Credibil: Hip Hop auf einem anderen Level

Credibil: Hip Hop auf einem anderen Level

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SLEAZE + Credibil
Ob er über neue Tracks nachdenkt? (Foto geschossen mit danilo’s geklautem Handy)

Ob die Alkoholiks von dem Rapper Credibil sprachen, als sie einst über The Next Level sangen? Es würde passen, denn der Frankfurter wurde 1994 (in Marburg) geboren – wenige Monate, bevor das Lied das Licht der Welt erblickte.

Wir hätten Tha Alkoholiks gern dazu befragt, aber da Tash kein Visum bekam, konnte er uns leider nicht in Berlin besuchen. DAAAM! (Ein anderer großartiger Track der Liks!) Aber zum Glück konnten wir davor wenigstens Credibil in Frankfurt treffen und mit ihm über den heutigen Stand von Hip Hop, seine Lieblingsautomarke Opel und andere Weltthemen reden.

Wer ist Credibil?

Credibil ist ein Rapper, der im unschönen Umfeld des Frankfurter Bahnhofs aufwuchs, aber dank Intelligenz und sicher auch etwas Glück nicht von diesem herabgezogen wurde.

SLEAZE + Credibil, photo by Mark Mattingly
Vor der einstigen Arbeitsstätte.

Das wirkte sich auch positiv auf seine Texte aus, die er u.a. während seiner langweiligen Arbeit im Objektsschutz (frei übersetzt war er Gebäudebewacher) schrieb.

Eines dieser frühen Lieder landete in den Ohren von Kool Savas. Die sozialen Medien streuten dessen Begeisterung für Credibil und inzwischen wird er von einem anderen Veteranen des deutschen Hip Hop unterstützt: Moses Pelham.

Moses wurde früher als treibende Kraft des Rödelheim Hartreim Projekt bundesweit bekannt, weil sie zum ersten Mal Mainstream-tauglichen deutschen Straßenrap zauberten – und damit ein interessantes Gegenstück zur Sonnenschein-Gruppe Die Fantastischen Vier.

Doch bereits davor konnte Credibil mit seinem Debüt einiges an Aufmerksamkeit einfahren. Das gelang ihm durch eine komplexe Mischung aus Ghetto und emotionalen Texten. Oder anders gesagt: Erol hat sein Leben in Musik gepackt.

Und das war für viele, die nicht nur dem Mainstream zugeneigt sind, eine Offenbarung. Endlich mal wieder jemand, der wirklich authentisch ist und seine Gefühle nicht immer nur in Wutgesichtern ausdrückt – auch wenn bei unserem Foto-Shooting das ernste Gesicht doch immer wieder durchkam.

SLEAZE + Credibil, photo by Mark Mattingly
Macht Spaß!

Aber Credibil bleibt sich treu. Und wenn man mit ihm ins Gespräch kommt, merkt man, dass dieser Typ tatsächlich eine Menge nachdenkt und in die Tiefe geht, obwohl manche Lieder so locker-lässig daherkommen, als wenn ihm das so nebenbei aus dem Ärmel fällt.

Und das ist eine der großen Pluspunkte bei Rapper: Kontraste, die zeigen, wie vielseitig Menschen sein können. Sieht man diesen Erol Peker von Weitem, würde er wohl hierzulande einfach in die Schublade Ausländer gepackt: Dunkle Augen, dunkle Haare, und dann auch noch – OMG! – ein Gesichtstattoo.

Ob der Mensch wirklich „Ausländer“ ist, ist dabei Nebensache. Genauso, warum Ausländer immer nur dunkle Haare haben. Schweden und Niederländer sind offenbar nie Ausländer. Credibil beschäftigt sich mit diesen gesellschaftlichen Widersprüchen – und macht seinen Mund auf. Es lohnt sich also bei ihm, genau hinzuhören.

SLEAZE + Credibil, photo by Mark Mattingly
Intelligentes aus dem Opel-Cockpit.

Ein weiterer charmanter Kontrast: Wir sind mit Erol unterwegs, er zeigt uns mit seinem Opel-SUV seine Lieblingsecken in Frankfurt. Wo er aufgewachsen ist, wo er geprägt wurde, die coolen Ecken und die naja, authentischen Ecken.

Da Opel ja nicht die erste Marke bei vielen Rappern ist, muss ich da natürlich nachhaken. Er erzählt, dass er Opel von klein auf liebt und in der Gegend die Automarke mit dem Blitz einfach immer noch die Macht ist. Das wird auch in seiner persönlichen Auto-Historie deutlich: Credibils erster Wagen war ein Astra von 1996, dann folgte das Upgrade: ein Insignia von 2009.

Nun arbeitet er sogar mit Opel zusammen und ist damit natürlich sehr happy. Er erwähnt scherzhaft, dass er irgendwann noch auf eine Tankkarte hofft (Ey Opel, falls ihr das hier lest… ;), aber mit seinem neuen, schicken Grandland X wirkt er doch sehr zufrieden.

SLEAZE + Credibil
Represent! Rap präsent!

Zurück zur Musik

Credibil veröffentlicht inzwischen auf seinem eigenen Indie-Plattenlabel namens Traumfaenger. Das hatte er sich nicht träumen lassen, als er 2013 sein dann viel beachtetes „Deutsches Demotape“ veröffentlichte.

Doch eigentlich ist das gar nicht so überraschend. Hört man dem Frankfurter zu, dann findet man so einiges, mit dem man sich selbst identifizieren kann. Das liegt wohl einfach daran, dass es hier nicht um Image, Bitches oder anderes „Zeug“ geht, sondern um ehrliche Dinge und Gefühle.

2015 folgte dann der Durchbruch mit Renæssance. Für manche avanciert das vielschichtige Album zu einem Klassiker. Trotzdem – und das finde ich persönlich sogar besser, auch wenn ich Credibil mehr wünsche – bleibt der Rapper ein Underground-Phänomen.

Und das wird sich wohl auch mit seinem Ende 2018 veröffentlichten Semikolon nicht ändern. Denn komplexe Themen sind logischerweise nicht so leicht zugänglich wie z.B. die Inhalte des (nicht witzigen) Comics namens Bild Zeitung.

SLEAZE + Credibil, photo by Mark Mattingly
Mach achte auf dieses Zeichen!

Stehst du aber mehr auf Substanz, dann bist du bei Credibil richtig. Und darum empfehlen wir dringend, sich seine Sachen anzuhören. Und wer eh Hip-Hop-Fan ist und auf dem Splash unterwegs, kann und sollte sich Erol dort natürlich auch live reinziehen.

Wir sehen uns dann da!
danilo

alle Fotos: Mark Mattingly

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