Der Horror-Herbst mit Halloween

Der Horror-Herbst mit Halloween

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Man kriegt es ja immer sofort mit, wenn wieder (Horror-)Herbst ist. Die Freibäder haben noch nicht einmal geschlossen, da sind die Supermärkte schon voll mit „herbstlichen“ Lebensmittelmutanten, die durch eine Perversion der Wissenschaft alle mit Äpfeln oder Kastanien gekreuzt wurden.

SLEAZE + Horror-Herbst Halloween
Michael in einer Sinnkrise?

In den Fußgängerzonen werden karrenweise Duftkerzen mit so ansprechenden Namen wie „Warm Cinnamon Evening“ oder „Autumn Amber Delight“ gestapelt, damit die Horden von geschmacklosen Igel-Figürchen und Plastiklaubblättern nicht so einsam vor sich hin öden. Und allem voran, der ungekrönte König der halbdunklen Jahreszeit, der Kürbis. Überall erblickt man sein orangefarbenes Antlitz, egal ob als Blumentopf, Kopfbedeckung oder überteuerte Kaffeekreation.

Dabei wollen wir ihn doch eigentlich nur in einer Form sehen. Und zwar ausgehöhlt, mit einer gruseligen reingeritzten Fratze und einer Kerze, die innen leuchtet. Denn bei all dem albernen Herbst-Konsum-Chaos vergessen wir fast, worum es beim Herbst doch eigentlich geht: Halloween.

Wie, das ist doch auch alles Konsum-Bullshit? Ach was, das geht schon klar, ist ja gruselig und verkleiden ist auch immer cool. Und außerdem ist das schließlich die Zeit, in der jedes Jahr die besten und meisten erwarteten Horrorfilme rauskommen. So auch wieder dieses Jahr.

Auswahl im Horror-Herbst

Mit Mandy, Slaughterhouse Rulez und einem Suspiria-Remake mit Tilda Swinton ist rund um Halloween 2018 definitiv einiges auf der großen Leinwand zu sehen, was Fans des Makabren anspricht. Der größte Film auf der Liste ist allerdings einer, welcher kaum einen passenderen Titel tragen könnte. Halloween.

SLEAZE + Horror-Herbst Halloween
Ja, er ist zurück. Aber wie!

Aber wer jetzt denkt, dies sei nun schon wieder ein Remake des Kult-Slashers von 1978, der liegt falsch. Denn hierbei handelt es sich um ein Sequel zum ersten Teil der Reihe. Weshalb der Film dann genauso heißt wie der Vorgänger, weiß allerdings keiner. Und damit hört die Verwirrung auch nicht auf. Denn mit dieser neusten Episode um Maskenmörder Michael Myers wird auch schon wieder eine neue Timeline eingeführt.

Wer sich ein bisschen in der mittlerweile acht Filme umfassenden Reihe auskennt, weiß ja, dass es mit der Kontinuität recht verwirrend gehalten wird. Denn eigentlich beißt Finalgirl Laurie Strode nach Teil zwei ins Gras und ist folglich in den Teilen vier, fünf und sechs nicht dabei.

Allerdings wird das für Halloween H20 und Halloween: Resurrection dann doch wieder rückgängig gemacht und sie darf wieder ganz munter vor Michaels Messern davonlaufen. Und Teil drei wiederrum spielt offensichtlich in einem ganz anderen Universum, denn der hat absolut nichts mit den anderen Filmen zu tun – dafür aber mit satanischen Halloweenmasken und einem nervtötenden Werbespot. Und dann waren da ja auch noch das Remake von Rob Zombie und dessen Sequel…

Kontinuität ist also ganz offensichtlich nicht die Stärke der Reihe. Daher kommt einem die Idee, einfach noch mal anzufangen, gar nicht so blöd vor. Ein frischer Start hat bisher selten geschadet, außerdem hat man dieses Mal auch wieder die Legende selbst an Board: den Mastermind hinter Halloween und einer Hand voll weiterer Horror-Meilensteine: John Carpenter.

