Charlie Says: Familie Manson und das Blutbad

Charlie Says: Familie Manson und das Blutbad

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SLEAZE + Charlie Says
Heile Welt.

Als Medienpartner des tollen Fantasy Filmfest entdeckten wir auf dem Festival viele neue Filme – wie Charlie Says.

Was trieb drei junge Frauen im Sommer 1969 in ein Massaker? In ihrem neusten Film Charlie Says nimmt sich American Psycho-Regisseurin Mary Harron die Tate- und LaBianca-Morde durch Mitglieder der in den 60ern von Charles Manson geführten „Familie” an.

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Charles Manson am Manipulieren

Allerdings geht es weniger um den konkreten Ablauf der Bluttaten als vielmehr um die Schicksale der drei darin verwickelten Leslie Van Houten (Hannah Murray), Patricia Krenwinkel (Sosie Bacon) und Susan Atkins (Marianne Rendón).

Charles ist so etwas wie der Inbegriff eines morbiden Kults. Zwar konnten dem im November 2017 in Haft verstorbenen Kultführer nie selbst Tötungen nachgewiesen werden. Dennoch steht sein Name symbolisch für eine der medienwirksamsten Mordserien des 20. Jahrhunderts.

Besonders die vom 8. auf den 9. August ’69 begangenen Morde an der damals hochschwangeren Schauspielerin Sharon Tate, die zu jenem Zeitpunkt mit Regisseur Roman Polanski verheiratet war, und vier weiteren im Anwesen der Verheirateten erlangten geradezu mystische Bekanntheit. Nur eine Nacht später wurde das Ehepaar LaBianca Opfer der Familie.

Junge Menschen stachen und schossen auf ihre Ziele ein, bis das Blut floss. An den Tatorten ließen sie mit dem Blut der Opfer geschriebene Worte und Botschaften zurück.

Pig, also Schwein, Rise (Erhebt euch) oder auch Helter Skelter, das den Glauben an einen kommenden apokalyptischen Krieg zwischen Schwarz und Weiß ausdrückte. Der Film nähert sich in zwei Zeitebenen den drei jungen Frauen Leslie, Patricia und Susan sowie dem Mythos Manson mit nur schwacher Stimme an.

Simple Antworten auf den Mythos

Das inhaftierte Trio rückt hierbei ins Zentrum der Erzählung, allen voran Manson-Neuling Leslie. Filmemacherin Mary marschiert im Wechsel zwischen Befragungen im Gefängnis durch Studentin Karlene Faith (Merritt Wever) und dem Alltag der Manson-Kommune auf der Spahn Ranch nahe Los Angeles geradewegs auf die schicksalshaften Nächte zu.

Sie zeigt zum einen ein von Drogen, Sex und Musik begleitetes Treiben auf der Ranch, das Weggelaufenen und Freiheitssuchenden ein Zuhause bot. Zum anderen zeigt sie die mutmaßliche Erfüllung des Wunsches nach einem freien Leben fern der Fesseln der Gesellschaft.

SLEAZE + Charlie Says
Treue Jüngerinnen des Kultführers

Charles Manson (gespielt vom ehemaligen Doctor Who-Darsteller Matt Smith) ist der wilde, zarte, aber auch widersprüchliche charismatische Führer in der Geschichte, die sich für mich ein wenig nach dem Filmpendant eines biederen Sachbuchs mit einfachen Antworten anfühlte.

Die Entwicklung Leslies hin zur Killerin geschieht nach relativ simpel gestrickten Mustern, in der auf einem Erweckungsmoment der Paradigmenwechsel folgt. Da überrascht es nicht, dass die Erzählung in fortgeschrittenem Stadium ihre Hauptfigur noch einmal auf die Probe stellt, um ganz sicher zu gehen, dass ihre für die Chronik der Story wichtige Transformation geglückt ist.

Blasse Seelenwelten

Charlie Says erhält durch die eindimensionale Einfachheit seiner Reiz-Reaktion-Momente etwas Plumpes. Die fundamentalen Augenblicke in Leslies Verwandlung wirken wie von einer starren Timeline in Drehbuchform abgefilmt.

Der Inszenierung gelingt es kaum, sich aus diesem engen Korsett zu befreien. Sie dringt nicht zu ihren Figuren vor, sondern ergibt sich den Antworten in Gestalt küchenpsychologischer, dröger Vorstellungen. Dadurch wird der zweiten Erzählebene der Gefängnisunterhaltungen der wichtige Nährboden entrissen.

Denn letztlich geht es auch um die Entzauberung des Manson-Mythos und die damit verbundene Konfrontation der drei Frauen mit ihren Taten. Zu Beginn sind sie noch überzeugt von ihrem Heilsbringer, doch zunehmend dringen immer stärkere Zweifel in ihre Seelenwelten vor.

SLEAZE + Charlie Says
Heile Welt.

Jene Welten bleiben zuvor jedoch farblos und nehmen ihren aufkommenden Konflikten somit die nötige Wucht, um Charlie Says nicht nur zu einer simplen Chronik der Ereignisse, sondern einer unvergesslichen Reise ins Herz der Finsternis zu machen.

Alex

Titel: Charlie Says
Kinostart: noch ohne deutschen Kinostart
Dauer: 110 Minuten
Genre: Drama
Produktionsland: USA
Filmverleih: Koch Films

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