Comic-Komik der anderen Art

Comic-Komik der anderen Art

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Auf den ersten Blick erscheint Werewolf Jones wie ein dauerbekiffter, gemeiner Idiot. Auf den zweiten auch. In einem seiner jüngsten Fehltritte verteilt er beispielsweise wissentlich Herpes im gesamten Bekanntenkreis und versinkt im Selbstmitleid darüber, dass er daraufhin von all seinen Freunden verstoßen wird. Ein ziemliches Ekelpaket also. Wobei man sich auch fragen mag, in was für einem Kreis Jones sich da bloß bewegt, damit es denn überhaupt so weit kommen kann? Die zentralen Charaktere der Comic-Reihe „Megg, Mog & Owl“ sind eine depressive Hexe, ihre notgeile Katze und eine – zumindest im Gegensatz zu den beiden anderen –fast spießig wirkende Eule. Ein Charakter wirkt hier kaputter als der andere. Der zerzauste Werwolf steht zwar meist nicht im Mittelpunkt der Handlung, dafür jedoch stets an der unangefochtenen Spitze der Verhaltensauffälligkeit.SLEAZE.werewolf-comic2

Die verstörenden Geschichten rund um die drei stammen aus der Feder von Simon Hanselmann, Comic-Künstler aus Tasmanien. Dabei ließ er sich von der britischen Kinderserie „Meg, Mog & Owl“ inspirieren. Seine Comics sind allerdings alles andere als kinderfreundlich. Simon wuchs in der Stadt mit der höchsten Kriminalität des Landes als Sohn einer heroinabhängigen Mutter auf, die für sein Wohlergehen Bücher und Spielzeug klaute. Irgendwann brach er die Schule ab und widmete seine Zeit fortan dem Comic zeichnen. Klingt so ziemlich nach dem was man erwartet, wenn man seine Comic-Strips sieht.

Regelmäßig wird hier die Grenze des guten Geschmacks meilenweit überschritten und ein Leben in hedonistischem Chaos dargestellt. Seine Comics verbreitete er zunächst über tumblr, wo sie schon bald Aufmerksamkeit erregten und munter verbreitet wurden. Inzwischen ist eine Auswahl seiner Comics sogar in Französisch, Deutsch und Spanisch übersetzt und als Buch veröffentlicht worden.

SLEAZE.werewolf-comic1Wer denkt, es handle sich hier nur um billige Effekthascherei durch eine Anhäufung von Geschmacklosigkeiten, liegt daneben. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass Simon mit seinen, wenn auch auf eine sehr eigenwillige Weise sympathischen, Figuren tieferliegende Problematiken anschneidet: Werewolf Jones ist dauerpleite, wird von Suchtproblemen und Existenzängsten geplagt und versucht auf sehr uncharmante Weise bei seinen Freunden Mitleid zu erregen, um sich bei ihnen einnisten zu dürfen. Hexe Megg macht, neben ihren immer wiederkehrenden depressiven Schüben, auch ihre Rolle als Frau zu schaffen. So gibt sie sich resigniert den dauerhaften Anmachen Moggs hin oder brennt sich auch mal eben die Beinbehaarung mit einem Feuerzeug ab.

Die Geschichten zeigen vor allem skurrile oder manchmal auch nur banale Alltagssituationen, in denen die Charaktere Schwierigkeiten haben, sich so zu verhalten, wie die Gesellschaft es wohl von ihnen erwarten würde. Im Fall von Megg endet dies oftmals in Lethargie, Werewolf Jones hingegen entledigt sich einfach mal wieder seiner Hose und lebt nach seinen eigenen Regeln. Da können die Bilder noch so bunt und albern wirken, das Lachen bleibt hier meist doch eher im Halse stecken.

Lisa

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