Aber statt auf dem Regiestuhl zu sitzen, begnügt sich John diesmal mit der Rolle des Produzenten. Das Regie-Zepter gibt er weiter an David Gordon Green, der eigentlich mehr im Comedy-Bereich Bereich zu Hause ist. Auch Jamie Lee Curtis ist wieder dabei als Laurie Strode sowie der Original-Darsteller von Michael Myers, Nick Castle. Aber auch wenn das Team nur Gutes verspricht: Wie sieht es nun mit der Story aus?

Die Handlung beginnt 40 Jahre nach dem ersten Haddonfield-Blutbad mit zwei „Journalisten“ (Wer den Film sieht, wird die Anführungszeichen verstehen), die für einen Podcast (denn es ist ja 2018) über Serienkiller tiefer in das Mysterium Michael Myers eintauchen wollen und so dem Zuschauer noch einmal einen schönen Recap der Ereignisse geben. Wenig später tauchen die beiden doch etwas tiefer in dieses Mysterium, als ihnen lieb ist.

Denn wie das so in Horrorfilmen ist, besteht die Welt größtenteils aus inkompetenten Idioten. Der Maskenmann kann nach all den Jahren aus der Klapse ausbrechen und endlich wieder das tun, was er am besten kann: killen. Und zwar am liebsten die, die letztes Mal davongekommen ist: Laurie Strode. Allerdings wartet eben diese nur auf die Chance, Michael fertig zu machen, und hat sich dementsprechend gut darauf vorbereitet. Nebenbei werden aber auch noch ihre Probleme in der zerrütteten Familie angerissen.

Und bei 107 Minuten Laufzeit gibt es reichlich Platz für ein wenig Charakter-Entwicklung. Ob der Zuschauer es nun wirklich gebraucht hat, Einblick in die kaputte Beziehung zwischen Laurie und ihrer Tochter zu bekommen sei erst einmal so dahingestellt, aber prinzipiell schadet es der Figur nicht, wenn sie mal ein wenig Tiefe bekommt. Außerdem baut dieses Thema in gewisser Weise auch das fulminante Finale des Films auf, in dem immerhin drei Generationen Strodes involviert sind.

Aber hallo(ween)… überzeugt!

Aber die Story ist ja bei solchen Filmen wirklich nicht das Wichtigste. Viel wichtiger ist, wie der Film aussieht und vor allem, wie er sich anfühlt. Und er fühlt sich ziemlich gut an, denn er macht im Prinzip genau das, was so ziemlich alle seine Vorgänger ab dem Original vergeigt haben. Er baut ordentlich Atmosphäre auf!

Alles ist super in Szene gesetzt, Michaels Stalking-Momente im Film sind alle wunderbar bedrohlich, was nicht zuletzt an der geschickten Kameraarbeit und dem fantastischen Score von John Carpenter selbst liegt. Auch die Actionszenen sind flott inszeniert und gut eingesetzt. Und vor allem sehr blutig. Gott sei Dank hat man sich nicht von einer niedrigen Altersbeschränkung verführen lassen, damit das Stechen, Schießen und Schlagen in guter alter Gore-Tradition glänzen kann.

SLEAZE + Horror-Herbst Halloween
Achte auf dieses Cover!

Was dem Film auch einen frischen Anstrich verpasst, ist sein Humor. Klar, das ist natürlich Geschmacksache und der ein oder andere wird behaupten, dass die Witzchen nicht zur Tonalität der Halloween-Reihe passen, aber mal ganz ehrlich: Selbst im Horror-Herbst tut es einem so brutalen Film doch immer ganz gut, wenn er sich selbst nicht zu hundert Prozent ernst nimmt. Er soll ja schließlich nicht nur schocken, sondern auch unterhalten.

Gibt es denn also nichts Negatives über Halloween zu sagen? Nein, wirklich nicht. Der Film führt die Geschichte des ersten Teils gut fort, der Cast macht seinen Job einwandfrei, die Effekte sind super und spannend ist das Ganze auch noch. Im Grunde könnte man sagen: Halloween ist das Sequel, das Halloween eigentlich schon immer verdient hätte. Nur das mit dem Titel ist einfach saublöd.

Simon

Titel: Halloween
Kinostart: 25.10.2018
Dauer: 107 Minuten
Genre: Horror
Produktionsland: USA
Filmverleih: Universal Pictures

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