Coole große Brüder

Coole große Brüder

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Rüfüs sind die australischen Chartstürmer Tyrone, Jon und James. Direkt vor ihrem Konzert im Bi Nuu in Berlin sind wir mit ihnen in der neuen Baumhaus Bar verabredet. Pünktlich kommen sie zur Tür herein. Zuerst Jon, dann Tyrone – aber wo ist James? Die übrigen Bandmitglieder erzählen uns, dass sie das selber nicht genau wissen, weil James nicht mit ihnen mitgefahren ist. Sie hoffen einfach, dass er pünktlich kommt. Gesprächig waren sie trotzdem und haben erzählt, wie ihr neues Album „Bloom“ – inklusive der bekannten Songs „You were right“ und „Like an animal“ – in Berlin entstanden ist und was Bier und Mikrofone gemeinsam haben.

Ihr habt ja für eine Weile in Berlin gelebt. Wann und wie lange wart ihr hier?
Tyrone
: Ja, wir sind Ende August hierhergekommen und Weihnachten waren wir wieder zu Hause. Dazwischen sind wir aber auf Tour gegangen. Also wir waren zwischendurch fast einen Monat in den USA und sind dann im November für sechs Wochen noch mal hier gewesen.
Jon: Als wir zurückgekommen sind, wurde es uns wirklich zu kalt hier. Wir sind dann ungefähr eine Woche vor Weihnachten nach Hause gefahren. Es hat auch geschneit und alles.

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Mit Jon und Tyrone im Nebenraum der Baumhaus Bar über dem Musik & Frieden.

Warum wolltet ihr gerade in Berlin wohnen?
Tyrone:
Ein Jahr davor waren wir schon mal hier, um uns die Stadt anzuschauen. Unser Manager hat uns das empfohlen, weil er die Stadt liebt. Als wir hier waren, haben wir uns auch sofort verliebt. Damals haben wir in einem Airbnb-Haus gelebt für drei Wochen. Also sind wir wieder hierher und haben angefangen, Musik zu schreiben für das neue Album „Bloom“ – in dem gleichen Haus. Wir haben uns in alles verliebt hier: die Musik, die Kultur und die Leute. Auch viele der Musik-Acts, die uns beeinflussen, leben hier.

Was habt ihr noch in Berlin gemacht außer eurer Musik?
Tyrone
: Wir haben Fahrräder gemietet und sind damit durch die Stadt gefahren.
Jon: Wir waren auch öfter im Kino und auf den Weihnachtsmärkten.
Tyrone: Mit den Filmen war es wirklich lustig. Es war echt schwer Kinos zu finden, die den Film auf Englisch zeigen. Wir haben hier erst herausgefunden, dass jeder Schauspieler immer die gleiche Synchronstimme hat. Das wusste ich vorher nicht. Also wenn zum Beispiel Brad Pitt mal einen anderen Synchronsprecher hat, dann ist das für die Leute nicht Brad Pitt. Das war echt lustig für uns.

Habt ihr euch in Berlin auch die Shows anderer Musiker angeschaut?
Jon: Ja, wir haben SBTRKT gesehen und Moderat.
Tyrone: Eats Everything, David August auch und Trentemøller. Wir haben eben auf dem Berlin Festival gespielt, dort haben wir viele gesehen.
Jon:
Ich war noch beim Diynamic Showcase.

Seid ihr auch zum Feiern in die Clubs gegangen?
Jon
: Ja, wir waren im Watergate und im Berghain. Aber es gab auch noch andere Orte, die ich echt mochte. In einem Haus gab es so ganz viele verschiedene Räume und in der Ecke hat jemand mit so ganz viel Equipment auf der Bühne gestanden und Dance-Musik gespielt. Das war toll.

Habt ihr auch ein bisschen Deutsch gelernt?
Tyrone
: Darin waren wir echt schlecht. Um ehrlich zu sein, wir hatten sogar eine App auf unseren Telefonen, die uns das beibringen sollte. Wir wollten auch üben bevor wir herkamen, aber immer wenn wir irgendwas sagen, reden sowieso die meisten Englisch mit uns. Wir haben es also nicht wirklich gebraucht. Wir waren auch meistens in unserem Airbnb-Haus und haben geschrieben. Da haben wir auch nicht so viele neue Leute kennengelernt.

Habt ihr denn wenigstens ein paar deutsche Musiker oder DJs getroffen?
Jon: Ja, wir haben
Booka Shade getroffen, die wir auch sehr bewundern. Das war echt toll. Dann haben wir auch Martin Eyerer getroffen, der sein eigenes Studio hat. Die Riverside Studios, wo Booka Shade auch schreiben.
Tyrone:
David August haben wir auch getroffen nach seinem Konzert und auch im Studio.

