Der Film wird zu einer Traumfabrik

Der Film wird zu einer Traumfabrik

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SLEAZE + Traumfabrik
Emil hat sich Christa für die Vorstellungsgespräche als Beraterin ins Büro geholt

Wenn du keine Träume mehr hättest und nicht weißt, wo du in deinem Leben hin willst, was hättest du dann noch, was das Leben lebenswert macht?

In der Traumfabrik geht es um – wie kann es anders sein? – Träume. Emil (Dennis Mojen) ist frisch aus der NVA entlassen und landet bei seinem Bruder Alex (Ken Duken). Dieser ist Stuckateur in den DEFA-Studios in Babelsberg und hat seinem kleinen Bruder den Job als Komparse vermittelt.

Emil trifft dadurch auf die französische Tänzerin Milou (Emilia Schüle) und verliebt sich in sie. Er will ihr am nächsten Morgen was zeigen, doch dazu kommt es nicht. Wir haben den Sommer 1961, genauer gesagt den Tag, an dem die Grenzen dicht gemacht wurden. Milous Hotel war in Westberlin und die Studios im Osten, somit kam die Französin nicht zurück.

Emil will sie wieder sehen und beginnt deshalb, eine Idee zu entwickeln, die nicht nur ihn in Schwierigkeiten bringen könnte. Unter allen Umständen darf der Generaldirektor Beck (Heiner Lauterbach) von dem ganzen Plan nichts mitbekommen. Egal wie schwer dieser Weg ist, Emil lässt sich nicht davon abbringen, alles zu versuchen, um Milou wieder nach Deutschland zu holen.

Babelsberg, das Fantasialand vor den Toren Berlins

Wer kennt die Filmstudios Babelsberg nicht? Seit 1912 werden dort Filme wie Nosferatu, Die Feuerzangenbowle, Jakob der Lügner, Operation Walküre, Tribute von Panem oder The first Avenger: Civil War gedreht. Jeder Film trägt zur wundervollen Geschichte der Studios bei. Zu der Filmgeschichte reiht sich jetzt auch die Traumfabrik ein, die nach über 20 Jahren die erste deutsche Produktion ist, die von der ersten Sekunde an in Babelsberg entstanden ist.

SLEAZE + Traumfabrik
Milou kommt an der Brücke an; über Nacht wurden die Grenzen geschlossen.

Die damalige Geschichte wird in dem Film auch ernst genommen. Die Macher haben Gespräche mit ehemaligen Mitarbeitern der DEFA geführt, Bilder wurden gesichtet. Auch die Filmkulisse, selbst wenn sie teilweise aus anderen Filmen sind wie zum Beispiel von Anonymus, machen das Ganze authentisch. Das Gefühl zu vermitteln, in einer Traumwelt zu sein, ist den Machern sehr gut gelungen.

Dazu eine Menge Komparsen. Und ich spreche hier nicht von 50, sondern von hunderten, ergänzt durch tausende Kostüme, Gänse oder auch Elefanten. Das sind nur ein paar Sachen, mit denen stark aufgefahren wird.

Doch vielleicht ist die überspitzte Darstellung der Traumfabrik auch gewollt. Manche Stellen hätten aber weniger vertragen. So gleich zu Beginn, als Milou und Emil zum ersten Mal aufeinander treffen. Er sieht sie im Auto und ist geblendet. Zugegeben der Scheinwerfer hinter dem Auto ist nicht ganz unschuldig, dennoch war es etwas zu dick aufgetragen.

Zu viel, aber gut, ist auch direkt der Anfang, wenn man mit Emil zum ersten Mal über das DEFA-Gelände geht. Tänzerinnen pfeifen ihm nach, plötzlich bleibt alles stehen, weil gedreht wird, Pferde kreuzen seinen Weg und dann steht er in einer Schneelandschaft. SLEAZE + TraumfabrikSofort ist man in einer Welt, die ganz anders ist als die Realität. Eine bunte, chaotische aber schöne Filmwelt.

Fazit: Auch wenn es teilweise zu kitschig ist, lässt die Traumfabrik dich einfach mal in eine andere Welt träumen.

Meike

Titel: Traumfabrik
Kinostart: 04.07.2019
Dauer: 128 Minuten
Genre: Drama, Romance
Produktionsland: Deutschland
Filmverleih: Tobis

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