Das „Motorrad-Musikfestival“ Pure & Crafted überraschte

Das „Motorrad-Musikfestival“ Pure & Crafted überraschte

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SLEAZE+CraftedDas Pure & Crafted ist ein Festival, welches Motorrädern, Leder und Rock in verschiedenen Richtungen huldigt. Nun gab es am 12. und 13. August 2016 im Berliner Postbahnhof die zweite Ausgabe – und wir waren positiv überrascht.

Zunächst einmal ist ein neuer Ansatz, zumindest in diesem hippen, neoberliner Umfeld, wo immer noch Skinny Jeans, Jutebeutel, Club Mate und natürlich elektronische Musik dominieren. Und auch wenn sie das natürlich nicht uneigennützig machen, muss man den Machern um Gemeinsame Sache und überhaupt der Hörstmann Gruppe (die macht auch INTRO, das Melt, den Festivalguide usw.) danken für ihren Mut.

Craft-Bier ist zwar wortwörtlich in aller Munde, aber dieser Schwerpunkt hat trotzdem einige Risiken. Der größte ist, dass die Gruppe nicht gerade für Rock-Themen bekannt ist. Aber: Der Mut hat sich gelohnt.

SLEAZE + Crafted
„Lust“ auf Wortspiele?

Meiner Meinung nach ist das Festival eines der wenigen, die sich lohnen. Und dabei kann ich mit lauten Motorrädern und diesem tierunfreundlichen Umfeld aus Pulled Pork und Leder überall eigentlich nicht viel anfangen. Aber das Festival hat einen sehr eigenen Charme.

Und das nicht allein wegen der Musik, die mit den Headlinern Noel Gallagher, Mando Diao und, als etwas fehlplatziert klingend, Tricky eher auf Nummer Sicher gingen. Vielmehr ist das Festival einen Besuch wert, weil es eine sehr schöne Stimmung hat. Die liebevoll gemachten Siebdruck-Stände, wo Denim individualisiert wird, die Fachgespräche bei Leatherman oder eine Beratung über Pflegeprodukte…für deine Boots von Red Wing Shoes (von denen wir übrigens in den nächsten Tagen ein Paar verlosen). Und als Treffpunkt für Hipster und Subkulturisten der Barbier, der sich ausgiebig um dein Gesicht kümmert und den Bart wieder richtig in Szene setzt.

Dazu gibt es – natürlich – eine Fotoausstellung mit Motiven von Choppern und anderen fetten Bikes auf einsamen Landstraßen usw. Nicht besonders innovativ, aber das ist ja auch exakt Teil des Festivals. Entschleunigung, Tradition, die gute, alte Zeit.
Diese gibt es auch zum Anfassen, wenn auch teilweise nur auf alt getrimmt: Die Highlights dieses Festivals sind die vielen Motorräder und ihre Optimierungsmöglichkeiten. Wunderschöne Maschinen, teils alt, teils aufgemotzt, teils mit Airbrush veredelt, sind die Eyecatcher. „Also ich bin nur wegen der Maschinen da!“, sagt denn auch eine alte Bekannte, die ich in einer Futter-Warteschlange treffe.

SLEAZE + Crafted
Kein Weihnachtsmarkt! Und mit besserer Stimmung.

Apropos Futter: Noch charmanter (und passender) wäre es, wenn die Veranstalter auch einige der vielen Craft-Bier-Produzenten eine Plattform ermöglicht hätten, aber das ist natürlich in einer Location wie dem Postbahnhof, wo Radeberger mit seinem Berliner Pilsner das Sagen hat, schwierig. Immerhin hat der Gestalten Verlag sein reichhaltiges Buchangebot auf die Zielgruppe ausgerichtet. Von Craft-Bier bis zu Roadtrips und Motorrädern aus jedem Winkel konnte man sich hier eine eigene P&C-Bibliothek einrichten.Und ganz nebenbei gibt es da auch noch irgendwo Musik. Drei Bühnen sind aufgebaut, die zwei üblichen im Inneren des Postbahnhofs und die Hauptbühne im Innenhof, auf der Noel, Mando Diao und Tricky gastieren. Auf Noel hatte ich keine Lust, aber Mando Diao haben alle angelockt trotz des verhaltenen Wetters am Freitag. Und mit den Schweden kann man nicht viel falsch machen. Sie rocken einfach immer!

SLEAZE + Crafted
Wirkt hier fast normal mit einem Mikro: Tricky

Tricky war in jeder Hinsicht eine Überraschung, da man ihn nicht unbedingt nicht auf so einer Bühne erwartet hätte. Vielleicht, um Massive-Attack-Fans und Szenemenschen generell noch zu locken. Auf jeden Fall hat Tricky mit seiner Show am Samstag das Festival um eine Facette bereichert: die des Druffis. Mit verdrehten Augen, in zwei Mikros singend, wirkte er eigentlich etwas unpassend für dieses eher dem Alkohol frönenden Festival. Aber der Sound stimmte. Die Marshall-Boxen haben die tollen Lieder Trickys mit imposanter Wucht in das Publikum transportiert. Es gab sogar rockige Elemente, die ich gar nicht so von Tricky kannte, die aber eine gute Ergänzung der elektronischen Sounds boten. Mit diesen Eindrücken verließ ich nach einer letzten Runde zufrieden das Festival und hoffe jetzt, dass es das Pure & Crafted auch nächstes Jahr wieder gibt.

danilo

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