Das 99-Euro-Smartphone

Das 99-Euro-Smartphone

Intelligente Handys gibt es ja wie Sand am Meer. Neuere Topmodelle kosten da gerne schon vierstellig. Die französische Telekommunikations-Schmiede von Alcatel hat seit Mai mit dem U5 ein Sub-Hunni-Handy auf den deutschen Markt geworfen. Was bekommt man für einen so schmalen Preis? 25 Europaletten, eine mittelgute Kunsthaar Perücke, 200 Gramm Kobe-Rinderfilet z.B. Aber ein Smartphone? Ob das wirklich was kann? Finden wir's raus!

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SLEAZE + Alcatel-Smartphone U5
Passt gut in die Pranke

Erster Gedanke: Bei dem Smartphone kann es sich nur um ein Notfall-Telefon handeln, oder? Ok, das ist nicht nett. Aber da war er nun mal, der Gedanke.
Doch von vorn: Die Verpackung ist schon mal recht klein und billig. Ich werde ja direkt immer ein wenig skeptisch, wenn darauf mit Selfies geworben wird, aber bei so einem Preis hat man natürlich auch eine sehr junge Zielgruppe im (Selfie-)Fokus.
Im Karton findet man das Nötigste. Nebst den Anleitungen, Garantien und Warnungen in dreihundert Sprachen gibt es das Telefon mit Akku, Ladegerät und ein paar der obligatorischen, billig wirkenden In-Ears, die ich ja insgeheim immer Wegwerf-Kopfhörer nenne. Aber sofort positiv fällt ein Feature auf, was nicht jedes Handy hat, meiner Meinung aber haben sollte: Zwei Slots für SIM-Karten!

Ok, let’s get it on. Akku einlegen, Case hinten drauf drücken und ab an die Ladestation. Funktioniert erst mal, allerdings bin ich verwundert, dass nach einer halben Stunde Ladezeit das Handy nur wenige Prozente voller geworden ist. Es dauert eeewig, das U5 voll zu machen. Nutzen wir also die Zeit, uns das Design und die Verarbeitung genauer anzuschauen.

O-HA! Optik und Haptik

Von einem schicken, aber Spiderman-App gefährdeten Glas-Case ist man hier, zumindest hinten, verschont worden. Aus offensichtlichen Kostengründen ist das Gehäuse aus schlichtem, geriffeltem Plastik. Vorne sitzt ein Gorilla-Glas-Display. Die Knöpfe fürs Entsperren und lauter machen (leiser brauch man ja wohl nicht) sind sehr angenehm zu erreichen, insgesamt liegt das Gerät auch dank der runden Ecken angenehm in der Hand.

Die Themes und die Hintergründe kann man Android-typisch toll personalisieren, ansonsten unterscheidet sich optisch das Telefon kaum von anderen Smartphones. Geben wir doch mal zu, fast alle sehen gleich aus: schwarz, flach, kaum Knöpfe.

Praktische Praxis

8 1/2 Jahre später war das Alcatel U5 endlich auf 100% vollgeladen (Zugegeben, es waren 4,5 Stunden). Anschalten, Google-Konto einrichten und tadaa, das U5 steht da wie eine Eins. Die Zahl oben rechts hat sich auch direkt um die Zahl eins verringert – der Akku ist ein echter Schwachpunkt!

SLEAZE + Alcatel-Smartphone U5
Selfie-Hundi

Der erste Blick fällt – wohin auch sonst? – auf das 5-Zoll-Display mit seinen 854 x 480 Pixeln. Es ist ok, aber nicht der Hammer. Aber… man kauft sich auch kein Busticket und erwartet dann, mit einem Porsche chauffiert zu werden.

Machen wir uns ein Bild vom (Bewegt)Bild

Als Nächstes machen wir das, was jeder mit seinem neuen Taschencomputer macht – Kameras testen und Fotos machen. Die Frontkamera mit ihren 8mp ist selbst mit Blitz recht eingeschränkt. Die 5mp für die Selfies reichen aber voll aus. Wir warten ja schon länger auf ein Gerät, wo die Selfie-Kamera besser ist als die Front…es kann nicht mehr lang dauern. 🙂

Die Bildkanten sind nicht gerade  scharf und bei Dunkelheit rauschen die Bilder recht heftig. Trotzdem: Insgesamt sind die Kameras für den Gesamtpreis vernünftig.

Ein paar praktische Funktionen wie beispielsweise die Collage-Funktion kommen auch noch ums Eck. Nein, Collage hat nichts mit Bildung zu tun, sondern mit mehreren Bildern, die man aneinanderfügen kann. Coole Funktion, die der Handy-Generation sehr gefallen dürfte!

SLEAZE + Alcatel-Smartphone U5
Farben kann es

Sprinter oder Schnecke?

Weiter geht’s mit dem, was Smartphones von Nicht-Smartphones (Dumbphones?) unterscheidet: die Apps und die Internetanbindung.
An Arbeitsspeicher haben wir ein (!) sattes Gigabyte, ein Quad-Core-Prozessor wohnt in dem Ding und eben ein LTE-Modul ist geilerweise auch mit an Board. Das macht das Telefon zwar nicht schnell, aber es funktioniert solide.

Apps, die zur Grundausstattung gehören, funktionierten recht flüssig. Das liegt auch am vorinstallierten Android 6.0. Mit einigen großen Anwendungen aus dem Internet hatte es zu kämpfen oder sie gingen nicht (Bsp.: das Rennspiel Asphalt 6).

Achtung! Bevor du anfängst, das Telefon mit Apps, Fotos und Musik vollzumüllen – den internen Speicher kannst du dafür getrost vergessen. Theoretisch hast du zwar 8 GB unter den Fingerspitzen, aber effektiv steht dir nur knapp 1GB zur Verfügung. Immerhin kannst du die Kapazität mit einer microSD-Karte um 32 GB wachsen lassen.

SLEAZE + Alcatel-Smartphone U5
Kamerascheu

Noch ein tolles Feature: wenn man die Schnauze von zu viel Erreichbarkeit voll hat, einfach das Smartphone auf den Screen legen. So sieht man nichts mehr und das Teil ist stumm. Geile Funktion! Schade nur, dass das nicht auch bei so manchen Menschen funktioniert.

Fazit: Appschließend kann man sagen, das U5 von Alcatel macht für Smartphone-Neueinsteiger Sinn. Allerdings nur bedingt für Kids, denn die wollen zocken.
Für ein Zweittelefon finde ich auch den Akku nicht gut genug.

Chris

Name: Alcatel U5
Display
: 480 x 854 Pixel
Ram: 1 GB
Rom: 8 GB
Akku: 2.200 mAh
Maße: 140,7 x 71,8 x 9,95 mm
UVP: 99,- Euro

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