Wie viel Berlin steckt denn dann in eurem neuen Album „Bloom“?
Tyrone:
Sehr viel. Es hat das ganze Album beeinflusst. Den Grundriss von fünf Liedern haben wir hier geschrieben und die sind auch auf dem Album geblieben. Vieles wurde aber auch in Australien geschrieben. Dort haben wir es auch fertig gestellt. Einige Songs haben wir sogar in Hotelzimmern fertig gestellt, zum Beispiel in Montreal und auch unterwegs. Einfach weil wir auf Tour waren, aber da mussten wir nur noch ein bisschen machen. Das Meiste wurde in Berlin und Sydney geschrieben.

Warum habt ihr eigentlich zwei Üs im Namen? Den Buchstaben gibt es ja fast nur in der deutschen Sprache.
Jon:
Deutschland ist einfach so weit weg für uns und so schlecht wie wir Deutsch sprechen, klingt es durch die Üs ausländischer. Vielleicht sogar für Deutsche, weil es ja gleich zwei sind. Dadurch wirkt es nicht so, als wäre es überhaupt aus irgendeinem Land. Das ist gut für uns, weil dadurch niemand irgendwelche Vorurteile darüber hat, wo unsere Musik herkommt. Es klingt einfach wie aus einem Land im Nirgendwo.
Tyrone:
Das weit weg für jeden ist. Es klingt wie ein Urlaubsziel für uns.

Musikalisch kommt ihr alle drei doch aus ganz unterschiedlichen Richtungen. Was habt ihr vor Rüfüs so gemacht?
Tyrone:
In der Schule habe ich in ein paar Bands gespielt. Das waren eher so Rock- oder Metal-Bands. Dann habe ich selber auch was gemacht, das mehr so Akustik und Alternative war. Das war aber nicht so richtig ernst, wir haben nur ein paar Sachen ausprobiert. Als wir zusammen angefangen haben Musik zu machen, war das zuerst genauso. Jon hat da gerade seinen Abschluss als Toningenieur gemacht und war auch ziemlich viel als DJ in Sydney unterwegs.
Jon:
James, unser Schlagzeuger, war auch in ein paar Bands genau wie Tyrone. Er und James waren auf der gleichen Schule und trotz des Altersunterschiedes haben sie zusammen in einem Percussion-Ensemble gespielt.
Tyrone:
Ja, da waren wir zu viert. Ich hatte eigentlich keine Ahnung, wie man das spielt, aber James ist ein fantastischer Percussion-Spieler und ein genauso toller Schlagzeuger. Ein Freund von mir meinte, ich soll einfach vorbeikommen und es ausprobieren. So habe ich James kennengelernt.

Und wie habt ihr beiden euch dann kennengelernt?
Jon:
Tyrone und mein kleiner Bruder waren beste Freunde. Das hat dann gut gepasst. Mein Bruder macht jetzt unsere ganzen Film-Clips und hat uns von Anfang an geholfen, Rüfüs zu kreieren, mit dem Namen und der Marke. Er hat verstanden, was wir versucht haben zu machen. Er war ein großer Teil davon und ist es immer noch. 

SLEAZE.rüfüs4Was war denn das Erste, das ihr übereinander gedacht habt, als ihr euch kennengelernt habt?
Jon:
Tyrone ist ja ständig in unserem Haus rumgerannt, einfach wie ein kleines Kind. Ich war wahrscheinlich der große Bruder, der durchs Haus gelaufen ist und genervt war.
Tyrone:
Na, Jon war der coole, große Bruder und er war DJ. James ist lustigerweise der beste Freund vom kleinen Bruder meines anderen besten Freundes. Dadurch habe ich ihn öfter gesehen. Vielleicht hat er ja dann das Gleiche über mich gedacht.
Jon:
Ich habe James zum ersten Mal mit seiner damaligen Band gesehen. Sie haben hinten in einem kleinen Club gespielt und alle dort haben einfach den Schlagzeuger angeguckt, weil er so gut und verrückt gespielt hat. Schließlich haben wir ihn angesprochen und aus dieser Band zu uns geholt.

Gibt es einen Song, der euch besonders inspiriert hat, Musik zu machen oder eure Musik heute noch beeinflusst?
Tyrone:
„Take me into your skin“ von Trentemoller war ein wichtiger Song für mich. Musik mochte ich immer sehr, aber der hat mich zur elektronischen Musik gebracht. Booka Shade mit ihrem Album „Movements“ hatten auch großen Einfluss.
Jon:
Für mich auch Booka Shade. Das war so ein Wendepunkt und hat mich zu der Musik gebracht, die ich wirklich mochte. Und zum DJ-ing.
Tyrone:
Auch die ganzen Natur-Sounds in „Movements“ von Booka Shade wie das Zirpen und die ganze Klang-Produktion, das Melodische und die Bass-Lines. Das hat mich definitiv zur elektronischen Musik gebracht, es musste auch keinen Gesang oder so haben. Ich bin aufgewachsen mit sehr Gesang-geprägten Liedern und „Movements“ hat meine Augen für andere Musik geöffnet. Das hat uns auch alle verbunden, als wir mit Rüfüs angefangen haben.

