Der (un)verständliche Hype um Star Wars

Der (un)verständliche Hype um Star Wars

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Star Wars. Es gibt wohl kaum jemanden, der es nicht kennt. Das Coca-Cola der Film-Industrie. Fremde Planeten, merkwürdig aussehende Gestalten und summende Laserschwerter. Warum haben diese Filme eigentlich einen so unbändigen Kultstatus? Wir haben uns darüber mal Gedanken gemacht und sind auf eine ganze Reihe Gründe, Folgerungen und Fakten gestoßen. Und wir haben in der Redaktion einen Fan und einen Nichtfan gefunden, die ihre Sicht der Dinge gegenüberstellen.

SLEAZE.Star Wars.HoffnungDer erste Star Wars-Film „Krieg der Sterne“ kam 1977 in die Kinos. Die Mondlandung ist erst acht Jahre her und die Faszination des Weltalls auf die meisten Menschen unglaublich groß. Der Film mit seinen fabelhaften Welten, fremden Galaxien und scheinbarer Grenzenlosigkeit fasziniert und begeistert. Zum anderen sind die Filme wahnsinnig aufwändig produziert, haben die zu der jeweiligen Zeit neuesten Spezialeffekte und es steckt von allen Seiten wahnsinnig viel Mühe, Sorgfalt und Liebe darin.
Reicht das als Erklärung, warum Star Wars bis heute so erfolgreich ist, warum Kinder in der Grundschule heute noch wissen, wer Luke und Darth Vader sind? Eine Erklärung dafür sind, wie so oft, die Eltern. So wie wir bei dem Hype um beispielsweise Avatar ins Kino rennen, haben sie es natürlich auch bei Star Wars gemacht. Und genauso wie wir unseren Kindern Musik und Filme aus unserer Jugend zeigen werden, haben sie es uns gezeigt. Wir sind entweder drauf abgefahren oder haben es geschaut, weil es ein Film für Erwachsene war, wir Fernsehen durften oder weil die großen Geschwister gesagt haben, das wäre ein guter Film.SLEAZE.Star Wars.CloneWars

Maurin: Genauso war es bei mir. Mein toller, cooler, älterer Bruder – in allem mein Vorbild – hat immer mit Lego Star Wars gespielt und mich später genötigt, der schwache Jedi zu sein, den er mit seinem roten Plastiklaserschwert besiegen konnte. Also bevor ich überhaupt einen der Filme gesehen habe, wurde ich mit unzähligen Spielsachen konfrontiert. Bis heute bringt Lego mehrmals im Jahr ganze Sets von Raumschiffen raus, immer passend zum jeweiligen Kinofilm oder der aktuellen Animationsserie. Und es ist nicht nur das Spielzeug. Überall kann man Stifte, Geschirr oder Taschen mit Yoda, Darth Vader und die anderen Hauptfiguren finden.

Milena: Das ist mein aktuelles Problem mit Star Wars. Ich hab die Filme alle als Kind, bei meinem Papa auf dem Schoß sitzend, anschauen dürfen. Damals fand ich sie toll, weil sie ja eigentlich was für die Großen waren. Das jetzt aber überall Star Wars hängt, nervt mich schon wieder. Wenn ich auf meine kleinen Nachbarn aufpasse und wir die Kindersendung Pur + sehen, kommt im Abspann die Rubrik „Darth Vader Privat“. Die Kleinen haben Star Wars noch nie gesehen, aber es ist sofort klar, dass sie etwas mit dem Begriff anfangen können. Mich stört die Aggressivität, mit der man auf das Thema gestoßen wird. In Serien wie „How I Met Your Mother“ oder „The Big Bang Theorie“ wird das Kinderprinzip dann auf Jugendliche und Erwachsene projiziert und es funktioniert auch noch. Aus Kult wird Mainstream genauso wie aus dem Nerd-Schema plötzlich coole Hipster wurden, die jetzt alle wahnsinnig auf Star Wars stehen, weil es eben zum Image passt. Mit dieser Entwicklung kann ich mich einfach nicht identifizieren, was wohl meine Begeisterung für die Filme nach und nach zerstört hat.

