Das große Nichts

Das große Nichts

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SLEAZE.SEXWORKER-Nichts1Auf diese Rezension hatte ich mich eigentlich gefreut. „Sexworker“ klang nämlich sehr interessant. Verschiedene Frauen, die in der Erotikbranche tätig sind, berichten von ihren Erfahrungen. Ein an sich spannendes Thema, aus dem man viel herausholen kann.

Leider auch ziemliche Kacke.

Der einzige Text, der mich halbwegs angesprochen hat, ist der, in dem eine Telefonerotik-Tante von ihrer Arbeit erzählt. Die Art, wie sie mit ihren Kunden interagiert, und welche Möglichkeiten sich ihr vor allem im psychischen Bereich auftun, ist tatsächlich etwas, über das es sich zu schreiben lohnt.
Für die anderen Geschichten (die, die ich gelesen habe – es waren aus gutem Grund nicht alle) gilt das leider nicht. Ich bin nicht der Meinung, dass eine Frau, die Yoni-Massagen anbietet, auch nur den geringsten Nachrichtenwert hat. Was soll das? Falls hier jemand Chauvinismus wittert: Über einen Mann, der anderen zeigt, wie man sich stilvoll einen schmettert, will ich auch nichts lesen. Und dass in einem Sexshop manche Leute rot werden und sich nicht trauen, konkret anzusprechen, was sie wollen, ist auch keine Überraschung.

Als ich die E-Mail mit dem Titel bekam, dachte ich, dass es dabei um Frauen geht, die „richtig“ in der Branche arbeiten, d.h. die mit ihrem Körper Geld verdienen. Sie hätten – wie es bei der Telefontante schon anklingt – interessante Geschichten erzählen können, gerade auf der psychischen, aber auch auf der körperlichen Ebene. Doch so wie das Buch im Endeffekt aufgebaut ist, kann man es sich getrost schenken.

Simon

Fakten:
Cornelia Jönsson, Silke Maschinger, Tanja Steinlechner
SEXWORKER
33 Frauen, die mit Lust arbeiten – Porträts und Interviews
312 Seiten, Taschenbuch
ISBN 978-3-86265-391-1
9,99 EUR (D)
Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag

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