Der Dunkle Turm erwacht

Der Dunkle Turm erwacht

„Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste, und der Revolvermann folgte ihm.“ Wortwörtlich mit diesem Satz schrieb Stephen King Ende der 70er wahrscheinlich zum ersten Mal Geschichte. Mit dem Satz begann ein Epos, das Stephen – als auch seine Leser – knapp 30 Jahre begleiten sollte. Acht Bücher sind über die Jahrzehnte entstanden, die Fantasy, Western, Horror und Science-Fiction zu einer außergewöhnliche Geschichte erzählen. Kann man so ein Werk verfilmen?

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SLEAZE + Der Dunkle Turm
You – be cool!

Die Geschichte um den Revolvermann Roland ist klassisch. Es kämpft das Gute gegen das Böse. Und der Dunkle Turm steht im Zentrum dieses Machtspiels. Allerdings wird hier – und da zeigte sich schon früh die Brillanz von Stephen King – das „Dunkle“ nicht automatisch als das Böse gesehen. Der Dunkle Turm ist das Gute, der Mann in Schwarz ist das Böse. Das typische Klischee, dass dunkel / schwarz gleich böse / negativ symbolisiert, wird hier teilweise aufgehoben. (Übrigens eine klassische, manchmal leider überzogene Botschaft u.a. des Conscicous Rap, dass schwarz immer so negativ dargestellt wird und vom „Weißen Mann“ indoktriniert sei.)

Bei diesem Kampf steigt Stephen King bereits – wie der berühmte erste Satz ja vermittelt – dort ein, wo das Böse bereits auf der Flucht ist. Allerdings, auch wenn es anders klingt, ist das Böse zu diesem Zeitpunkt bereits sehr mächtig und seinem Ziel, den Turm zum Einsturz zu bringen, sehr nah. Wie es zu dieser Macht kam und wer der Mann in Schwarz ist, wird ausgeblendet – sowohl im Buch als auch im Film.

SLEAZE + Der Dunkle Turm
Johnny Cash in seinem neuen Job.

Hält sich der Film auch sonst an das Buch?

Nein. Oder genauer: Wenig. Drehbuch und Regie stammen hauptsächlich von dem der breiten Masse recht unbekannten Nikolaj Arcel. Der wurde bereits mit einer Oscar– und Golden Globe-Nominierung geadelt – wirkt aber von diesem Filmstoff hier etwas überfordert. Das ist nicht verwunderlich, wurde doch bereits seit zehn Jahren von verschiedener Seite vergeblich versucht, dieses Epos in ein Filmformat zu bekommen. Das jetzige Ergebnis ist ein gut gemachter Actionfilm, der früh mit rasanten Manövern und anheizender Musik in die Geschichte reinzieht – aber leider nicht mehr.

Die Geschichte wurde gekürzt, der von mir sehr geliebte Matthew McConaughey füllt seine Rolle als „Teufel“ einen Tick zu wenig aus. (Da wäre wirklich noch mehr drin gewesen, Matthew. Du kannst das noch viel besser!) Überraschend gut allerdings war Idris Elba als Roland. Die innerlich komplett zerstörte Heldenfigur erinnert in einem positiven Sinne an das Computerspiel-Wrack Max Payne (auch wenn man den Vergleich Stephen King nicht anmaßen sollte und Idris‘ auch nicht Max‘ unglaublichen Humor hat).

In der Summe bleibt der Film ein kurz(weilig)er Action-Streifen, der bald vergessen sein wird. Ist das dem monumentalen Werk Stephen Kings angemessen? NEIN! Diese Buchreihe ist sein Lebenswerk. Man hätte James Cameron oder Peter Jackson einsetzen sollen. Die hätten daraus ein dreistündiges Monument erschaffen, welches nachbleibenden Eindruck hinterlassen hätte. Gerade in den aktuellen Zeiten, wo das Böse offenbar gerade bei den politischen Machthabern so deutlich zutage tritt wie schon lange nicht mehr, hätte so ein Film ein Weckruf sein können an die Guten auf dieser Welt.

Ja ok, das ist jetzt etwas weit gegriffen, aber mehr als der aktuelle Film wäre defintiv gegangen. Ein kleines Spoiler-Beispiel: Rolands Gruppe, sein sogenanntes Ka-Tet, bestand eigentlich aus einer Dachs-Hund-Mischung und vier Menschen. Übrig geblieben sind in dem Film nur Roland und der Junge Jake Chambers (gespielt von Tom Taylor, der seine Rolle übrigens recht gut abliefert). Die Geschichte wurde damit einfach mal mehr als halbiert. Das kann man auch nicht auffangen mit ein paar Lachern, die entstehen, wenn der Gun Slinger aus einer anderen Welt auf unsere trifft (wo man sich auch fragt, was Roland all die Jahrhunderte in zig verschiedenen Welten eigentlich an Diplomatie angeeignet hat).

SLEAZE + Der Dunkle Turm
Hat seit Jahrhunderten Stil: Roland Deschain

Fazit: Der Film ist sehenswert. Da gibt es nichts zu deuteln. Aber wenn du die ganze Welt des Revolvermannes Roland (und des Schreibmaschinenmannes Stephen King) erfassen möchtest, hol dir danach die acht Bände. Und auch wenn ich die neue Fassung noch nicht gelesen habe: Hol dir lieber die „alte“ Fassung. Diese neue wirkt sehr nach Marketing-Werkzeug.

danilo

Titel: Der Dunkle Turm
Kinostart: Dauer: 85 Minuten
Genre: Fantasy, Western, Sci-Fi, Horror
Produktionsland: USA
Filmverleih: Sony Pictures

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