Das Ziel: Level 2

Das Ziel: Level 2

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Die Bands, die beim DNA BLN aufgetreten sind, scheinen eine gewisse Vorliebe für Guns N’Roses zu haben. So ist es auch bei Charlion aus Schweden. Schon Lowrider Betty erzählten gerne und ausführlich von ihren musikalischen Einflüssen, bei den vier Charlion-Jungs aus Stockholm ist das nicht anders. Karl, Love, Anders und Erik haben uns Rede und Antwort gestanden über peinliche Vorfälle und Mittelfinger-Aktionen.

Das Symbol von Charlion sind vier horizontale Linien. Stehen die dafür, weil ihr auch zu viert seid oder gibt es eine kreativere Erklärung?
Erik:
Nein, kein bedeutender Grund. Wir dachten einfach, es wäre das Einfachste, wenn wir selbst das Logo sind.
Love: Und wir mögen es.

SLEAZE.Charlion.Interview1Vor zwei Wochen habt ihr eine Single rausgebracht. Sie heißt „Istanbul“. Habt ihr zu der Stadt eine spezielle Verbindung?
Erik:
Ich weiß nur, dass meine Eltern in Istanbul waren, als wir dieses Lied geschrieben haben.
Karl: Ich glaube wir mögen den Sound von Istanbul. Es gibt keine richtige Verbindung. Wir haben zuerst die Musik geschrieben, beziehungsweise die Grundlage des Songs war da und dann kam der Text. Aber es passt trotzdem sehr gut, da Istanbul ein Ort ist, der für uns sehr weit weg ist. Darum geht es ja im Song auch, dass du weit weg sein darfst.

Ihr habt ja auch schon andere Sachen veröffentlicht. Zum Beispiel das Lied „Alibi“.
Anders:
Ja, das Lied haben wir Anfang des Sommers herausgebracht und gar nicht so viel Wirbel darum gemacht, als wir es veröffentlichten. Aber vor Kurzem wurde es in eine Youtube-Compilation aufgenommen und hat dadurch mehr Aufmerksamkeit bekommen. Deshalb haben wir vor ein paar Wochen noch mal eine Akustik-Version aufgenommen. Es wurde auch sehr gut aufgenommen von den Leuten.
Erik: Wir haben sogar Rückmeldungen aus Mexiko.
Karl: Wir haben auch eine Akustik-Version rausgebracht, damit die Leute nicht nur fertig produzierte Sachen zu hören bekommen.

Wie würdet ihr euren Stil definieren, da ihr Elektro-Musik miteinbringt, aber eben auch diese Akustik-Sachen macht?
Anders:
Ich glaube ganz unten, also die Grundlage, ist Rock’n’Roll. So haben wir auch angefangen. Aber wir lieben elektronische Elemente und sowas. Wir haben auch viel House-Musik gehört, Erik und ich. Also wir mögen es sehr, alles zu vermischen und das wollen wir auch machen. Das tun wir auch, aber Rock ist das Hauptthema. Also wir machen irgendwie Pop-Rock.
Love: Aber wir borgen uns sozusagen den edgy Sound der House-Musik.

Was sind eure Einflüsse?
Erik:
Auf jeden Fall eben Rock und Elektronik.
Karl: Und Pop auf jeden Fall. Mehr als man erwarten würde wahrscheinlich. Alle von uns mögen einiges an guter Popmusik.
Erik: Ja, besonders Karl und Anders.
Karl: Wir versuchen auch diesen Gedanken und bestimmte Mittel, die Popmusik ja hat und nutzt, in unsere Lieder einfließen zu lassen. So dass es leicht ist hinzuhören und mitzumachen, also eingängige Lieder. Das ist die Art, wie wir denken, nur mit einem rockig elektronischen Sound.

Gibt es spezielle Bands?
Love:
Bands gibt es viele, zu viele.
Karl: Für mich auf jeden Fall Coldplay.
Love: Ich sage Kings of Leon, da weiß ich, dass wir die alle toll finden.
Anders: Ich nehme mal was Elektronisches: Robyn.
Erik: Muse!

SLEAZE.Charlion1Wer von euch hatte die Idee, eine Band zu gründen?
Anders:
Tatsächlich kennen wir, also Love, Erik und ich, uns alle, seit wir vier Jahre alt sind. Wir haben, seit wir 14 sind,in Bands zusammengespielt. Das waren ganz unterschiedliche, auch einige Cover-Bands. Dann kam Karl dazu vor drei Jahren. Also wir waren wirklich einfach Freunde, die in der sechsten Klasse oder so eine Band gegründet haben.
Erik: Am Anfang haben wir nur gecovert. Wir haben immer in einer Kirche geprobt, also in einem Nebenraum. Da haben wir auch Konzerte gemacht und unsere Freunde sind gekommen, um uns zuzuhören, wenn wir eben unsere Covers spielen. Dann haben wir aber so langsam angefangen, selber Songs zu schreiben.