SLEAZE.Star Wars.DuellMaurin: Ich bin zwar auch der Meinung, dass die Filme ein bisschen in den Hintergrund geraten durch diese Omnipräsenz, aber es ist auch beeindruckend. Es ist mittlerweile echt schwierig, einen Tag zu erleben, ohne „Ich bin dein Vater“ aufzuschnappen. Egal ob auf einem T-Shirt, in einer Parodie oder einem Werbespot. Ich muss aber zugeben, genau diese Präsenz hat Star Wars auch bei mir zu Hause. Ich habe fast alles gekauft, von Kalendern über Sticker bis zu irgendwelchen Staubfängern. Auch bei der Madame Tussauds-Ausstellung, die derzeit in Berlin läuft, stand ich kurz nach der Eröffnung schon neben Wachs-C3PO. Ich finde es einfach schön, etwas mit dem ich so viele Erlebnisse verbinde, immer dabei zu haben. Wie viel Einfluss die Medien und die vermutlich sehr clevere Marketing-Abteilung dabei auf mich haben, ist schwer zu sagen. Ich behaupte gerne, das habe ich alles von meinem Bruder. Doch genau das macht vermutlich einen Teil der Faszination aus, von der die Star Wars-Maschinerie profitiert. Die Eltern sehen, dass ihre Kinder sich mit etwas beschäftigen, dass sie auch schon toll fanden. Und da früher ja sowieso alles besser war, wird das auch unterstützt.

Milena: Und genau das ist der Knackpunkt. Die Merchandise Artikel werden gekauft, Star Wars ist überall und zieht sich damit selber durch den Dreck. Die Sachen werden immer abstruser. Wer braucht eine Darth Vader-Keksdose in Form einer Büste auf dem Schreibtisch, eine Laserschwert-Grillzange, die auch noch Geräusche macht, oder einen R2D2-Eierbecher mit Deckel? Klar sind das lustige Gadgets, aber bei mir sorgt diese Massenkonsumhaltung für Widerstand. Ich denke, man muss da der Typ für sein. Während ich mir immer die Frage stelle: „Wozu braucht man das?“, verbindest du Erlebnisse oder Erinnerungen damit. Die Filme dagegen sind nur noch Anhängsel der Werbekampagnen. Es ist hip und witzig, ein paar Star Wars-Sachen zu haben oder Leuten wie Sheldon und Leonard im Fernsehen dabei zuzusehen, wie sie sich in die Materie hineinsteigern.SLEAZE.Star Wars.LukeDroiden

Maurin: Mit den Merchandise-Artikeln sehe ich das nicht so streng wie du. Bei mir ist es eher so: Wenn ich die Wahl habe zwischen einem R2D2-Salzstreuer und einem normalen, greife ich lieber zum Star Wars-Produkt. Das ist bei mir aber nicht nur bei dieser Filmsaga so, sondern ich kaufe mir einfach allgemein gerne Dinge mit bekannten Gesichtern oder Slogans drauf. Auffällig ist eben, dass es meist nur Star Wars-Artikel in gewöhnlichen Läden gibt.

Milena: Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass trotz des oberflächlichen Trubels um Star Wars in keinem Klassenzimmer oder Büro der Welt jemand noch für voll genommen wird, wenn rauskommt, dass er gerne verkleidet auf Conventions fährt. Dieser Jemand, der wahrscheinlich schon wirklich lange Fan ist, muss sein Hobby trotzdem noch vor der breiten Masse geheim halten, aus Angst, verurteilt zu werden. Hier sehe ich die Logik einfach nicht mehr. Bis zu welchem Grad ist das Fan sein gesellschaftlich akzeptiert und ab wann nicht mehr? Aus einer Filmreihe werden plötzlich tiefer gehende Fragestellungen für das alltäglich Leben und den Umgang miteinander. Um die Filme an sich dreht es sich dabei doch schon lang nicht mehr.

