Der rollende Briefkasten

Der rollende Briefkasten

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Dreamteam?
Dreamteam?

smart hat sich mit DHL – Achtung, Wortspiel – zusammengepackt, um die Paketlogistik zu revolutionieren. Ich weiß, ein großes Wort, aber die Idee, Autos also große Brief- bzw. Paketkästen zu nutzen, ist mehr als genial.

Mittels einer App und einer im Wagen installierten Box wird dem Paketzusteller erlaubt, auf den Kofferraum des in der Öffentlichkeit geparkten smarts zuzugreifen. Er kann den Wagen öffnen, die Ware zustellen, und praktischerweise danach auch wieder verschließen. Ganz simpel. Für den Empfänger entfällt das ewige Warten und Hinterherrennen (und Verfluchen des Postmenschens), wenn das Paket mal wieder sonstwo abgegeben wurde. Für DHL kann es so leicht ein Imagegewinn geben, wenn wegfällt, dass Zusteller angeblich niemanden antreffen oder das schwere Paket für Omi im Nirwana abgeben. Außerdem kann es logistisch günstiger sein. Die staufreie Nachtzustellung ist ebenso möglich wie eine fast 100%ige Zustellung. Und smart – wird seinem Namen mal wieder gerecht, eine pfiffige Lösung seinen Kunden als Erster angeboten zu haben.

Die S(esa)mart-öffne-dich-Box
Die S(esa)mart-öffne-dich-Box

Davor gibt es noch einiges zu tun.

Die Probleme liegen im Detail. Abgesehen davon, dass man zurzeit noch kein Surfbrett bestellen sollte, wenn das Paket im smart zwischengelagert werden soll. Den Meisten wird wahrscheinlich etwas mulmig, wenn fremde Leute ihren Wagen öffnen können. Handelt es sich um komplett abgeschlossene Kofferräume, sind die Möglichkeiten noch eingeschränkt. Aber bei den vielen Wagen, wo man über den Kofferraum auch in den Fahrerkabine gelangt, wird es psychologischer. Für die meisten Autofahrer ist diese Kabine nämlich so etwas wie die eigene Wohnung. Und wer schon mal überlegt hat, sich eine Putzkraft zu nehmen, wird wissen, wie hin- und hergerissen man ist, fremde Menschen in seine heiligen vier Wände zu lassen.

Dazu kommt ein anderes Sicherheitsrisiko. Autoeinbrüche könnten sich verstärken, wenn man die gelb-rot-leuchtenden Glühwürmchen bei der Zustellung sieht. Vielleicht wird es daher in Zukunft sogar Zivilzusteller geben? Die dann verprügelt werden von wütenden Autobesitzern, die die Situation falsch einschätzen? Um Probleme wie diese zu beheben, haben smart und DHL ab sofort die Beta- (oder in schönstem Schwäbisch: Bätta-)Phase eingeläutet. Dabei sollen Fragen evaluiert werden, ob der Kunde bereit ist, für die Box im Auto zu zahlen. Oder wie man das Zustellgebiet ausweiten kann, da bisher nur eine Adresse beliefert werden kann. Gerade dieser Punkt ist heikel, widerspricht er zum Einen der Ausweitung der Flexibilität. Auf der anderen Seite ist es schwierig für die Logistik, einen beweglichen Briefkasten der richtigen Auslieferroute zuzustellen. Man wird in Zukunft also wohl mehrere Adressen wie Arbeitsplatz, der neue Flirt, am Samstag von 10 – 16.00 auf Omas Bauernhof usw. angeben können.

Womit wir beim dem heiklen Thema Datenschutz wären. Ähnlich wie Kreditkartenabrechnungen kann Parken ein sehr genaues Profil erstellen. Klar, wir werden eh schon rund um die Uhr getrackt, aber das würde damit noch ausgebaut. Das wird hierzulande nicht jedem gefallen.

smart-Chefin Annette Winkler wie immer voller Energie.
smart-Chefin Annette Winkler wie immer voller Energie.

Als weiteres Manko wäre auch zu nennen, dass man diesen Service vorerst nur bei (Online-)Bestellungen nutzen kann. (Eine Liste mit Partnern findet sich hier.) Private Paketsendungen muss man weiterhin wie gewohnt empfangen bzw. abholen. Aber das wird mit dem so gut wie sicheren Erfolg dieser Idee sicher bald ändern. Und so wie man bei Car2Go inzwischen auch mit einem Mercedes CLA (und angeblich auch GLA) fahren kann, wird man sicher auch irgendwann sein Surfbrett XXL auf diesem Weg bestellen können, wenn diese Idee auf Wagen mit einem etwas geräumigeren Kofferraum übertragen wird.

danilo

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