Wann hattet ihr euren ersten Auftritt gemeinsam?
Erik:
Da müssen wir so 15 gewesen sein.
Karl: Aber mit Charlion war das im Februar 2013.

Wie war es?
Karl:
Furchtbar.
Anders: Wir haben uns das vor ein paar Monaten nochmal angeguckt.
Erik: Ja, das Problem ist, dass wir es aufgenommen haben, Video und Audio. Es ist auch sehr gut aufgenommen.
Karl: So, dass du alles einzeln hören kannst. Du kannst auch einfach nur meine Stimme hören. Alle diese Lieder sind auch einfach tot. Keiner existiert mehr. Also es hat schon Spaß gemacht, aber es klang einfach nicht einheitlich.

Aber jetzt läuft es besser?
Karl:
Ja.
Love: Hoffentlich!
Erik: Kann man ja heute Nacht selber entscheiden. Ich sehe schon, wie wir in zwei Jahren wieder hier sitzen und dann das Gleiche über diesen Auftritt sagen.

Wusstet ihr schon immer, dass ihr Musik machen wollt?
Karl:
Für mich war das eher ein soziales Ding, zusammen etwas machen und gute Freunde haben. Es hat sich dann erst entwickelt zu dieser ernsten Sache. Aber am Anfang ging es für mich nur darum.
Love: Wir waren anfangs auch nicht wirklich gut. Aber als wir dann wirklich zusammen gespielt haben, Karl dazu kam und wir Charlion gegründet hatten, dachten wir: Wow. Das ist etwas Richtiges. Erwartet haben wir es aber nicht.
Karl: Ja, wir alle nicht.
Anders: Der Traum, ein Rockstar zu sein, war aber immer da. Seit ich sieben oder so war, also als ich angefangen habe, Gitarre zu spielen.
Love: Ja, ich wollte immer der Boss sein und irgendwas Businessmäßiges studieren oder so. Ich habe auch immer Musik gemacht, aber einfach nicht daran gedacht bis 2009 oder 2010. Dann haben wir angefangen, uns mehr darauf zu konzentrieren. In den letzten zwei Jahren ist auch wirklich viel passiert.
Erik: Seit wir uns entschieden haben, das auch wirklich durchzuziehen

Könnt ihr einen Song nennen, der euer Leben wirklich verändert hat, egal auf welche Art?
Karl:
Klar, gerne. Meiner ist „Keep it lose, keep it tight“ von Amos Lee, weil er der erste Künstler war, den ich für mich hatte. Ich hatte einfach viel Musik von meinen Eltern, aber ein Freund hat mir das Album gezeigt. Zu der Zeit war Amos Lee auch nicht wirklich berühmt und ich fand es einfach sofort toll. Ich liebe seine Soulness, also das war eine wirklich riesige Inspiration.
Love: Ich kann mich nicht für einen entscheiden.
Anders: Für mich ist es „Paranoid City“ von Guns N’Roses. Das war das erste Mal, dass ich krasse Gitarren gehört habe. Das hat mich sofort umgehauen. Tatsächlich habe ich zuerst ein Cover des Songs gehört, das viel schlechter war als das Original. Aber für mich war das da schon ein super Lied und meine Schwester hat mir dann gesagt, dass es eigentlich von Guns N‘Roses ist. Als ich das dann zum ersten Mal gehört habe, dachte ich, jetzt muss ich anfangen, Gitarre zu spielen.
Erik: Es ist auf jeden Fall ein Lied von Metallica, wahrscheinlich „Battery“. Jemand aus meinem Sportteam hat es mir gegeben und wir waren im Bus, als ich es mir angehört habe. Und ich hatte so etwas einfach noch nie gehört vorher, so haSLEAZE.Charlion2rte Riffs und sowas. Von dem Moment an war ich total hingerissen von Metallica und Rockmusik allgemein.

