Chemiebärkasten

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Tim Sander experimentiert gern. Zum Herumbasteln hat er sich ausgerechnet die mit den meisten Klischees behaftete Musikrichtung ausgesucht. Als T der Bär macht er Hip Hop. Das Raubtier (ja, das sind Bären wirklich) zieht sich als roter Faden durch sein Debütalbum Bienenwolf.

Das Cover ziert ein Honig-Toast und die Tracks haben Namen wie „Bärenguss“ und „Bär auf dem Schoß“. Auch wenn es thematisch nicht die ganze Zeit lustig zugeht, an Satire und Blödsinn gibt es trotzdem jede Menge zu entdecken.
Während das erste Lied noch etwas monoton ist, scheint Tim ab „Du musst brennen“ schon aufgewärmter zu sein, besonders was den Rap angeht. Interessant ist vor allem auch, was T der Bär im Hintergrund so alles ausprobiert. Die Sounds klingen anfänglich nach orientalischer Musik, dann kommt ordentlich Bass dazu und einige Songs klingen, als würde Tim parallel zum Singen auf der Platte scratchen. In seinen Texten macht er deutlich, dass die Ansprüche der deutschen Rap-Szene nichts für ihn sind. Besonders hat er es auf den Begriff „Realness“ abgesehen und macht sich zu gerne darüber lustig. Für ihn ist „Deutsch-Rap ein trotziger Junge auf einem Dreirad“.

SLEAZE+T der Bär 2

Er experimentiert auch gerne, was seine Stimme angeht. Oft wird sie verzerrt oder er legt mehrere Stimmen übereinander. Er klingt markant, singt öfter mal tief oder hilft elektronisch nach, um sich noch tiefer anzuhören. Manchmal wiederum klingt er fast wie Jan Delay.

Tim kommt aus Berlin und genau dieses Stadt-Feeling vermittelt er durch den Track „Nie mehr“. Indirekt scheint er das Leben und den Alltag in seiner Heimatstadt zu beschreiben. Hier und in den beiden darauffolgenden Liedern muss er beim Produzieren ziemlich viel an den Reglern gedreht zu haben. Es gibt viele deutliche Umbrüche und Wechsel, die auch mal nervig sein können.

T der Bär schreibt, produziert und bastelt seine Beats selber. Mit 37 Jahren bringt er sein Debütalbum vergleichsweise spät heraus, doch hat es länger gedauert, bis er seine Liebe zum Hip Hop entdeckt hat.
Bienenwolf ist abwechslungsreich und die meiste Zeit sogar tanzbar. Die melodischeren Passagen machen das Album eingängiger. Die Soundexperimente sind ihm größtenteils gelungen, doch hat auch er nichts komplett Neues erschaffen. Seine Texte parodieren größtenteils Klischees, was man so auch schon mal gehört hat. Das Konzept mit dem Bären ist gut, hätte von Tim nur konsequenter durchgezogen werden müssen. Wenigstens ein kleines Easter Egg in jedem Song wäre toll gewesen. Ein großer Vorteil sind die vielen verschiedenen Stilmittel und Soundeffekte, durch die Bienenwolf nie langweilig wird. Wer sich mit Gangster-Rap nicht anfreunden kann, aber sich trotzdem gerne mal etwas pop-orientierten Hip Hop anhört, findet in T der Bär bestimmt einen guten, kurzweiligen Begleiter.

Maurin

Interpret: T der Bär
Album: Bienenwolf
VÖ: 22.04.2016
Label: Rummelplatzmusik

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