Comic Day 2012 – Der Comic ist erwachsen geworden, ein Interview.

Comic Day 2012 – Der Comic ist erwachsen geworden, ein Interview.

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Am Samstag, den 12. Mai feiern wir wieder die Helden unserer Kindheit, gezeichnete Supermänner und gekritzelte Tierchen.


Der Comic Day 2012 steht vor der Tür (es gibt übrigens auch etwas umsonst, mehr findet ihr hier). Doch während unsere Erinnerungen an Asterix und Obelix, Lucky Luke und Micky Mouse verblassen, bewegt sich etwas in der Szene. Es wird wild geballert und kritisch beäugt – Arne Jysch hat einen Comic zum Afghanistan Krieg gezeichnet.

SLEAZE: Sponge Bob planscht mit tauchenden Eichhörnchen und Bart Simpson zündet Fürze an – glaubst du nicht, es ist schwierig so ein ernstes Thema wie Krieg als Comic abzuwickeln?

Arne: Ich glaube, das wäre vor 15 Jahren schwieriger gewesen, aber die Entwicklung zum Graphic Novel hat zugenommen und damit gibt es jetzt auch eine ganz andere Leserschicht, so dass man auch ernsthaftere Themen beleuchten kann.

SLEAZE: Liest heute überhaupt noch jemand Comics?

Arne: Das ist für mich schwer zu sagen. Ich komme aus der Szene, da gibt es viele Wahnsinnige, die sich mit nichts anderem beschäftigen und noch alte Orginalsammlungen und so etwas haben. Die Szene in Deutschland ist schon sehr familiär, aber auch noch relativ unkommerziell. Der Trend geht dazu, dass man Comics jetzt auch in einer normalen Buchhandlung finden kann und nicht nur in nerdigen kleinen Comic-Läden. 

SLEAZE: Wie bist du auf deine Idee gekommen gerade einen Comic über einen Krieg zu machen?

Arne: Eigentlich komme ich ja vom Film, ich habe Animation studiert. Ich hatte während des Entwickelns auch eher Filmbilder im Kopf, so in Richtung Hurt Locker.

Comic war zu der Zeit für mich eigentlich gar kein Thema. Ich kauf mir hin und wieder welche, aber ich bin jetzt kein Comic-Fanatiker. Aber ich zeichne regelmäßig Storyboards und hatte dann die Idee mich mal an einem Comic zu versuchen.
Und da war dann diese Afghanistan Geschichte. Das ist schon irgendwie so entstanden, weil es viel in den Medien auftaucht und es dazu, vor drei Jahren, noch kaum fiktive Geschichten gab, also habe ich selber angefangen zu recherchieren.

Das Schlüsselerlebnis war eigentlich der Mann einer Freundin, die ist verheiratet mit einem Afghanen. Mit dem bin ich ins Gespräch gekommen. Er hat eine relativ radikale Sichtweise dem Thema gegenüber.

Bist du je selber in Afghanistan gewesen?

Arne: Nein, das wäre mir zu gefährlich gewesen. Aber gereizt hat es mich schon. Alles was die kleinen Details angeht, wie die Lichtstimmung und Gerüche, da musste ich halt auf Erfahrungsberichte zurückgreifen. Auch bei der Bundeswehr habe ich nie gedient.Ich wurde gemustert, aber ich habe nicht gut abgeschnitten und hätte wahrscheinlich noch nicht mal den Panzer fahren dürfen. 

SLEAZE: Und wie bist du dann an alle Informationen gekommen?

Arne: Das Verteidigungsministerium hat mir gute Kontakte vermittelt und mir sehr geholfen. Auch die Bundeswehr stand mir überraschend positiv zur Seite, obwohl das Ergebnis ja nicht unkritisch ist.


SLEAZE: Was hat dich bei deiner Recherche am meisten überrascht?

Arne: Die Soldaten halten kleine Schildkröten als Haustiere und züchten Rosen in ihren Wohnlagern. Es gab schon komische Dinge, auf die man von alleine nie gekommen wäre.


SLEAZE: Was bedeutet der Titel?

Arne: Irgendwie beschreibt „Wave and Smile“ am besten den Umschwung von dem geplanten Hilfeinsatz der Bundeswehr, der sich irgendwie zu einem Krieg entwickelt hat. In den Lagern hängen dort Schilder, die die Soldaten daran erinnern sollen, der Bevölkerung freundlich gegenüber zu treten, eben immer freundlich lächeln und winken… .


Zur Person:
Arne Jysch lebt 
und arbeitet als Storyboard-Zeichner, Animations-Künstler und Illustrator in Berlin. 

Wave and Smile“ erscheint am 2.Juli 2012 im Carlsen Verlag. 

 

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