Der Sinn des (K)Lebens: Sticker

Der Sinn des (K)Lebens: Sticker

TEILEN

Obey für die Obama-Kampagne
Obey für die Obama-Kampagne

Wir schreiben das Jahr 1989. Shepard Fairey schlendert durch die Straßen New Yorks: Überall Werbung, so weit das Auge reicht. Doch im Schatten der Riesenbildschirme des Times Square erscheint eine Gegenbewegung: David gegen Goliath – das Kleine gegen das Große. Das ist Shepards Idee. Und so kleistert er die ganze Stadt mit Stickern zu. Er mausert sich zu einem der renommiertesten Street-Art-Künstler unserer Zeit: Obey wird er genannt. „Shepard wollte die Leute weg von den stumpfen Botschaften bringen.“, erzählt Stickermuseumsgründer Oli Baudach über den Wandel, den Shepard Fairey in die Stickerkunst brachte. Aber Oli erzählt uns nicht nur von Obey, er führt uns durch das unendliche Universum der Klebekunst.

Erst einmal führt er uns aber durch sein Stickermuseum Hatch:

Oli Baudach im Museum
Oli in seinem Museum

Viele verschiedene Exponate zieren hier in schwarzen Bilderrahmen die Wände. Die Ausstellungsräume in Berlin haben nur wenige Besucher, aber Oli ist für jeden einzelnen da. „Das ist ein Herzblutprojekt.“, spricht er. Viel Geld würde er nicht einnehmen. Er betreibt zusätzlich einen Onlineshop, um das Museum überhaupt am Leben zu halten. Seine Sammlung zählt um die 30.000 Sticker, davon etwa 4.000 ausgestellt.

Ein von Oli gestalteter Sticker
Ein von Oli mitgestalteter Sticker

Oli sammelt schon seit über 30 Jahren und viele Künstler schicken ihm neues Material. Er selber ist hingegen verhalten: „Ich würde nicht sagen, dass ich Stickerkünstler bin, da ich da auch nicht sehr viel Talent habe… Ich habe aber ab und zu ’ne gute kreative Idee.“ Er würde nur welche für das Projekt gestalten.

Damit weicht er nicht von der eigentlichen Idee der Sticker ab; sie als Werbematerial zu nutzen: „Der Ursprung der Sticker liegt klar im Kommerz. Ich lernte so Sticker ebenfalls kennen.“ erzählt er und beschreibt, wie er schon mit 13 Panini-Hefte zugeklebt habe. Diese stehen auch in einer Glasvitrine des Stickermuseums.

u.a. Werbesticker in einer Vitrine des Museums
u.a. Werbesticker in einer Vitrine des Museums

Oli will „abbilden, was auf der Straße passiert“ und dazu gehöre ebenfalls der Kommerz. Auf der Vitrine steht ein uralter Reisekoffer seiner Familie. „Spuckies“ heißt das Klebpapier, das ihn schmückt und wie eine Briefmarke erst angeleckt werden musste. Es fand schon in den 20er Jahren Verwendung.

Die ersten „Leckis“ sind Werbebotschaften von Hotels oder Reiseorten
Die ersten „Spuckies“ sind Werbebotschaften von Hotels oder Reiseorten

Von der weiteren Entwicklung erzählt unsere Bildergalerie…

Oli entwickelt sich natürlich ebenfalls weiter: Gerade noch initiierte er ein Charityprojekt für die Skateboardschule in Afghanistan. Skaten ist eine der wenigen Sportarten, die Mädchen und Jungs dort gemeinsam ausüben. Verschiedene Künstler bemalten für das Projekt ähnlich wie Andy Warhol riesige Heinz-Bohnendosen.

Designed von Prost Berlin
Designed von Prost Berlin

Aber neben dem Charityprojekt organisiert Oli derzeit eine Ausstellung zur Stickerkunst: „Mit ein bisschen mehr Zeit und Möglichkeiten werden Ursprünge gezeigt und die verschiedenen Thematiken und Künstler präsentiert.“ Zudem will er ein Buch über seine Leidenschaft schreiben. An Zeit mangele es ihm aber, denn alleine besitzt er viele Visionen – kann sie aber schwer umsetzen. Deswegen sei er froh über jeden, der ihm helfe, Sticker vorbeizubringen oder sonst irgendwie das Projekt pushen.

Besucher in einem der Räume
Besucher in einem der zwei Räume

Für jeden übrigen Groschen schafft er sich nämlich neue Bilderrahmen an – für noch mehr Sticker. Und so kreiert er einen kleinen Kunstort mit noch kleineren Exponaten mitten im Herzen Berlins.

Wer vorbeikommen möchte:
Hatch Sticker Museum
Schreinerstraße 10
10247 Berlin
Do – Sa: 12 – 18 Uhr

Lisbeth
Genehmigung der Bilder: Oli Baudach

KEINE KOMMENTARE

Kommentar verfassen