Der Katzenjammer des schwarzen Panthers

Der Katzenjammer des schwarzen Panthers

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Marvel hat es geschafft. Die internationale Kritik überschlägt sich aktuell vor Lob für den inzwischen achtzehnten Kinofilmableger aus dem Marvel Cinematic Universe (MCU): Black Panther. Der Hype ist da und wieder einmal beansprucht das Comic-Haus einen großen Teil der öffentlichen Wahrnehmung absorbierend für sich. Zum einen avancierte das MCU seit seinem Debüt mit Iron Man vor zehn Jahren zur gigantischen Marke. Jeder Spot, Teaser, Trailer und selbst Set-Fotos versetzen ihre Anhänger in tagelange Trance. Denn die Marke hat es geschafft, den öffentlichen Diskurs und die pure Auseinandersetzung mit ihren Werken dermaßen zu verzerren und in den großen Franchise-Kontext zu pressen, dass auch der völlig platte Black Panther bei allem kolportierten Schwarzen-Fokus als strahlender Pionier des Superhelden-Kinos ins öffentliche Rampenlicht gedrückt wird. Dass es sich bei dem Film um nicht mehr als ein ungemein konformes Produkt handelt, dessen Regie erneut vom Autopiloten Marvels übernommen wurde, scheint dabei ignoriert oder gar nicht mehr erst erkannt zu werden.

Es reicht einfach nicht

Denn nein, es reicht nicht, von einem Lande namens Wakanda zu erzählen, wenn man nichts zu erzählen hat. In diese isolierte, technologisch überaus fortgeschrittene Nation Afrikas kehrt T’Challa aka Black Panther (Chadwick Boseman) nach dem Tod seines Vaters, dem König, der Übernahme des Throns wegen zurück. Doch in Form des Exilanten Erik „Killmonger“ Stevens (Michael B. Jordan) sowie des südafrikanischen Verbrechers Ulysses Klaue (Andy Serkis) sieht er sich einer Verschwörung gegenüber. Und genau davon erzählt Fruitvale Station-Regisseur Ryan Coogler durch das Ablaufen bekannter Plot-Etappen überaus uniform, überraschungslos und somit einschläfernd.

SLEAZE + Black Panther
Black Panther ist wütend auf Marvel, weil es sein Land so schlecht rüberbringt (oder so ähnlich)

Wakanda bleibt ein furchtbar uninteressantes Stück fiktives Land, für das sich vor allem die Marketing-Strategen des großen Franchises zu interessieren scheinen. Wieder ein zusätzlicher Ort, der die Superhelden-Blase bis an die Grenze ihres Zerplatzens ausdehnt. Es ist, als hätte Ryan mit seinem Schreibpartner Joe Robert Cole Afrika- mit Zukunftsmotiven vermengt, ohne ihnen irgendeinen emotionalen, inneren Zusammenhang zu geben.

Nein, es reicht nicht, von einem Lande namens Wakanda zu erzählen, wenn wir über etwas mehr als zwei Stunden klischee-mäßig schwarze Menschen in bunten Kostümen sehen, die Speere während royaler Inaugurationsrituale in den Boden rammen und denen wir ansonsten nur dabei zuschauen, wie sie sich in oberflächlichem Geschwätz ergehen. Denn innere wie äußere Spannungen, sei es in den einzelnen Charakteren oder etwa unter den verschiedenen Stämmen Wakandas, gibt es hier nur im behauptenden, ausgestellten Dialog. Sie haben genau dann Bedeutung, wenn sie die bekannten Erzählstationen um einen zweifelnden König – vom unfreiwilligen Absetzungscoup bis zur kämpferischen Rückkehr – dient.

Wakanda sollte Wackanda heißen

Wakandas Innenleben verpufft nämlich somit selbst zu undurchlässiger Kulisse, deren computergenerierte Panoramen und nicht mehr als alibihafte Kurzaufnahmen seiner Bewohner zusätzlich dafür sorgen, ein tieferes Abtauchen in eine fremde Welt zu verhindern. Im Wesentlichen zirkuliert die final konsequenzlose Geschichte um das Spiel der Mächtigen, weshalb denn auch mehr Zeit darauf verwendet wird, sie in hauseigenen Thronsälen oder Laboratorien sowie zeremoniellen Austragungsstätten abzufilmen statt sich seinem eigens auferlegten Handlungsort hinzugeben.

Wakanda verkommt so zum gefühlslosen, toten Ort ohne Eigenleben. Es entsteht nie ein tieferes Verständnis bzw. Gefühl für dieses uns unbekannte Land. Dazwischen spult Marvel – Ryan sei hier ausdrücklich nicht erwähnt, denn Regisseure spielen seit jeher keine visionäre Rolle im MCU – sein bekanntes Wiederholungsprogramm aus zehn Jahren ab: Unübersichtlich gefilmte wie körperlos choreographierte Kampfsequenzen treffen auf nicht minder stümperhafte Comedy-Momente, die nur noch da sind, um da zu sein. Weil es die Formel befiehlt. Sie entstehen nicht aus irgendeinem inneren Zusammenhalt einer ohnehin abstinenten Idee, sondern der reinen Checkliste wegen, ganz gleich, wie unpassend und unzählige Male zuvor dies in dieser Form bereits abgehakt wurde. So degradiert sie auch den von Andy Serkis verkörperten, aufgedrehten Schurken Ulysses Klaue zum schlechten Witz, der über ein Dasein als fleischgewordener, scherzhafter Selbstzweck nicht hinauskommt.

SLEAZE + Black Panther
Ohne Speer und Stammeslook kann Hollywood die Bewohner eines afrikanischen Landes offenbar nicht darstellen.

Die Formel befiehlt offenbar ebenso, dass jeder Marvel-Film potthässlich, da ungemein steril, aussehen muss. Den Impressionen fehlt jedwedes Leben und eine Eigenständigkeit, so als scheue sich die Kamera, angesichts der von aufdringlichem Studiolicht stimmungslos beleuchteten Kulisse überhaupt ihren Dienst aufzunehmen.

Und dennoch: Marvel hat es geschafft. Offenbar reicht es dann doch, in Zeiten von Black Lives Matter & Co. einen primär schwarzen Cast zu versammeln, deren Figuren sich überdies als das eigentlich fortgeschrittene Volk herausstellen, um die Filmwelt in kurzzeitige Aufruhr zu versetzen. Ganz gleich, wie leblos und formell dieser Ansatz auch umgesetzt sein mag. Ein Katzenjammer. Für das Kino. Und die Welt.

Alex

Titel: Black Panther
Kinostart: 15.02.2018
Dauer: 134 Minuten
Genre: Action, Abenteuer, Science-Fiction
Produktionsland: USA
Filmverleih: Disney

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