Carnage Park: Willkommen in meiner Hölle!

Carnage Park: Willkommen in meiner Hölle!

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Unsere zweite Vorstellung eines Fantasy Filmfest-Entrys. Beachte auch unsere Verlosung zu München und Berlin – du kannst Freitickets fürs FFF gewinnen! Hier aber die Rezension zu Carnage Park:
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Den Tod im Rückspiegel und der Wagen startet nicht.

Grindhouse gesehen von Tarantino / Rodriguez? Dann hast du schon eine Idee davon, wie der Fantasy-Filmfest-Beitrag Carnage Park ungefähr ist. Hier haben wir es auch mit einem Horrorfilm mit ziemlich expliziter Gewalt und viel Blut zu tun, der vom Look und Feel her aus den 70er Jahren kommen könnte und damals in irgendeinem ziemlich runtergekommenen Kino gelaufen wäre. Er spielt dann auch 1978. Und worum geht‘s? Stell dir vor: Du bist mitten im Nirgendwo unterwegs, irgendwo im Hinterland, und hast eine Autopanne. Verdammt! Wahrscheinlich ist es ewig bis zur nächsten Tankstelle – das wird jetzt richtig nervig werden und viel Zeit kosten, denkst du dir. Beim nächsten Mal, wenn dir das im echten Leben passiert, sei dankbar und warte geduldig auf den Abschleppdienst. Denn wärst du eine der bedauernswerten Figuren in Carnage Park, würde das Ganze so weitergehen: Der Abschlepptruck kommt und ein komischer Vogel sitzt drin. Dann: Filmriss. Du kommst wieder zu dir und bist irgendwo auf einem Gelände fernab der Zivilisation, das ein bisschen an eine Dirtbike-Strecke oder einen Schießübungsplatz erinnert. Wart ihr als Gruppe unterwegs, gibt’s einen lauten Knall und irgendwas zischt an dir vorbei. Du drehst dich nach rechts und ein Freund von dir hat einen Bauchschuss gekriegt und bricht zusammen. Einfach so kam der Schuss von irgendwo her. Du kannst es nicht sehen, denn der Sniper versteckt sich. Dann geht eine Sirene los und die Jagd beginnt. Hier wirst du nicht mehr lebend rauskommen.

Denn in Carnage Park hat sich ein völlig durchgedrehter Vietnam-Veteran, der dazu noch Scharfschütze war, einen persönlichen Horrorpark gebaut. Aus therapeutischer Sicht ist das gar nicht so schlecht. Denn irgendwie ist der Typ mal so was von schwer traumatisiert von ‘Nam und gleichzeitig nie wieder im Frieden angekommen. Also hat er sich einfach sein eigenes Vietnam nachgebaut! In dem netten Pärkchen kann er jetzt sein eigenes Trauma immer wieder durchspielen – ein wenig ärgerlich für seine Opfer allerdings!

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Die dunkle bzw. blaue Seite – Classic FFF-Poster

Carnage Park ist ein ganz typischer Fantasy-Filmfest-Film: Von Anfang an fließt Blut. In der allerersten Szene wird jemand abgeknallt, der eh nur noch ein blutender Haufen ist. In der zweiten Szene flüchten zwei Bankräuber, der eine hängt angeschossen blutend auf dem Rücksitz und wird es nicht mehr lange machen. Das ist übrigens auch schon die erste Genre-Variation von CP: Die Bankräuber flüchten, haben eine Frau als Geisel genommen, und landen dann im Carnage Park. Super! Ganz besonders hart ist das für Vivian, die Geisel: Sie kommt aus den Händen der einen Psychopathen in die Fänge eines noch größeren! Mit Vivian hatten die Gangster aber womöglich eh nicht den besten Griff gemacht, denn sie ist mal wirklich tough. Sie kann sich dann auch am Besten gegen den Psycho-Killer zur Wehr setzen. Nachdem der Film dich also kurz am Anfang auf eine falsche Fährte gelockt hat, die dich denken lässt, jetzt geht’s um Flüchten vor der Polizei, kommt dann der Park. Er ist kein schöner Ort zum Sterben: umgeben von einem elektrischen Zaun, überall Bärenfallen und sonstige mörderische Vorrichtungen. Der Killer-Scharfschütze kennt das Gelände natürlich wie seine Westentasche und muss ja nicht mal nah ran an seine Opfer. Dementsprechend hat es auch noch nie jemand rausgeschafft.

Der Retro-Style kommt dabei richtig gut. Die gedämpfte Farbpalette und Ausstattung verankern CP fest in den Siebzigern. Auch der Kamerastil und die generelle Machart sind dem nachempfunden und richtig schön flashig-trashig. Die Charaktere sind herrlich Tarantino-mäßig überzeichnet. Der eine Bankräuber heißt beispielsweise „Scorpion Joe“ und die Dialoge der beiden Gangster laufen ungefähr so: „Ich geh nicht zurück (in den Knast), Joe!“ Scorpion Joe: „Wir gehen nicht zurück, wir gehen nie dahin zurück!“ Haha. Der Film gehört eigentlich ins Genre „Survival Horror“, hat aber auch von dem her mehr mit Filmen der 70er zu tun als z.B. mit Saw. Denn in Carnage Park landen ahnungslose Städter oder andere Ortsfremde in den Fängen eines Irren vom Land – wie beispielsweise bereits in Texas Chainsaw Massacre (1974). Das nennt sich „Backwoods-Horror“ und ist ein Horror-Untergenre, das eben in den 70ern aufkam. Kein Wunder, wenn du damals als Hippie oder ähnliches aus der Stadt (gerade in Amerika) mal aufs Land gefahren bist, gab’s bestimmt einen ganz schönen Horrortrip. Dieser (realen) Angst vor rückständischen waffenverliebten Hinterwäldlern hat sich der Horrorfilm natürlich angenommen – „wo dich niemand schreien hört!“ 😉

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Der Killer ist dann natürlich Genre-typisch fast unbesiegbar, obwohl er ja eigentlich ein normaler Sterblicher sein soll. Aber auch wenn man auf ihn schießt, ist er kurz danach wieder augenscheinlich voll einsatzfähig hinter dir her. Hart unlogisch an dem Streifen ist dabei, dass die Geisel Vivian zu einem Zeitpunkt des Films mit Waffe vor dem am Boden liegenden Killer steht und ihn einfach nicht abschließend kalt macht. Naja, an so was kranken ja viele Horrorfilme und auch andere Streifen. So konnte sich z.B. ja auch James Bond schon immer schön aus Todesfallen befreien, in die ihn die Bösewichte steckten und ihn dann alleine ließen, damit er fliehen konnte. Carnage Park stört das auch nicht wirklich – der Film punktet eher über seinen Style. Mir gefällt das auf alle Fälle. Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber mir macht es irgendwie Spaß, jederzeit von einem Psycho abgeknallt werden zu können – nur stellvertretend und im Film natürlich. Carnage Park ist kein Tarantino, aber ein eigenständiger Film – topp!

Robert

Titel: Carnage Park
Regie: Mickey Keating
Laufzeit: 90 Min.
Carnage Park ist am 22.8. & 26.8. in Berlin auf dem Fantasy Filmfest zu sehen und danach an allen weiteren Festivalorten (Nürnberg, München, Frankfurt, Köln, Stuttgart, Hamburg)
Carnage Park hat noch keinen deutschen Starttermin
Verleih: Tiberius Film

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