Bereit für noch so eine harte Frage? Karl, wer ist für dich persönlich der größte Sänger, der vielleicht sogar Einfluss auf deinen Gesang hat?
Karl:
Da könnte ich auch Amos Lee sagen. Er ist großartig und sonst auch die Sachen, die ich höre, wie der Sänger Caleb von Kings of Leon. Aber ich könnte noch weiter zurückgehen, als mich Stimmen so zum ersten Mal berührt haben. Da gab es Michael Jackson und Stevie Wonder. Das kommt dann wahrscheinlich mehr von ihnen, weil mit dem Singen habe ich angefangen, als ich sehr jung war. Ich sage Stevie Wonder.
Love, welcher Drummer fällt dir da ein?
Love:
Chad Smith von The Red Hot Chili Peppers. Er leitet alles so gut und sie sind live so unglaublich. Nicht viele Schlagzeuger schaffen es, wirklich Künstler zu sein.
Anders, ein Gitarrist für dich?
Anders:
Slash auf jeden Fall und ich würde sagen, Dave Grohl. Die Energie von ihm hatte Einfluss auf mich.
Erik, ein Bassist, der dir viel bedeutet?
Erik:
Ich würde sagen Flea von Red Hot Chili Peppers. Erstens, weil er einfach extrem gut ist und außerdem kannst du sehen, wie sehr er es genießt und Spaß daran hat, sein Instrument zu spielen. Es spricht mich einfach an.

Habt ihr schon mal in Berlin gespielt vorher?
Karl:
Nein, wir waren noch nie hier. Wir haben in Schweden einen Wettbewerb gewonnen und wurden von den Veranstaltern hier kontaktiert und haben sofort ja gesagt. Wie professionell es hier dann wirklich ist, haben wir aber nicht geahnt. Wir dachten auch, es ist viel kleiner. Aber nachdem wir vorher dann schon Kontakt mit acht verschiedenen Personen oder so hatten, dachten wir, das wird langsam ernst. Aber das ist gut so.

Was ist das Lustigste oder etwas Unerwartetes, das euch auf der Bühne passiert ist?
Erik:
Karl hat sein Mikrofonständer mal umgehauen und ist dann richtig sauer geworden auf den Mikrofonständer. Also hat er den netten Finger in die Richtung gezeigt und für das Publikum sah es so aus, als würde er sie meinen.
Karl: Das ist passiert und einer unserer schlechtesten Auftritte fand draußen in Schweden statt. Es war eine tolle Nacht und viele Leute waren da. Wir hatten eine super Aussicht auf Stockholm, also waren richtig begeistert. Aber wir haben dann einfach alles versaut. Ich bin auf irgendeinen Hebel getreten, mein Kabel ist rausgerissen, meine Gitarre hat nicht mehr funktioniert für zwei Lieder und ich habe es nicht mal bemerkt.
Erik: Bei mir war es dasselbe, ich bin an einen der Fußhebel rangekommen und mein Bass klang nicht so, wie er sollte. Also es gab einfach nur eine Gitarre und ein Schlagzeug.
Karl: Es war einfach so schlecht und wir haben uns so geschämt.
Erik: Wir haben sogar kurz darüber nachgedacht, mit der Band aufzuhören.

SLEAZE.Charlion.Interview2Wie aufgeregt seid ihr denn vor euren Konzerten?
Erik:
Ich bin auf jeden Fall sehr nervös.
Anders: Ja bin ich auch, aber das ist auch gut so.
Karl: Es wird auch besser mit der Zeit. Ich glaube es ist auch besser, mit Gigs wie heute, also hoffentlich. Wenn man vor Freunden oder Familie zu Hause spielt, da ist die Basis einfach anders, als wenn du vor Fremden in Berlin spielst. Es ist ganz anders und vielleicht leichter an Orten wie dem hier. Aber ich bin auch ein Kontrollfreak. Wenn etwas vor dem Auftritt passiert und wir bei irgendwas unsicher sind, ob es wirklich funktioniert, auch wenn es nur ein Kabel ist, geht mir das sehr nah. Daran muss ich noch arbeiten.

Was habt ihr nächstes Jahr so vor?
Anders:
Anfang des nächsten Jahres kommt ein neuer Song. Dann werden wir einige Songwriter-Sessions machen. Damit werden wir eine Weile beschäftigt sein und dann im Sommer Konzerte spielen.
Love: Wir spielen viel auf Festivals. In Deutschland natürlich auch, wir hoffen auch, dass wir hier ein paar Leute kennenlernen können.
Karl: Wir hatten auch das Ziel, eine Art Portfolio aus ungefähr fünf oder sechs guten Liedern zu erschaffen. Um sie dann eben aufzunehmen und selbst zu produzieren und zu mixen. Deshalb möchten wir auch Partnerschaften schließen, um das noch zu erweitern. Das ist auch ein Ziel für das neue Jahr, Beziehungen aufzubauen, um alles auf das nächste Level zu bringen.

Vielen Dank, Jungs, für eure ehrlichen Antworten und dafür, dass wir so detailliert an euren ersten Musikerfahrungen teilhaben durften. Hoffentlich hören wir bald mehr von Charlion, natürlich auf dem höheren Level.

Wer schon vorher mehr von Charlion wissen will, schaue hier.

Maurin
Fotos von Thelise Stene Hansteen (www.thelisesh.com)

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