saugnäpfe an seinem Hinterkopf. Die karikaturhaften Menschen sind gewöhnungsbedürftig, passen aber in diese neue Aufmachung von Destroy All Humans!

SLEAZE + Destroy All Humans
Black Forest Games hat ordentlich aufpoliert.

Lediglich die zwar kurzen, aber doch häufigen Ladezeiten zwischen und ab und zu in den Levels können manchmal die Geduld auf die Probe stellen. So häufig und nervig wie beim Saints Row 3-Remaster oder SpongeBob-Remake sind sie aber glücklicherweise nicht.

Alt trifft auf Neu

Das Spieldesign von Destroy All Humans! ist schwierig gealtert. Einerseits macht mir die stumpfe Alien-Komödie mit seinen Schießorgien viel Spaß und die Idee ist immer noch sympathisch und charmant wie damals. Leider erreicht das Spielkonzept schnell eine Eintönigkeit. Spätestens dann, wenn wir die vier gleichen NPC-Stimmen und dieselben Zeilen Text immer und immer wieder hören. Obwohl wir nach und nach neue Waffen und Upgrades für Crypto und das UFO freischalten können und unser kleines Bündel impulsiver Energie stärker und besser wird, bleibt das Kern-Gameplay zu simpel. Und anders als ein Jump ‘n Run motiviert mich diese Art von Spiel nicht über mehrere Stunden ohne große Abwechslung.

SLEAZE + Destroy All Humans
Ein kurzer Küstenspaziergang bevor weitere Menschenhirne gescannt werden.

Der Humor und die verschiedenen Standorte, die wir bereisen, machen einiges wieder gut. Wir sorgen für Ärger auf Farmen, in einer Küstenstadt, der Wüste Nevadas und einer Metropole. Auch wenn wir kein neues Areal im Remake zu erkunden haben, gibt es dutzende Herausforderungen abseits der Hauptstory. Und in jeder Mission können wir optionale Ziele ähnlich wie bei den alten Assassin’s Creed-Spielen versuchen zu meistern. Auch wenn ich diese „So hast du die Mission zu spielen!“-Herausforderungen noch nie mochte, können sie bestimmt den ein oder anderen motivieren. Black Forest Games hat auch eine alte Mission, die es nie ins ursprüngliche Destroy All Humans! schaffte, in die Neuauflage integriert. Das Studio fand damit einen guten Kompromiss zwischen altem und neuem Inhalt.

Etwas mehr wäre drinnen gewesen

Dennoch frage ich mich, warum man nicht noch einen Schritt weiterging. Man verbringt viele Missionen in ein und demselben Gebiet, bevor es zum nächsten Standort geht. Warum fügt man nicht die ein oder andere Mission in einem anderen Gebiet ein und schafft so etwas Abwechslung zwischen den 20+ Missionen? Und wo man jetzt so viele offen begehbare Orte hat, warum sie nicht interaktiver gestalten und mit mehr spaßigem Kram stopfen? Noch weiter gedacht: Es gibt eine Mini-Map, aber warum kein ganzes Kartenmenü, um einen Ort einfacher abzusuchen?

Destroy All Humans! ist trotzdem ein super umgesetztes Remake geworden und verspricht genügend Spaß für seine acht bis zehn Stunden Story und nochmal vier Stunden für die Herausforderungen. Aber Black Forest Games hätte sich ruhig noch etwas mehr trauen dürfen.

SLEAZE + Destroy All Humans
Ein kleiner Schritt für die Furonen.

Fazit

Ach ja, eine Alien-Invasion wird nie alt. Destroy All Humans! ist so charmant wie damals. Als bedrohte Alien-Spezies bleibt uns eben nichts anderes übrig, als bei den Menschen um Hilfe zu bitten, indem wir sie unterjochen. Der überspitzte Humor funktioniert auch heute noch. In über 20 Missionen vaporisieren wir jeden Erdling, der sich uns in den Weg stellt. Destroy All Humans! macht für seine durchschnittliche Spieldauer Spaß, auch wenn es ab und zu monoton erscheint.

Black Forest Games hat neue Gameplay-Inhalte ergänzt und mit einer hübschen Grafik eine gelungene Neuauflage eines Klassikers geschaffen. Dieses Remake dürfte alte Hasen sowie neue Spieler sicherlich erfreuen. Mir fehlte noch ein Stück mehr, um völlige Zufriedenheit zu erreichen. Trotzdem lohnt sich dieser Alien-Schinken. Und gerade jetzt im Jahre 2020 ist dieses Spiel vielleicht gar nicht so realitätsfern. Schließlich ist schon so viel passiert in den letzten Monaten, eine Alien-Invasion würde mich nicht mehr wundern.

Titel: Destroy All Humans!
Entwickler / Publisher: Black Forest Games / THQ Nordic
VÖ: 28. Juli 2020
Plattform: PlayStation 4, Xbox One und PC

Ich habe Destroy All Humans! auf der Standard-PlayStation 4 getestet.

San L

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