Habt ihr am Anfang auch Lieder gecovert oder gleich eigene Songs geschrieben?
Jon: Unsere erste EP mit fünf Lieder haben wir selbst geschrieben. Dann wollten wir auch live spielen und brauchten dafür ein paar mehr Lieder. Dann haben wir ein paar Covers gespielt, zum Beipsiel von
Trentemøller.
Tyrone:
Auch Gotyes „Hearts a mess“. Booka Shade haben wir auch gecovert, zum Beispiel ihren Song „Charlotte”.
Jon:
Tears for Fears „Shout“ auch.

Gibt es irgendwas, dass ihr musikalisch mit Rüfüs nicht machen könnt oder gerne machen würdet?
Jon: Ein Symphonie-Orchester vielleicht. Also wenn wir unendlich viel Geld hätten, dann hätten wir einen fantastischen Arrangeur und ein Orchester.
Tyrone:
Vielleicht auch noch einen Gospel-Chor dazu.

Gibt es etwas, dass ihr nie machen würdet?
Tyrone:
Also Country-Musik ist etwas, dass ich mir nicht viel anhöre. Aber in jedem Genre kann es ein gutes Lied geben.
Jon:
Da sind wir echt offen für alles Mögliche.

Ihr habt ja schon einige Live Shows hinter euch. Ist da schon mal etwas richtig Peinliches passiert?
Jon:
Ja! Einmal habe ich versucht, mein Mikrofon zu trinken und in mein Bier zu sprechen. Ich glaube ich war einfach nervös, es muss nicht mal das Bier gewesen sein.
Tyrone:
Hast du das nicht drei Mal oder so gemacht?
Jon:
Ja, ich habe mich auch echt gewundert jedes Mal.
Tyrone:
Jemand im Publikum hat es auch gesehen und in ihrer Review geschrieben, dass es das Highlight der Show war, wie Jon versucht hat, sein Mikrofon zu trinken und ins Bier zu sprechen. Nach der Show meinte er zu uns, er könne gar nicht glauben, dass ihm das passiert ist. Wir haben nur gelacht und ihm gesagt, dass das bestimmt sowieso niemand mitbekommen hat. Aber dann stand es am nächsten Tag in der Review.

Habt ihr irgendwelche Rituale vor den Live Shows?
Tyrone:
Wir umarmen uns immer, geben High-Fives und wünschen uns viel Glück. Aber sonst nicht wirklich, einfach ein bisschen entspannen vorher.
Jon:
Unser Tour-Manager kommt direkt vor jeder Show zu uns und sagt: „Time to smash!“. Das gibt uns Energie und er ist aus Serbien und sagt das mit so einem tollen Akzent.

Dann haben wir jetzt noch ein paar Entweder-Oder-Fragen und ihr müsst euch nur für das entscheiden, was euch lieber ist.
Nutella oder Vegemite?
Jon:
Vegemite?
Tyrone:
Vegemite!
Sonne oder Schnee?
Jon und Tyrone
: Sonne.
Surfen oder Ski fahren?
Jon:
Surfen. Ski fahren ist mir zu gefährlich.
Tyrone:
Was ist mit Snowboard fahren? Du skatest ja auch. Aber ich nehme surfen.
Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang?
Jon:
Sonnenaufgänge.
Tyrone:
Das fühlt sich gut an. Ich schlafe immer aus und sehe Sonnenuntergänge viel öfter. Sonnenaufgang wäre mal was Neues.
Natur oder Großstadt?
Tyrone:
Natur.
Berlin oder Sydney?
Jon:
Berlin für das Nachtleben und Sydney für das Wetter.
Pizza oder Brokkoli?
Jon:
Pizza ist gut, aber dann fühle ich mich schlecht.
Tyrone:
In einem unserer Film-Clips sind Brokkoli-Bäume, die aus Miniatur-Brokkoli entstehen.
Kino oder Streamen?
Jon und Tyrone
: Kino.
Musik herunterladen oder Vinyl-Platten?
Tyrone:
Also ich habe keinen Plattenspieler, aber ich hätte gerne einen. Doch am liebsten höre ich CDs.
Jon:
Ja, die physische Version.
Im Studio arbeiten oder Live spielen?
Jon:
Das ist schwer. Im Moment die Live-Shows, aber wenn du mich in ein paar Monaten fragst, würde ich Studioarbeit sagen.
Musik schreiben oder spielen?
Tyrone:
Das ist so ähnlich.
Jon:
Ja, im Moment live spielen, aber in einiger Zeit ist Schreiben wieder besser.
Tyrone:
Man will oft das machen, was man lange nicht machen konnte.
Euer erstes Album „Atlas“ oder das neue „Bloom“?
Jon:
Bloom.
Tyrone:
Na sicher. Das hoffen wir auf jeden Fall, weil wir ja besser werden wollen.

Danke an die Jungs, dass ihr noch Zeit für uns hattet, denn von hier aus ging es für Rüfüs direkt zum Soundcheck. Zur Show hat es James dann zum Glück auch noch geschafft.

Maurin

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