Der hasserfüllte Monat – Eine Mai-Filmvorschau

Der hasserfüllte Monat – Eine Mai-Filmvorschau

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Eine Aufzählung von kommenden Neuerscheinungen ist stets mit einer Portion Anmaßung verbunden. Das Wühlen durch unzählige Kinostarts und Heimkinoveröffentlichungen mag manch ein Werk übersehen. Dennoch hier der Versuch, ein wenig Überblick zu schaffen.

Kinostarts:

Vorab eine eindringliche Warnung an alle Horrorfreunde, Frankensteinverehrer und altenglischen Viktorianisten: Paul McGuigans Victor Frankenstein ist eine laffe Monsternullnummer in Blockbustermanie(r), furchtbar überflüssigen Figuren und einem Drehbuch, das nicht mehr als aus mickrigen Ansätzen besteht. Ein schlechter Monsterwitz vor historischer Kulisse, in dem lediglich ein aufgedrehter James McAvoy als titelgebender Lebenserschaffer zarte Keimlinge dynamischer Pointen zu setzen weiß.
Kinostart: 12.05., zur Kritik

Von einem Mann in einer Art Midlife-Crisis handelt der Film Nur Fliegen ist schöner des französischen Filmemachers Bruno Podalydès, der auch zugleich die Hauptrolle spielt. Michel ist gelangweilt von seiner Arbeit und seines Umfelds, das ihn doch nur misszuverstehen scheint. Wie sein Vorbild, dem Luftpost-Pionier Jean Mermoz, möchte er einfach durch die Lüfte fliegen und seinem Leben entfliehen. Da entdeckt der kindliche Grafikdesigner zufällig das Foto eines Kajaks und entschließt sich zu einer treibenden Reise auf dem Wasser. Witzig, beschwingt-poetisch, aber auch mit einer gewissen Leere schließendes Kleinod.
Kinostart: 19.05.

Ein dahintreibender Kajak-Trip: ,,Nur Fliegen ist schöner"
Dahintreibend im Kajak: Bruno Podalydès in „Nur Fliegen ist schöner“

Der Superheldenzug ist seit Jahren nicht zu entgleisen: Bereits die Monate März (Batman v Superman: Dawn of Justice) und April (The First Avenger: Civil War) brachten zwei Filme um kostümierte Heroenfiguren hervor. Der Mai folgt dieser Tradition: Mit X-Men: Apocalypse erscheint der Abschluss der bereits zweiten X-Men-Trilogie, von einigen Spin-Offs gar nicht zu sprechen. Regie führt erneut Bryan Singer, der zuvor schon den Großteil der Reihe inszenierte.
Kinostart: 19.05.

Harvey Scrimshaw in des Hexes Wald?: ,,The Witch"
Harvey Scrimshaw in des Hexes Wald?: „The Witch“

Mysteriös und psychologisch durchdacht geht es im düsteren Familiendrama The Witch zu. Regisseur Robert Eggers baut in seinem Langfilmdebüt eine dichte Atmosphäre inmitten religiösen Fundamentalismus auf, beschwört zwar Horrorelemente, die ihre Auflösung aber vor allem im Innersten seiner zunehmend von Hexenparanoia zerrissenen Filmfamilie finden.
Kinostart: 19.05., zur Kritik

Die inzwischen zahlreich veröffentlichten Filmszenen des nächsten Werks lassen Böses erahnen: Mit Warcraft: The Beginning bringt Regisseur Duncan Jones (Moon) die Adaption des populären Online-Rollenspiels World of Warcraft in die Kinos. Die Tricktechnik offenbart dabei scheinbar eine Künstlichkeit, welche die Kluft zwischen Effekt und Realismus nur allzu deutlich negativ hervorhebt. Aber vielleicht wirds ja noch was.
Kinostart: 26.05.

Der Nachtmahr erzählt den knapp neunzigminüten Trip einer Jugendlichen, die

Surrealer Exzess: ,,Der Nachtmahr" von Akiz
Surrealer Exzess: „Der Nachtmahr“ von Akiz

sich mit ihren innersten Ängsten konfrontiert sieht. Der Film von Akiz scheint vor allem audio-visueller Exzess zu sein und hebt sich damit erfrischend vom deutschen Konservativ ab, das nicht selten immergleiche Sujets auf immergleiche Art und Weise in immergleichen Settings behandelt. Neue Impulse braucht das Land!
Kinostart: 26.05.

Sion Sono, der sich mit Filmen wie Love Exposure den Ruf des japanischen Enfant terribles erarbeitete, zog sich mit seiner philosophischen Reise durchs All um eine androide Paketbotin in die ruhige Kontemplation zurück. Zwar mag der Film The Whispering Star sich dabei ein wenig zu sehr in seiner leisen Herangehensweise und letztlichen Einfachheit suhlen, ist aber dennoch ein sehenswertes, kleines Werk über das Menschliche.
Kinostart: 26.05., zur Kritik

DVD und Blu-ray:

Das Boxerdrama Creed von Ryan Coogler, der zuvor vor allem mit dem Rassismus-Drama Fruitvale Station auf sich aufmerksam machte, erzählt von einem afro-amerikanischen jungen Mann, der nach einer Karriere als Profi-Boxer strebt. Mit großen Hürden konfrontiert, reist er nach Philadelphia, um den alten Freund und einstigen Rivalen seines Vaters zu treffen: Rocky Balboa, auch hier dargestellt von Sylvester Stallone.
Start: 05.05.

