Das Macron-SUV: voller PS und DS

Das Macron-SUV: voller PS und DS

Zu seiner Amtseinführung ließ sich der neue, junge, dynamische (hier bitte weitere dieser Adjektive eintragen) französische Präsident Emmanuel Macron in einem schicken SUV namens DS 7 Crossback durch Paris fahren. Wir schauten uns seinen Dienstwagen einmal genauer an.

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SLEAZE + DS Automobiles
Ja, was kommt denn da?

Es ist fies, wie hartnäckig sich Gerüchte und Vorurteile halten. Als wenn jemand mit Knoblauch gekocht hätte und danach eine Woche nicht gelüftet. Obwohl das erste SLEAZE.mobil ein unglaublich sparsamer und zuverlässiger Renault Laguna-Kombi war, klebt bei mir im Hinterkopf, dass französische Autos reparaturanfällig sind. Auch jetzt, wo ich schon eine Weile auf der Suche nach einem neuen Wagen bin, tendiere ich eher zu Mercedes als zu Renault (obwohl die in letzter Zeit wirklich interessante Autos herausbrachten und Mercedes ethisch… nun ja).

Nun bringt die recht neue Automarke DS Automobiles mit dem DS 7 Crossback nach eigenen Angaben ein Premium-SUV heraus. Mit Emmanuel Macron als „Testimonial“ haben sie schon mal einen guten Treffer gelandet. Aber ist das mehr als ein intelligenter Marketing-Schachzug?

Zum einen ja, zum anderen ist es schon eine Ansage, dass ausgerechnet in der Stadt, in der endlich das (viel zu kleine) Pariser (Umwelt) Abkommen international abgesegnet wurde, der Präsident mit so einem Wagen herumfährt. Aber da ist es wohl wie so oft: Die (kurzfristige) wirtschaftliche Bedeutung wird immer über die (langfristige) ökologische gestellt.

Die Anfänge

Das erste Mal bemerkte ich die Marke, als ich mich 2014 während der Filmfestspiele in Cannes rumtrieb. Wie mir die sympathische DS-PR vor ein paar Tagen in Hamburg erzählte, war das auch eine der Auftaktveranstaltungen der sehr nach Initialen aussehenden Automarke (nach neueren Firmen-Angaben steht DS für Distinctive Series). Aus der Citroën-Submarke wurde in dem Jahr eine eigenständige mit dem markanten Logo, das einige an die „Körperflüssigkeit“ des T-1000 aus Terminator 2 erinnern dürfte.

Eingeführt wurden die beiden Buchstaben allerdings bereits 1955. Da stellte Citroën seinen DS 19 vor, der mit seinem spacigen Design zum Kultwagen avancierte. Selbst der Ur-Vater der französischen Fünften Republik, Charles de Gaulle (ja, der vom Pariser Flughafen), fuhr bereits mit einem DS 19 durch die Gegend. Ein Umstand, dessen Symbolik sich der clevere Emmanuel sicherlich bewusst ist.
Nach 20 Jahren wurde die Produktion des DS 19 letztendlich 1975 eingestellt. Im selben Jahr übernahm Peugeot den Konkurrenten Citroën, seitdem fungiert der Konzern unter dem Kürzel PSA. 2009 besann sich Citroën seines kultigen Wagens und begann mit dem Aufbau des DS als Premium-Marke.

SLEAZE + DS Automobiles
Premium DS – bis ins Detail.

Leider fehlt den heutigen Karosserie-Designern der Mut. Das geht allerdings den meisten Autofirmen so und ist teilweise auch der Umwelt geschuldet. Auf der anderen Seite wird hemmungslos jedes noch so kleine technische Spielzeug eingebaut, was nicht nur diese Argumentation erschwert.

Optisch ist der Crossback gelungen, aber der SUV sieht eher von der Stange aus als wirklich individuell und ikonisch. Es könnte auf den ersten Blick auch gut z.B. ein Range Rover sein. Der Innenraum ist viel besser gelungen als außen: edle Verarbeitung, ein aufgeräumtes Interieur – und ein riesiges Display, das man splitten kann. So kommt der eigene Anspruch als Premium-Marke deutlicher zur Geltung.

SLEAZE + DS Automobiles
Mit Gästeliste: Bildschirm +1

Es gibt ein breites Motor-Angebot, vom 1,2l-Benziner bis zum 2,0l-Diesel. Die meisten allerdings nur mit Automatik-Getriebe. Spannend wird es noch mal Anfang 2019, wenn der Plug-in kommt mit 300 PS.

Fazit: Da wir den Wagen bisher nicht fahren konnten, geht es allein um das Design und die Geschichte darum. (Ja, die ist wichtiger, als so manche denken. Viele setzen sich immer noch lieber in ein langweiliges deutsches Auto als in einen sehr spannenden KIA (Stinger). Geht mir ja genauso, wie ich mich oben auto-te.)

Das Design ist gelungen, vor allem das Interieur ist ansprechend. Selbst Emmanuel Macron wird da kaum meckern können. Die Geschichte mit der langen Historie des DS 19 ist ebenfalls nett, aber wichtiger wird, ob es DS heute schafft, sich im Premium-Bereich zu behaupten. Auf den ersten Blick wünsche ich es der Marke. Ich bin aber viel gespannter auf den zweiten.

danilo

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