Der Dude, der Dork und: Joshy

Der Dude, der Dork und: Joshy

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Mit Joshy – Ein voll geiles Wochenende (bitte wie immer den deutschen Wurmfortsatz ignorieren!) gibt es eine US-Komödie, in der mal nicht deine üblichen Gesichter wie Will Ferrell, Paul Rudd oder Paul Dano mitspielen. Stars sind hier eine Reihe etwas jüngerer, ebenso guter Comedy-Darsteller. Joshy ist Indie-Comedy im Stil von Juno oder Little Miss Sunshine. Die Geschichte fängt täuschend harmlos an: Wir sehen Josh (Thomas Middleditch), um die 30, der nach Hause zu seiner Freundin kommt. Er hat Geburtstag und sie planen ein gemeinsames Abendessen. Josh geht nochmal kurz ins Fitnessstudio, das es in seinem Apartment-Komplex gibt. Nichts ahnend läuft er zurück zur gemeinsamen Wohnung. Doch was ist das: Die Tür blockiert irgendwie von innen. Die Auflösung ist (bitte jetzt nicht Spoiler schreien, all dies passiert innerhalb der ersten zwei Minuten von Joshy): Joshs Freundin hat sich am Türknauf mit seinem Gürtel (an seinem Geburtstag!) erhängt. Selbstmord.

Überlebt Joshy ganz problemlos: Jenny Slate

Ich habe lange gezögert, das hier reinzuschreiben, doch irgendwie wird man Joshy sonst auch nicht gerecht. Und gezögert habe ich auch, da dieser Anfang womöglich auch einen falschen Eindruck des Werks vermittelt. Denn es handelt sich hier dennoch um eine Komödie. So geht es weiter: Josh und die Verblichene wollten ursprünglich heiraten. Daher hatten seine Freunde einen Junggesellen-Abschied geplant und zu diesem Zweck ein Haus gemietet. Vier Monate später: Das Datum steht vor der Tür, und da das Haus nun schon mal angezahlt ist, treffen sich Josh und Kumpels dort dennoch. Vielleicht bringt das Wochenende ja ein wenig Abwechslung!

Und siehe da, lustige Wendung Nummer 1: Josh ist nicht der Einzige, der ein wenig am Kriseln ist. Als da noch wären: Adam (Alex Ross Perry), ein Nerd, wie er im Buche steht. Seine Freundin hat ihn gerade verlassen, nach zehn Jahren Beziehung mit auch um die 30. Und dann noch der „Dude“ Ari (Adam Pally), vielleicht emotional der Gefestigste der Gruppe. Sowie zwei andere Freunde. Diese illustre Fünfer-Gruppe trifft sich, um ein Wochenende voller Suff, Gras, Spaß und Gespräche zu verbringen.

Große Persönlichkeiten

Joshys große Stärke sind die Charaktere. Wir haben es hier nicht mit einem Film mit unglaublich nach vorne preschender Story zu tun, mit überraschenden Twists und Wendungen. Nein, die Figuren sind zum einen sehr realistisch gezeichnet, doch dann natürlich auch wieder, wie in jeder Komödie, überzeichnet.

Trip ins Innere: Der Dork und der Dude

Hauptdarsteller Thomas „Josh“ Middleditch erinnert von seiner Physiognomie her am ehesten an eine Giraffe. Er ist nett bis zu nett, und ein Witz ist auch, dass er eigentlich eher das Gegenteil von einem Hauptdarsteller ist. Obwohl der Film nach ihm benannt ist, spielt er nur eine gleichberechtigte Hauptrolle. Der von mir so genannte Dude ist selbstverständlich der absolute Dauerstoner. Mein persönlicher Liebling ist aber Adam, ein Dork oder Nerd. Er redet am liebsten über Zeitreise-Theorien oder spielt unglaublich komplizierte Brett-Rollenspiele. Körperliche Nähe ist ihm unangenehm und er ist einfach nur ungelenk. Bisweilen fragt man sich auch, ob der „Dork“ wirklich schlau ist oder einfach nur einen Haufen Details und Blödsinn von sich gibt – lustig!

Eine New-Age-Komödie?

Die Comedy in Joshy entsteht nun dadurch, dass, wie schon erwähnt, jeder seine Probleme hat, und die irgendwann im Laufe des Wochenendes zur Sprache kommen. Das könnte man schon fast als psychologischen Humor à la Woody Allen bezeichnen, gleicht aber auch manchmal ganz schön einer Therapie. Jedoch eher so einem therapeutischen New-Age-Seminar voll mit Schreien, Grenzerfahrungen und Bewusstseinserweiterungen. Schön zu sehen ist hier, wie empathisch die Männerrunde aufeinander eingeht und wie sensibel jeweils reagiert wird. So geht‘s auch, fern von allen Klischees. Und lustig ist das Ganze natürlich auch noch, denn irgendwo ist jede Figur oft auch ganz schön blind. Erfrischenderweise erschöpft sich dieser psychologische Humor nicht in 4-Augen-Gesprächen, sondern das beste an Joshy ist die Gruppendynamik. Die Fünfer-Gruppe teilt sich in verschiedene Konstellationen auf, lernt auch mal Außenstehende kennen wie Jenny Slate, das Love-Interest des Dudes, und kommt dann aber wieder zusammen. So kommen nach und nach Neurosen, Unsicherheiten und erlittene Schicksalsschläge raus.

Das ist alles sicher nicht jedermanns Sache. Doch hast auch du einmal Lust auf nicht die ganz übliche seichte Unterhaltung, dann schau dir Joshy an. Denn der Film ist einfach schräg und freakig, die Charaktere sind unfassbar stark – und er ist sehr, sehr lustig.

Robert

Titel: Joshy – Ein voll geiles Wochenende
Regie: Jeff Baena
Laufzeit: 89 Min.
VÖ: 9.3.2017 (DVD & VoD)
Verleih: Sony Pictures

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