Dampf mit Augnzwinkean

Dampf mit Augnzwinkean

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SLEAZE hat sich in einem netten Café in der Nähe der Warschauer Straße mit Dicht & Ergreifend getroffen. Passende Gegend für richtige Rapper, unpassende Gegend für das gemütliche Bistro. Was uns die gebürtigen Bayern dann aber erzählt haben und vor allem ihre Musik, ist irgendetwas dazwischen.

Dicht & Ergreifend machen nämlich bayerischen Hip Hop. Aa de vo außerhalb kommendn hobn do scho a Vorstellung, wia des klingn kannt. Aber wie die Musik dann tatsächlich ist, überrascht doch. Trotz traditioneller Instrumente wie Tuba und Trompete bringen die Rapper samt DJ doch etwas Neues und Außergewöhnliches zustande. Wir haben versucht, die Frontmänner Fabian und Michael, auch als Lef Dutti (LD) und Georg Urquell (GU) bekannt, durch Fragen (und einigen Nachfragen) besser zu verstehen…wortwörtlich.

Was genau macht ihr bei Dicht & Ergreifend? Wer ist noch dabei?

LD: Ich mache die Beats und schreibe Texte. Also ich bin sozusagen Rapper und Produzent.
GU: Ich schreibe auch Texte und helfe beim Arrangieren der Musik.
LD: Gemeinsam verfeinern und versvollständigen wir dann. DJ Spliff und DJ Arok gehören noch dazu. Live gibt es dann noch Tuba und Trompete. Auf der Bühne sind wir zu Fünft.

Woher kam die Idee, mit Dialekt zu rappen?

GU: Es war eigentlich nur eine Just-For-Fun-Nummer und blöderweise haben wir dann noch ein Video dazu gemacht. Dann kamen Anfragen rein, ob wir nicht mal auftreten möchten. Aber wir konnten eben nicht, weil wir nur diesen einen Track hatten. Dann haben wir angefangen, ein paar mehr Songs zu machen mit dem Plan v,ielleicht eine EP for free rauszuhauen. Aber mit den Anfragen hat es irgendwie nicht aufgehört, dann dachten wir, dass wir auch gleich ein Album machen können.

Im Mai habt ihr eure erste Platte „Dampf der Giganten“ veröffentlicht. Um die Ironie in euren Texten zu verstehen, muss man die Lieder auf jeden Fall öfter hören. Ist das beabsichtigt, dass man eventuell nicht alles beim ersten Hören versteht (nicht nur wegen des Dialekts)?

LD: Die Ironie ist bestimmt gewollt und wahrscheinlich auch unvermeidbar, die kommt einfach von alleine. Das ist einfach eine interessante Art Lieder zu schreiben, wenn es vielleicht noch eine zweite Ebene gibt.

GU: Wir wollen auf jeden Fall nicht nur Zeigefinger-Musik machen. Das gibt es manchmal auch, aber wir wollen eigentlich entertainen und es soll vor allem Spaß machen. Trotzdem soll es nicht so flach sein, dass man es nur einmaSLEAZE.Dicht & Ergreifend.Interview3l hört und dann ist das Thema durch. Beim Rap ist es ja oft so, dass man erst nach einem halben Jahr in einem Track wieder etwas entdeckt, dass man vorher nie gecheckt hat.

Am 02. Oktober habt ihr ein Konzert mit Kraftklub in Kiew gespielt. Wie hat sich das ergeben und wie war es dort aufzutreten?

LD: Das war eine Charity-Veranstaltung der Organisation GIZ (Gesellschaft zur Internationalen Zusammenarbeit). Da es eine Art deutsch-ukrainischer Austausch war, wurden mehrere deutsche Bands gefragt, ob sie auf dieser Party spielen wollen und wir wurden auch angefragt.
GU: Es ist ja ein komplett anderes Land mit anderer Kultur. Das Publikum waren vor allem sehr junge Leute, der Eintritt war frei und es war ein richtiger Konzertklub. Der war auch voll, mehr als 1.000 Leute und wir durften als Erstes spielen. Die Resonanz war überwältigend und sogar die deutsche Delegation dieser Organisation hatte Probleme, uns zu verstehen. Die Ukrainer sind aber voll mitgegangen und haben richtig Gas gegeben. Wir waren natürlich voll motiviert, außerhalb von Deutschland spielen zu dürfen und Kraftklub zu sehen. Die Energie der Leute war ein auch nochmal ein riesen Motivationsschub.
LF: Die Menschen waren auch ziemlich musikhungrig, irgendwie anders als in Deutschland.
GU: Ich hatte den Eindruck, sie seien dankbarer. Also bei den passiert ja kulturell auch einiges, aber die fanden es total krass, dass Bands umsonst spielen. Das war schon echt schön.

Wenn man Artikel über euch oder das Album anschaut, liest man auch oft von Bands wie Wanda oder La BrassBanda, obwohl sie ganz andere Musik machen als ihr. Stören euch Vergleiche wie diese?

GU: Es gab auch komischerweise schon Deichkind-Vergleiche.
LD: Eigentlich ist das egal. Aber ich finde es schon komisch, dass es diesen Vergleich gibt, nur weil der Dialekt da ist. Das ist komplett was anderes. Wanda zum Beispiel machen Ohrwurm-Kinder-Lieder. Damit kann man unsere Musik überhaupt nicht vergleichen, textlich und musikalisch, mit La BrassBanda vielleicht ein bisschen, aber nur wegen der Blasinstrumente. Wir beschränken uns ja auch nicht nur auf diese, sondern bei uns gibt es alle möglichen Instrumente, Elektro und Sampler. Die Musik entsteht bestimmt ganz anders als bei uns.
GU: Das sind eben alles wirkliche Musiker, was wir nicht so sind.