Maurin: Ich glaube nicht, dass Leute, die verkleidet zu Comicmessen oder Conventions gehen, nicht mehr ernst genommen werden. Eher das Gegenteil, denn Serien wie The Big Bang Theory haben gerade dazu beigetragen, dass Veranstaltungen wie diese langsam im Mainstream ankommen. Vorher wussten viele nicht einmal, dass es so etwas gibt. Deshalb glaube ich nicht, dass die Akzeptanz das Problem ist, sondern viele Menschen wollen so sein wie die beliebten TV-Charaktere. Dazu gehört, sich genauso gut auszukennen mit Star Wars oder auch einen Sturmtruppler im Wohnzimmer stehen zu haben. Damit einher geht auch das Phänomen, dass jeder die Filme gesehen haben muss. Ansonsten verstehst du die vielen Anspielungen nicht, gehörst vielleicht nicht dazu oder hast Angst etwas zu verpassen.

Wie wir hier sehr gut sehen können, gibt es nicht nur zwei Lager: Star Wars-Junkies und Star Wars-Ablehner. Dafür ist das ganze Universum rund um die Fantasy-Saga einfach zu groß geworden. Es hat sich zwar etabliert, dass jeder die Filme mal gesehen haben muss und diese so etwas wie Allgemeinbildung sind, doch trotzdem muss man sie nicht kennen, um Fan zu sein.

Durch permanente Präsenz in den Geschäften, im SLEAZE.Star Wars.ImperatorFernsehen und bald auch wieder im Kino kann jeder Star Wars-Experte sein. Um Filmzitate wiederzugeben, muss man nur einmal in den ProSieben-Seriennachmittag reinschalten oder den nächsten Milchschnitte-Spot verfolgen. Die permanente Konfrontation sorgt dafür, dass Star Wars nie aus den Köpfen der Menschen verschwindet. Sie waren jahrelang Kult aufgrund der technisch revolutionären Umsetzung und einer Geschichte, die irgendwo zwischen Märchen und Action liegt. Die Spielzeugindustrie und gewisse TV-Formate haben dafür gesorgt, dass Star Wars immer neu definiert wird und deshalb war es nur eine Frage der Zeit, bis Krieg der Sterne es in den Mainstream schafft.

Erstaunlich dabei ist, dass auch die Anhänger, die schon Fans waren, als der Hype noch nicht so extreme Züge angenommen hatte, noch mit vollem Herzen mitmachen. Vielleicht sind der Mond Endor oder auch der Jedi-Tempel eine Art Rückzugsort für extreme Weltraum-Verehrer um der Realität zu entfliehen. Zwar gibt es viele Filmuniversen mit Helden, Schurken und Gut gegen Böse, doch keine Saga vereint so viele Motive auf so konzentrierte Weise. Es gibt starke Protagonisten, die aus einfachen Verhältnissen kommen und trotzdem großes vollbringen. Sie alle haben weise Mentoren und dazu gibt es starke Frauen, die schlau sind und Pläne schmieden können. Dann gibt es Han Solo, der komplett aus dem Raster fällt und immer zwischen Wahnsinn, Moral und Gerechtigkeit schwebt. Jeder sieht hier seinen Traum verwirklicht, wenn dies in der realen Welt nicht möglich sein sollte. Alles basiert auf einer Prophezeiung, coole Waffen gibt es, Diskussionen über Politik und auch die Liebe kommt nicht zu kurz. Erschreckend ähnlich sind manche Handlungsstränge auch der Bibel. So wurde Anakin geboren, ohne dass es einen Vater gibt. Auch das Wort „Auserwählter“ fällt öfter. Selbst die Jedi ähneln Priestern, da sie enthaltsam leben müssen. Da liegt es nahe, dass der Wind (oder besser Hurricane) um Krieg der Sterne fast die Dimensionen einer Religion annimmt.

SLEAZE.Star Wars.TheForceAwakensJetzt, nur wenige Wochen vor dem Kinostart des neuen Teils der Saga, gibt es Schätzungen, dass Star Wars – The Force Awakens möglicherweise der erfolgreichste Film aller Zeiten werden könnte. Wir sind – teilweise – gespannt.

Maurin & Milena

 

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