Operation Avalanche: Der Mond-Fake

Operation Avalanche: Der Mond-Fake

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Nein, den Mond gibt es wirklich, keine Sorge. In der Mockumentary Operation Avalanche geht es vielmehr um die erste Mondlandung 1969 durch die USA und die Frage, ob diese Landung möglicherweise gefaket gewesen ist (oder vielleicht auch alle Mondlandungen, wer weiß!) Ganz klar: Operation Avalanche bewegt sich im Bereich der Verschwörungstheorien.

„Da gehst du hin, und dann machst du Geschichte!“: Faker bei der Arbeit

Aber mal ganz langsam, was sind die realen Hintergründe? Zum Einen gab es einst, lange vor dem 11. September und „religiösen“ Terroristen etwas, das sich der Kalte Krieg nannte. Und da lag die Sowjetunion im Jahr 1967, als Operation Avalanche einsetzt, ziemlich gut im Rennen. Die Kuba-Krise war noch nicht lange her, im Weltraumwettrennen, dessen Gipfel die Mondlandung war, hatten die sowjetischen Kosmonauten vorgelegt: 1957 Sputnik, der erste Satellit, der einen äußerst bedrohlichen Piepton zur Erde sendete, dann mit Juri Gagarin der erste Mensch in der Umlaufbahn.

Deshalb setzten die USA alles daran, zumindest den Wettlauf zum Mond zu gewinnen. Außerdem hatte John F. Kennedy in einer großen Rede 1962 erklärt, dass die USA bis zum Ende des Jahrzehnts einen Mann auf den Mond bringen werden. Auch dieses Versprechen des ja zum Zeitpunkt 1967 inzwischen ermordeten Präsidenten wollten die USA unbedingt erfüllen.

„Die Reflexionen machen wir dann in der Post weg.“

Operation Avalanche geht nun so los, dass ein Team junger CIA-Agenten sich als Dokumentarfilmer bei der NASA ausgibt, um dort einen russischen Spion zu finden. Sie filmen und interviewen alle Mitarbeiter und starten andere nachrichtendienstliche Arbeiten. So verwanzen sie beispielsweise auch NASA-Telefone und hören seitdem mit.

Operation Avalanche ist dabei eine ganz typische und sehr sympathische Mockumentary: Mit oft verwackelten und hektischen Handkamera-Einstellungen, sehr direkt, die Darsteller blicken immer wieder in die Kamera, deren Existenz ja auch, anders als sonst, zugestanden wird. Und Operation Avalanche ist echt lustig! Denn die jungen CIA-Leute sind keine bierernsten Agenten alter Schule, sondern bringen frischen 60er-Jahre-Wind in die Behörde. Vorgegangen wird scheinbar nach dem Chaos-Prinzip, doch auch durchaus mit Erfolg. Die 60er kommen dabei exzellent rüber. Durch den Einsatz zeittypischer Filter und künstlich gealtertem Bildmaterial, doch auch in Kostümen und Kulissen. Auch der Soundtrack passt. Gerade für solch ein historisches Thema eignet sich der Mockumentary-Stil hervorragend, da sich Originalaufnahmen von damals nahtlos in das künstlich gealterte und eh schon nach der damaligen Zeit aussehende Filmmaterial einpassen lassen. Du wirst als Zuschauer also nie merken, wenn der Film beispielsweise zwischen einer originalen Fernsehsendung aus den Sechzigern und einem frisch gedrehten Stück Film von heute wechselt. Und so wird die historische Illusion perfekt.

Naja, perfekt mal abgesehen von der wahnsinnigen Story. So z.B. Regisseur und Hauptdarsteller Matt: Seine Rolle, die im Film auch Matt heißt, ist so was von besessen, hat immer einen irren Blick drauf, bei dem man eigentlich jedesmal loslachen muss, wenn er in die Kamera guckt. Auch verwanzt er unter anderem das Telefon seines Partners, um schlüpfrige Privatgespräche zwischen dem und seiner Flamme abzuhören. Das ist gut und unterhaltsam.