Ihr seid ja momentan schon auf Tour. Was kann man erwarten von euren Shows? Habt ihr vielleicht besondere Gäste oder Aktionen?

GU: Also in Berlin ist Monaco F. dabei, der erste der sich getraut hat, auf bayerisch zu rappen. Da spielen wir ja im Badehaus Szimpla vor 200-250 Leuten. Der Vorverkauf läuft auch ganz gut, dafür dass wir in Berlin als Mundart-Rapper eigentlich nicht so viel zu suchen haben.

Hättet ihr denn gedacht, dass auch Leute außerhalb von Bayern eure Musik hören wollen?

LF: Wollen sie das? Das wissen wir ja noch gar nicht. Wir wollen erst die Shows spielen und dann darüber urteilen.
GU: Berlin wird gut, weil wir schon so lange da sind und viele Freunde hier haben. Es gibt ja auch in jeder großen Stadt viele Leute aus Bayern.
LD: Die meisten Konzerte sind ja auch in Bayern. Nach München kommen viel mehr Leute als nach Aschaffenburg oder Würzburg im Norden. Wir sind dort einfach nicht so bekannt wie in Niederbayern oder Oberbayern und das wahrscheinlich auch wegen der Sprachbarriere. Selbst innerhalb von Bayern versteht uns nicht jeder mit dem tiefen Bayerisch und je weiter man in den Norden von Deutschland kommt, desto schwieriger wird es.

Welche Musik hört ihr denn selbst?

GU: Es gibt bei uns auf alle Fälle den Rap-Fokus. Aber gestern zum Beispiel haben wir uns zwei Stunden Klassik auf dem Nachhauseweg angehört. Eigentlich alles was geil ist. Kraftklub ist der Shit einfach.

Guckt ihr euch Liveauftritte von anderen Bands an, um euch vieSLEAZE.Dicht & Ergreifend.Interview2lleicht was abzuschauen oder inspirieren zu lassen?

LD: Bei La BrassBanda auf jeden Fall, die sind sehr beeindruckend, was den Liveauftritt angeht. Wir machen wenig genauso, aber die sind top. Wir münzen aber nichts direkt auf unsere Show um. Nur so Kleinigkeiten schaut man sich immer wieder mal ab.
GU: Ich schaue auf jeden Fall jetzt erst bewusst darauf, wie sie mit dem Publikum arbeiten. Man versucht natürlich jedes Mal, die Leute noch mehr mitzunehmen und noch mehr zu catchen. Da gibt es halt schon ein paar Formeln, wie das funktionieren kann. So eine Band wie Kraftklub, die nach einem spielt, guckt man sich dann ganz anders an, als wenn man ganz normal seine Karte gekauft hätte. Die Bands stehen ja nicht umsonst da, wo sie stehen und am meisten reißt man eben live die Leute mit. Das Album muss gut sein, aber die Leute müssen die nächsten vier Tage bei der Arbeit von nichts anderem reden außer, dass sie gerade auf einem geilen Konzert waren.

Bedeutet das, seitdem ihr selber Musik macht, schaut ihr euch Konzerte jetzt aus einem ganz anderen Blickwinkel an als vorher?

GU: Ja, auf jeden Fall. Ich kann neben der Bühne auch immer überhaupt nicht glauben, dass ich gerade da oben gestanden habe oder gleich da stehen werde. Bei Monaco F., der macht das ja schon viel länger als wir, ist das immer noch so.

Habt ihr schon Pläne, wie es nach der Tour weitergehen soll?

GU: Momentan ist es so viel mit der Tour und in der Woche bin ich in Berlin, am Wochenende meist in Bayern. Ich hab gar kein richtiges Ventil, schreiben zu müssen. Aber der Ideenzettel wird voller. Ein paar Sachen stauen sich an, sodass man wenn Zeit ist, auch wieder schreiben kann.
LD: Es ist auf jeden Fall geplant, wieder neue Musik zu machen und ein neues Album. Wir sind aber natürlich noch nicht direkt an der Arbeit, jetzt ist ja erstmal die Tour.

Genau, und für die gibt es nicht mehr allzu viele verfügbare Karten! Viele Shows sind schon ausverkauft. Doch wie der Zufall es will, hat SLEAZE noch Karten für Dicht & Ergreifend. Wir verlosen nämlich Tickets für Berlin und Ingolstadt.

Was gewinnt man? 1×2 Tickets für das Konzert im Badehaus Szimpla in Berlin am 20.11. und 2×2 Tickets für die Show im Kulturzentrum neun in Ingolstadt am 27.11.2015
Wie gewinnt man? Indem man die folgende Frage per Mail!!! mit Betreff eingefügt beantwortet und die Antwort NICHT hier postet. Ja, das klingt logisch, aber es werden immer wieder die Antworten unter den Beitrag gestellt. Warum auch immer…
Betreff einfügen: Obhottn in [Stadt deiner Wahl]
Frage beantworten: Wie heißt der älteste deutsche Dialekt, von dem es Aufzeichnungen gibt, den aber niemand mehr spricht?
Betreff und Antwort schicken an: geschenke@sleazemag.de
Einsendeschluss: 17.11.15
Infos: Bei alkoholischen Getränken oder erotischem Spielzeug und einigen Veranstaltungen ist Volljährigkeit Voraussetzung. Wir finden das auch schade, wie du dir denken kannst. Bitte jedenfalls unbedingt das Geburtsdatum bei solchen Verlosungen mitschicken.
Daten: Sinnvoll ist, ggf. die Handynummer mitzuschicken, weil manchmal Organisations- oder Zustellprobleme auftauchen. Die wird wie deine anderen Daten natürlich vertraulich behandelt.

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