Das Berlin Festival und die RFID(entitäts)-Krise

Das Berlin Festival und die RFID(entitäts)-Krise

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Badeschif und Partyboot unter sich.

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Guter Rap-Geheimtipp aus Finnland: Noah Kin

Das Berlin Festival gab sich letztes Wochenende die Ehre und SLEAZE war vor Ort. Nachdem der Platz vor manchen Bühnen letztes Jahr doch eher begrenzt war und die Anordnung der Bühnen doch einige Wünsche offen ließ, waren natürlich alle, einschließlich mir, auf die diesjährige Ausgabe gespannt.

Bezahlchip vs Kleingeld

Die Veranstalter hatten sich die Kritik des letzten Jahres zu Herzen genommen und die Bühnensituation war um einiges entspannter als ein paar Monate zuvor. Dies war aber nicht die einzige Neuigkeit. Auch der Zeitpunkt des Festivals wurde vom Spätsommer in den „Frühsommer“, naja, sagen wir lieber: in den Frühling verlegt. Was dazu führte, dass die sonst üblichen Sonnenstrahlen dieses Jahr wiederum sehr rar ausfielen. Und, um zur letzten Neuerung zu kommen: Festivalbändchen mit integriertem RFID-Bezahlchip. Ja, dieser Bezahlchip…was soll ich dazusagen. Auch nach drei Tagen inniger Bindung zueinander haben wir uns nicht wirklich angefreundet und ich bin durchaus froh über unsere Trennung, die direkt am Sonntagabend vollzogen wurde. In unserer dreitägigen Beziehung gingen wir gemeinsam durch die Phase des Neuen über die skeptische Begutachtung hin zu einem leichten Ausschlag bis hin zur Trennung in beiderseitigem Einverständnis. Das Konzept hinter dem Bezahlchip scheint recht simpel. Einmal den Chip mit Bargeld aufladen und

Badeschif und Partyboot unter sich.
Badeschif und Partyboot unter sich.

danach nicht mehr ständig nach den passenden Mützen in der Tasche kramen. Doch die Umsetzung war alles andere als einfach und schnell. Nachdem ich es durch den Ticketschalter auf das Festivalgelände geschafft hatte, musste ich mich erst einmal an einer Aufladestation anstellen, um hier mein Bargeld einer netten Dame persönlich in die Hand zu drücken, damit sie den Betrag elektronisch auf das Festivalband lädt. Doch nachdem ich das Geld endlich in elektronischer Form um mein Handgelenk hatte, musste ich meine Geduld erneut unter Beweis stellen, indem ich mich brav in die nächste Schlange einreihte und wartete, bis ich endlich an der Theke angekommen war und bestellen konnte. Dieses komplette Prozedere hat mich am Freitagabend gut und gerne über eine Stunde gekostet und der kleine, aber feine Beigeschmack der totalen Überwachung gab es für mich gratis dazu.

Musik kann zusammen bringen oder einen epileptischen Anfall auslösen
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Hauptsache laut und grell.

Naja, genug über die Rahmenbedingungen. Kommen wir zu dem worum es bei jedem Festival geht, die Musik. Neben Elektronik-Größen wie dem Berliner Fritz Kalkbrenner, der das Publikum Samstagnacht mit leichten Elektroklängen zusammen brachte, stand auch Westbam als Urgestein der elektronischen Tanzmusik auf der Bühne. Am Sonntag reizten Atari Teenage Riot die Bässe bis zum Anschlag aus und auch ihre Lightshow sah sehr nach hartem Epilepsie-Check aus.
Das an sich doch stark elektronisch angehauchte Lineup hatte aber auch für Musikliebhaber anderer Musikrichtungen einiges in petto wie z.B. die abwechslungsreichen Rudimental, die mit ihrer Bühnenshow zum Tanzen animierten. Auch der Auftritt des Post-Dubstep-Stars James Blake war für viele Besucher ein Highlight.
Natürlichen waren auch die allseits beliebten Blumenkränze und Einhorn-Luftballons am Start und machten das eh schon bunte Berlin Festival noch farbenfroher. Zu meinem Erstaunen erlebten auch die Knicklichter ihr eigenes kleines Revival. Das Festivalgelände an sich erinnerte SLEAZE.berlin-festival-gigantischmich stark an eine Kombination aus RAW-Gelände, etwas gewolltem Hippie-Treff und einem Party-Späti. Zwischen verschiedenen Essens- und Getränkeständen waren die einzelnen Bühnen aufgebaut, die leider auf den ersten Blick nicht alle direkt zu erkennen waren. Das Festivalgelände versprühte durch all die kleinen Stände und dem Art Village den typischen Berliner Charme.
Alles im allem war das diesjährige Berlin Festival trotzt des durchaus elektrolastigen Lineups musikalisch vielfältig und der Besucher merkte, dass die Kritik an dem nicht vorhanden Platz vor den Bühnen des letzten Jahres ernst genommen wurde. Ich persönlich hadere allerdings noch immer mit dem Festivalbändchen und muss gestehen, dass ich die Lineups der letzten Jahre doch um einiges mehr gefeiert habe.
Lisa

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