Wer zuerst kommt, malt zuerst!

Aber zurück zur Story: Die Agenten hören irgendwann zufällig ein Gespräch zwischen zwei hohen NASA-Tieren ab, und in jenem platzt die Bombe: Die USA haben technisch noch gar nicht die Möglichkeit, auf dem Mond zu landen, zumindest nicht innerhalb des Zeitplans. Das wäre eine richtige Katastrophe: Das Erbe JFKs beschmutzt und die Russen würden eventuell noch diesen Wettlauf gewinnen. Gar nicht gut! Also fangen die jungen Agenten an, die Mondlandung zu faken. Wie macht man das? Nun, man muss nur einen ausreichend überzeugenden Special-Effects-Film produzieren. Die Fernsehzuschauer auf der Erde sehen das Ganze ja eh nur in der Glotze. Diese Bemühungen machen den größten Teil von Operation Avalanche aus und sollen hier auch gar nicht weiter gespoilert werden – schau’s dir selbst an!

Ein kleiner Schritt für einen Schauspieler, ein großer Fake für die CIA?

Und, waren sie jetzt auf dem Mond oder nicht?

Spielt das überhaupt noch eine Rolle? Mittlerweile muss man ja wirklich sagen: Selbst wenn das Ganze gefaket gewesen sein sollte, hat es funktioniert. Wäre die Welt heute eine andere, wenn alles anders gelaufen wäre, wenn die Sowjets zuerst da oben gewesen wären? Wer weiß, das ist alles reine Spekulation. Tatsache ist aber, dass, gerade seit Aufkommen des Internets, Verschwörungstheorien zuhauf über diese Story kursieren. Und die Theoretiker werfen einige Fragen auf (Warum sieht man keine Sterne? Was macht die Nummer auf dem Stein? Und und und). Überzeugen diese Einwände wirklich? Das können wohl am ehesten noch Physiker oder Spezialeffekt-Experten beurteilen. Einige Dinge kommen einem bei der ganzen Geschichte schon merkwürdig vor, zum Beispiel die schlichte Tatsache, dass ja Kennedy den Amerikanern bis zum Ende des Jahrzehnts Zeit gab, den Mond zu erreichen, und die tatsächliche Landung dann im Sommer ’69 stattfand, also zum letztmöglichen Zeitpunkt. Zufall? Auch die in Operation Avalanche vorkommende CIA ist ja nicht gerade als Unschuldslamm bekannt, um es mal ganz, ganz vorsichtig und mit ganz viel Understatement auszudrücken!

Ganz besonders sympathisch an Operation Avalanche fand ich jedoch, gerade aufgrund solcher oft hitzig geführten Debatten, dass sich der Streifen selbst nicht zu ernst nimmt. Zwar wird schon ziemlich realistisch gezeigt, wie man die Landung hätte faken können, aber Operation Avalanche setzt dir zu keinem Zeitpunkt die Pistole auf die Brust und will dir eintrichtern, dass es auf alle Fälle hundertprozentig so gewesen ist. Dafür ist der Film zu locker, die Story zu abstrus, die Agenten irgendwo doch nicht ernsthafte Agenten genug. Und dass Operation Avalanche in dieser Hinsicht verspielt ist, tut gut. So gleicht das Ganze eher einem Gedankenexperiment als einer Indoktrinierung wie etwa Oliver Stones JFK, der ja eben viel ernster die andere große mögliche Verschwörung der 60er Jahre behandelt, eben die Ermordung Kennedys.

Für Fans von: 5 Zimmer Küche Sarg, Stromberg / The Office, Trailer Park Boys und für alle Aluhut-Verschwörungsnudeln.

Robert

Titel: Operation Avalanche
Regie: Matt Johnson
Laufzeit: 94 Min.
VÖ: 13.1.2017 (Blu-ray, DVD, VoD)
Verleih: Ascot Elite Filmverleih

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