Tom Hardy erfuhr vor allem mit der 2008 erschienenen, fiktiven Biografie Bronson von Nicolas Winding Refn (Drive) einen beachtlichen Karriereschub.

Der doppelte Tom Hardy in ,,Legend"
Der doppelte Tom Hardy in „Legend“

2015 war für ihn ein starkes Jahr: Neben Auftritten in umjubelten Werken wie The Revenant und Mad Max: Fury Road, spielte er in Brian Helgelands (Drehbuchautor von L.A. Confidential) Legend die Doppelrolle der Kray-Twins, die das London der 50er und 60er terrorisierten.
Start: 12.05.

Drei Jahre nach seinem Kammerspiel Lincoln kehrte auch Hollywood-Urgestein Steven Spielberg 2015 auf die große Leinwand zurück. Sein KalterKrieg-Thriller Bridge of Spies mit Tom Hanks wurde vor allem im Hinblick seiner filmischen Umsetzung gelobt. Am Drehbuch wirkten u.a. auch die Coen-Brüder (Hail, Caesar!) maßgeblich mit.
Start: 12.05.

Im Kampf mit der Vergangenheit: Natalie Portman in ,,Jane Got a Gun"
Im Kampf mit der Vergangenheit: Natalie Portman in „Jane Got a Gun“

Natalie Portman (Black Swan) stellt im Western-Drama Jane Got a Gun eine toughe Frau inmitten einer männerdominierten Welt dar. Um die Lasten der Vergangenheit abzuwerfen, stellt sie sich einem letzten Standoff. Gavin O’Connor durchleuchtet anhand von wiederkehrenden Rückleuchten die Hintergründe der Beziehungen zwischen den Charakteren und inszeniert vor allem ein Familiendrama, das nicht immer frei von Klischees und inszenatorischer Konvention ist, aber durchaus einen gewissen Charme vorzuweisen hat.
Start: 13.05.

The Revenant hat eine turbulente Produktion hinter sich, doch die Anstrengungen und das Durchhaltevermögen von Regisseur Alejandro González Iñárritu (Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)) und seiner Crew haben sich ausbezahlt: Die Überlebensodyssee um einen verratenen Trapper (Leonardo DiCaprio) im 19. Jahrhundert ist eine visuell beeindruckende Tour de Force und urtümliche Auferstehungsgeschichte durch die nordamerikanische Wildnis, einfühlsam poetisch und mit energischer Dynamik von Kameramann Emmanuel Lubezki (Gravity) fotografiert.
Start: 19.05.

Der an Hayao Miyazakis Ponyo erinnernde Animationsfilm Die Melodie des Meeres von Tomm Moore erzählt vom Reichtum keltischer Mythen. Im Zentrum der Geschichte stehen Ben und seine Schwester Soairse, die mit der Melodie des Meeres vertraut sind: Sie leben mit ihrem Vater und Leuchtturmwärter in einem Leuchtturm auf einer Insel vor der irischen Küste. Ihre Mutter, die stets von den Legenden eines Feenvolkes erzählte, verschwand nach Soairses Geburt. Nach einem Vorfall nimmt sich die in der Großstadt lebenden Großmutter der Kinder an, doch ihre Sehnsucht zum Meer treibt die Kinder schon bald wieder fort. Die Reise wird nicht nur zur Heimkehr, sondern auch zur magischen Reise um die Rettung der Fabelwesen des Landes.
Start: 23.05.

Fantasievolle Keltensage: ,,Die Melodie des Meeres"
Fantasievolle Keltensage: „Die Melodie des Meeres“

Takeshi Kitano ist gewiss einer der interessantesten Filmemacher Japans. Mit Werken wie Hana-bi oder Brother erzählt er nicht selten aus den Kreisen des organisierten Verbrechens. Mit Beyond Outrage folgt das Sequel seines bekannten Outrage, der sich ebenfalls der Yakuza, der japanischen Mafia, annimmt. Seine Uraufführung fand bereits im September 2012 im Rahmen des Filmfestivals Venedig statt.
Start: 27.05.

Quentin Tarantinos Achter ist ein klaustrophobisches, herrlich doppelbödiges Kammerstück im Western-Setting, das sich viel Zeit für seine Charaktere und den Handlungsverlauf lässt. Das mag manch einem zu langatmig vorkommen, doch schon früh ist der Film gespickt mit Andeutungen und Details, die erste Unsicherheiten im Hinblick auf Figurenkonstellation und Ausgangslage offenbaren. Die zittrige Spannung wird musikalisch kongenial von Ennio Morricone (Spiel mir das Lied vom Tod, The Mission) aufgelöst. Der beeindruckende Cast von The Hateful Eight um Kurt Russell (Death Proof), Jennifer Jason Leigh (Anomalisa) und Samuel L. Jackson (Kingsman: The Secret Service) trägt mit seiner Spielfreude entscheidend zur sich zuschnürenden Anspannung bei.
Start: 30.05.

Alex Warren

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