Creative SXFi: S(e)X(y)Fi dein Holodeck

Creative SXFi: S(e)X(y)Fi dein Holodeck

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In Zeiten von Tinder & Co versuchen sich der gemeine Aufreißer, die gemeine Aufreißerin und alle dazwischen stets von ihrer besten Seite zu präsentieren. Dabei gilt es, sich im Höchstmaß zu sexifizieren, denn Sex sells ja angeblich am besten (oder erhöht zumindest die Aufmerksamkeit, wie die aktuelle Debatte um die „Helm-Kampagne“ wieder einmal beweist).

SLEAZE + Creative SXFi
Schicke Headhunter: die Aurvana Trio

Was macht aber nun die Reihe von Kopfhörern aus dem Hause Creative aus, die sich mit dem Label „Super SXFi“ schmücken? Ganz sicher ist zumindest, dass sie auch auf Partner- oder vielmehr Kundensuche sind.

Creative klärt uns auf der Webseite schon mal über den eigentlichen Zweck auf: Man soll „Magische KlangrealitÄt Erleben“. Was der Buchstabensalat in dieser Wortgruppe soll, kann ich nun auch nicht genau sagen, zumindest trägt auf unserer Seite beim Abtippen nicht der Praktikant die Schuld.

Zumindest geht es auf der Seite auch gleich fröhlich weiter mit den Marketingphrasen, die dann aber auch langsam zum Aha-Effekt führen.

„Super X-Fi erfasst das Hörerlebnis eines High-End-Multi-Lautsprechersystems im Tonstudio und erzeugt das gleiche räumliche Erlebnis – mit der ursprünglichen Tiefe, dem Detail, dem Realismus und der Immersivität – in Ihrem Kopfhörer.“

Es folgen etliche Bauchpinselungen begeisterter SXFi-Hörer und -Redakteure. Na, das klingt doch schon mal sehr interessant. Lass uns da mal reinhören.

Zeit für Sexy Time!

Das eingetrudelte Setup besteht aus der SXFi Amp, den AURVANA TRIO-Ohrstöpsel-Kopfhörern, SXFI AIR-Kopfhörern und den „AURVANA Special Edition“-Kopfhörern, die es wohl zum Kauf der Amp als Dreingabe gibt.

SLEAZE + Creative SXFi
Meine heutigen Spielzeuge.

Die SuperXFi Amp flüstert mir ins Ohr, am Vielseitigsten zu sein, da man an ihr beliebige Krachmacher anklinken kann und irgendwie sollte sie somit auch mit meinem Desktoprechner kompatibel sein, wo sich die meisten meiner Medienquellen aufhalten. Der Verbindungsversuch nahm mangels fehlenden USB-Kabel erst mal ein schnelles Ende, was aber gar nicht mal so schlimm war, da die Einrichtung des eigenen Profils sowieso nur mit der Smartphone App funktioniert.

Hier darf man sich nach der App-Installation auch endlich mal wieder registrieren, bevor man auch nur einen Schritt weiterkommt. Dafür bin ich immer sehr dankbar. #ironie

Die weitere Einrichtung des eigenen Profils erfolgt dann nicht ohne ein paar spannende Schlüsselmomente. Das Fotografieren des eigenen Antlitzes wurde ja zum Glück schon bis zur Vollendung geprobt. Auch half hier eine Maske, wo nun welcher Gesichtsteil zu sein hat.

Beim Fotografieren der eigenen Ohren hätte man hingegen auf die Empfehlung hören sollen, eine zweite Person hinzuzuziehen. Zum Glück habe ich aber eine multiple Persönlichkeit und einen Spiegel noch hinzu und so gelang es uns nach ein wenig Gefrickel, auch beide Ohrmuscheln für die digitale Ewigkeit zu konservieren.

SLEAZE + Creative SXFi
Hier wird tatsächlich dein Ohr ausgemessen…

Das Setup stand nun also. Zur Auswahl in der SXFi App, welche auch erst mal als Player herhalten muss, um die Sexiness abzuspielen, hatte ich lediglich einen Demo-Song und “Das Schlimmste ist, wenn das Bier alle ist.” von den Kassierern zur Auswahl. Die Auswahl war somit klar.

Song gestartet, gehört und dann mal den SXFi-Knopf der App ausprobiert und sofort fand ich mich auf einem akustischen Holodeck wieder, wie ich es mir schlimmer kaum hätte erträumen können. Der Sound nahm mich mit in meine frühen Veranstaltungsjahre auf Plätze vor vibrierenden Technobunkern oder in den Nebenraum von Punkkonzerten in alten Kellern.

Die Stimmen der deutschen Liedermacher wurde recht hallig und wirkten entfernt. Das kommt nun schon mal den Marketingversprechen von Creative sehr nah, den Sound aus dem Kopfhörer heraus in den Raum zu befördern. Aber muss das nun so mistig klingen?

Ortswechsel.

Ich gehe einen Meter zum Schreibtisch rüber und packe die nächsten Kopfhörer aus. Vielleicht ist das SXFi Air Headset doch besser geeignet. Es hat einen eingebauten SXFi-Prozessor und kann so theoretisch mit jeder Quelle betrieben werden, nachdem man sein Profil auf die Kopfhörer importiert hat. Betreiben kann man die Kopfhörer über Bluetooth, Klinkenkabel, USB-Kabel (hier auch mitgeliefert) oder mittels Micro-SD-Karte ganz ohne lästige additive Abspielgeräte. Ich bin schon mal schwer begeistert.

Das Übertragen des eigenen Hör-Profils vom Telefon über Bluetooth klappt irgendwie schon mal nicht. Das Headset taucht immer mal in der Liste auf, verschwindet aber auch immer mal wieder, dann connectet irgendwas, aber ob dabei schon das Profil übertragen wird, weiß vermutlich nicht mal Creative.

Zum Glück gibt es noch eine PC-App, mit der nach Anmeldung (zum Glück musste ich mich ja in der Smartphone App registrieren) auch relativ einfach das Profil übertragen werden konnte. War ich nun endlich startklar in eine bessere auditive Zukunft?

Der PC-App war es zum Glück auch egal, was man so für Inhalte abspielte und woher die kamen. Beim SXFi Air funktioniert die Holophonie auch ohne App. Die Kopfhörer an sich bieten den Lauschern schon eine sehr angenehme Musikqualität, mit der man sich mal schön durch den SoundCloud-Stream arbeiten kann.

SLEAZE + Creative SXFi
Kopf erfolgreich für die Geheimdienste vorbereitet…

Au-thentisch live

Bei Druck auf den SXFi-Knopf des Headsets entfaltet sich nun wieder die Magie. Das Klangbild wird dem Kopf entrückt und bei gewissen elektronisch verwaschenen Stücken macht das nun plötzlich sogar Spaß beim Hören. Der Hall, die gefühlte Entfernung zur Musik und das Verwaschene lassen Gefühle an die Hammerhalle aufkommen.

Der Übergang zu meinem neuesten Acud-Lieblingslied Matjesfilet geht auch noch gerade so, doch bei den hohen Tönen wird es schon langsam kritisch und beim Einsetzen des Gesangs muss ich mir doch wieder vom Glauben abgekommen und leicht schmerzverzerrt die Kopfhörer von den Ohren reißen. Irgendwas haut da gar nicht mehr hin.

Das klingelt nur noch im Gehirn und ich habe eher das Gefühl, als hätte jemand eine Kreidetafel an meine Synapsen angeschlossen und kratzt da mit seinen Fingernägeln schön drauf rum. Aua.

Das Abspielen einiger Lieder der Band Air darf natürlich bei einem ordentlichen Soundcheck nicht fehlen. Schon gar nicht auf einem Kopfhörer mit dem Nachnamen “Air”. Auch hier gestaltete sich das Hörbild doch sehr differenziert. Einige Songs waren ok, bei anderen fragte man sich wirklich nur noch, ob der Musikproduzent eigentlich den Kopfhörerhersteller verklagen darf, wenn dieser sein mühselig gemastertes Produkt so verhunzt.

Vielleicht ist das Problem ja auch nur eine Umstellung im Gehirn. Zuerst dachte ich, dass die Neuberechnung des Soundsignals allgemein furchtbare Sachen aus höheren Tönen und Sprache machte, dies widerlegte ich aber mit einer ordentlichen YouTube-Video-Palaver-Session.

Nach einiger Zeit hatte man sich tatsächlich an die blecherne Stimme gewöhnt und ich hatte immer wieder den Anschein, dass der Kollege tatsächlich aus meinen Monitor-Lautsprechern redet und nicht aus dem Kopfhörer. Seltsam das alles.

Die Anhänger von Live-Konzerten in akustisch minderbemittelten Räumlichkeiten dürften sich mit dem SXFi-System also doch eine kleine Freude in die eigenen vier Wände holen. Ebenso die Fans des gepflegten Filmerlebnisses, wenn sie viel Wert auf Räumlichkeit legen und die Ehefrau nur Kopfhörer erlaubt.

SLEAZE + Creative SXFi
Optisch alles schick, aber akustisch ausbaubar.

Genießer von fein abgemischter Studioqualität lassen den SXFi-Knopf lieber ausgeschaltet, dann geben die Kopfhörer tatsächlich auch alle ein passables Klangbild von sich.

Die Redaktion rät dennoch, lieber die heimische Anlage mal wieder ordentlich auszufahren. Dies hält einerseits die Einbrecher fern, sorgt aber in einsamen Zeiten auch für überraschend viele Partygäste.

Matthias

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